Als CEO gekündigt - dann stellt sich die Frage: Was jetzt? Und wohin?

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Rauswurf
10/31/2014

Als CEO gekündigt – und danach?

Wer den höchsten Posten im Unternehmen verliert, hat zwar meist keine Geldsorgen, aber ein anderes entscheidendes Problem: Was kommt jetzt und wo gibt es überhaupt noch Job-Chancen?

von Sandra Baierl, Nicole Thurn

Fall eins hatte zu viel Geld verpulvert. Fall zwei überwarf sich mit dem Aufsichtsrat. Fall drei konnte zwar kaum etwas für die hohen Unternehmensverluste – die Märkte liefen mies, die Krise hatte zugeschlagen. Als Bauernopfer musste er trotzdem gehen.

2,3 Prozent aller Vorstände mussten im Vorjahr im deutschsprachigen Raum ihren Chefsessel räumen. Unfreiwillig. Das erhob die "Chief Executive"-Studie von Strategy& (ehemals Booz & Company). Die Verweildauer im Chefsessel hat weltweit abgenommen – von acht Jahren im Jahr 2000 auf rund sechs Jahre. Drei bis fünf Jahre sind es aktuell in Österreich, schätzt die Managementberaterin Heidi Glück.

Als Vorzeigemanager wird man medial gehypt, das mächtige Ego sonnt sich in der Öffentlichkeit. "Viele Top-Manager genießen es enorm, in der Öffentlichkeit zu stehen. Umso tiefer ist dann ihr Fall", sagt Günter Tengel, Geschäftsführender Gesellschafter bei Headhunter Amrop Jenewein. Das Mitleid hält sich mit abgesägten Managern in Grenzen. Wenn sie fallen, dann auf gepolsterten Grund, mit Bezügen bis zum Vertragsende oder satten Abfertigungen. Die Gage ist das Schmerzensgeld – bis zum Schluss.

Anders sieht es mit dem guten Ruf der Gescheiterten aus. Der ist möglicherweise dahin – oder zumindest kräftig angekratzt. Obwohl die Frage der Schuld oft nicht eindeutig ist. "Es gibt kein objektives Versagen als Manager", sagt Headhunterin Charlotte Eblinger. Gerade in Unternehmen mit staatlicher Beteiligung würde vielfach die Politik in Managerbe- und absetzungen dreinreden, meint auch Heidi Glück, die gefallene Manager in der Beratung "management plus" wieder aufrichtet. Sie rät ihren Klienten, sich erst einmal aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Wenn die Position, über die man seinen Selbstwert definierte, plötzlich fehlt, löse das üblicherweise eine persönliche Krise aus. Vorher war die 60-Stundenwoche, wurde man vom Chauffeur abgeholt. Danach – gar nichts. Keine Einladungen, keine Interviewanfragen, keine Aufgabe, kein Status.

Die Abkühlungsphase sollten Manager nutzen, um vor allem eines zu tun: Den eigenen Anteil am Scheitern zu erkennen. "Das ist oft das Schwierigste, die Bösen sind meist die anderen – der Aufsichtsrat, die Medien", analysiert Heidi Glück.

Und dann stellt sich die Frage: Was jetzt? Und wohin?

Die Chancen stehen für geschasste Topmanager in Österreich schlecht. Die Jobs auf höchster Ebene seien rar, der Markt sehr klein, sagt Günter Tengel. "Es gibt nur wenige große Player am österreichischen Markt, die Fehlerakzeptanz ist auch kaum ausgeprägt." Und: Das mediale Beben sei in Österreich stärker spürbar als in größeren Ländern. Charlotte Eblinger ergänzt: "Als gefallener Manager hatte man wohl Feinde in hohen Positionen, sonst hätte einen jemand aufgefangen."

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Mühsame Neuausrichtung

Alles keine guten Bedingungen für einen Neustart. Mindestens ein Jahr suche ein österreichischer CEO einen Job, sagt Outplacementberater Walter Reisenzein, Geschäftsführer der österreichweit größten Outplacementberatung DBM Lee Hecht Harrison. Gemeinsam mit den Kandidaten erarbeitet er eine Abgangsgeschichte für die Jobsuche – "eine wahrheitsgemäße Darstellung der Kündigung, aber marketingtechnisch verpackt". Die Manager müssten lernen, sich neu zu positionieren. "Oft reflektieren die Kandidaten zum ersten Mal nach zwanzig Jahren Konzernkarriere, was sie überhaupt machen wollen", sagt er. Erst wenn feststeht, ob ein Wechsel ins Ausland oder in eine andere Branche gewünscht ist, wird mit der Jobsuche begonnen.

Die muss jedenfalls gut durchdacht sein. Denn oft würden sich die Betroffenen affekthaft für die nächstbeste Vorstandsfunktion bewerben, meint Günter Tengel. Das ginge nur selten gut. Besser sei: "Sich möglichst schnell umzuorientieren." Am besten eine andere Branche, eine andere Position. In manchen Fällen sei es von Vorteil, eine Zeit lang ins Ausland zu gehen, "damit der Fall wieder vergessen wird", rät Charlotte Eblinger.

Der neue Job in Österreich lässt sich finden, glaubt indes Walter Reisenzein. Wiewohl damit zumeist ein Rückschritt in Gehalt und Status einhergeht. Reisenzein erzählt von einem Top-Manager eines börsennotierten Unternehmens, der heute Geschäftsführer einer mittelgroßen GmbH ist. Und vom ehemaligen CEO, der heute Vertriebsleiter in einem Konzern ist.

Viele positionieren sich nach dem Rauswurf komplett neu – als Unternehmer oder Berater. Letzteres sei eine gute Möglichkeit, wieder ins Tun zu kommen. Jedenfalls raten Experten, das eigene Netzwerk zu nutzen. Auch die viel zitierten Seilschaften könnten bei der Neuorientierung helfen.

Und wie kommt das Scheitern von Top-Managern bei Headhuntern an? "Ich hinterfrage sehr genau, welches Thema beim Ausscheiden entscheidend war und ob das wirklich für künftige Besetzungen relevant ist", versichert Headhunter Tengel. Auch wenn der Ruf in der Öffentlichkeit angepatzt ist, heiße das nicht, dass man es in der Branche so tragisch sieht, sagt Heidi Glück. Denn im Umfeld der Managerelite gebe es eine große Solidarität: "Die Manager wissen, wie groß der wirtschaftliche Druck ist. Den einen erwischt es, den anderen nicht."

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