honorarfrei - Adam Grant

© MICHAEL KAMBER /Michael Kamber

Analyse
08/13/2013

Der Aufstieg der Gebenden

Tschüss, Egoisten: Empathische Gebende und Introvertierte sind geeigneter für Führungsjobs

von Andrea Hlinka

Diejenigen, die sich am besten inszenieren, gelangen an die Spitze, glaubt man. Doch es scheint, als wäre die Zeit der Pfauen vorbei. Diverse Studien der vergangenen Monate zeigen, dass auch die sogenannten „Gutmenschen“ beruflich weiterkommen. Und nicht nur das: Empathische Gebende und Introvertierte sind fähigere Führungskräfte als ihre egoistischen Konterparts.

Corinne Bendersky, Professorin an der UCLA Anderson School of Management, empfiehlt lieber, den ruhigen Neurotiker als den beeindruckenden Extrovertierten einzustellen. In „The Downfall of Extraverts and Rise of Neurotics“ schreibt sie, dass Extrovertierten öfter Details entgehen und sie unkonzentriert sind.

2011 untersuchten Wissenschafter der Wharton Business School, einer renommierten Wirtschaftsfakultät der University of Pennsylvania, ob Unternehmen mit introvertierten Chefs erfolgreicher sind als jene mit extrovertierten. Das Fazit der Studie: Unternehmen, die viel Eigenverantwortung von ihren Mitarbeitern verlangen, sind besonders erfolgreich, wenn sie von einem introvertierten Chef geführt werden.

Adam Grant war einer der Wissenschafter, die an der Studie beteiligt waren – ein blitzgescheiter und aufmerksamer junger Mann. Er studierte an der Harvard University, mit 32 Jahren ist er heute der jüngste Professor an der Wharton Business School. Die Business Week zählt ihn zu den Top 40 der Wirtschaftswissenschaftler unter 40. Haben renommierte Unternehmen wie Google ein Personalproblem, rufen sie nach Grant. Der habe meist die Antwort, wie die New York Times schreibt.

Revolutionäres Buch

Wenn ihm nach einem Arbeitstag an der Uni 200 eMails im Posteingang entgegenklingeln, bemüht er sich, diese zu beantworten. Und zwar in einer Art und Weise, dass sie dem Empfänger nützen. Sieben Jahre lang hat der Organisationspsychologe Studien und Hinweise auf den Wandel in der Arbeitswelt gesammelt, verdichtet und ausgewertet. Die Ergebnisse sind in seinem Buch „Give and Take – A Revolutionary Approach to Success“, das im Oktober im Droemer Verlag auf Deutsch erscheint, zu lesen. In dieser Analyse teilt er Menschen in drei Kategorien: die Gebenden (Giver), die Ausgleichenden (Matcher) und die Nehmenden (Taker). Die Nehmenden wollen so viel wie möglich von anderen bekommen, Matcher erbringen Leistung nur bei Gegenleistung.

Geber kommen besser an

Die Gebenden dagegen geben, ohne etwas dafür zu erwarten. Und werden daher von ihrem Arbeitsumfeld geschätzt. Sie pflegen zwar lose, aber dafür viele Kontakte, werden durch Einfühlungsvermögen, Hilfsbereitschaft und ihrem Anliegen, ein bestmögliches Ergebnis für alle zu erzielen, als angenehme Geschäftspartner wahrgenommen. Sie werden vom Gegenüber wegen ihres gutes Rufs respektiert, gelten als ehrlich und unterstützend. „Gebende warten nicht auf Zeichen von Potenzial. Sie vertrauen von vornherein in die Fähigkeiten anderer. Gebende neigen dazu, Potenzial in jedem zu sehen“, schreibt Grant, der selbst den Gebenden verkörpert. Um als Geber erfolgreich zu sein, müssen sie kurzfristig zu Nehmenden bzw. Ausgleichenden werden: Beispielsweise wenn es unmöglich wird, die eigenen Aufgaben zu erfüllen – weil die Zeit drängt oder sie überlastet sind.

Tun sie das nicht, werden die Gebenden schnell zum sich aufopfernden Wunscherfüller. Und bleiben auf der Strecke.

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