Wirtschaft | Karriere
08.01.2012

2012: Einfach mal tun, was man kann

Empathie ist heuer wichtig, ebenso Fachwissen. Die Ausbildung ist eine Frage des Talents. Ausblick 2012 – und weiter.

Was man gerne macht, macht man gut. Und wer gut ist, kann damit auch Geld verdienen“ – wenn Zukunftsforscher Peter Zellmann das sagt, klingt es ebenso einfach, wie einen Fernseher einzuschalten. „Die Menschen müssen mehr an sich glauben. Das zahlt sich heute mehr aus als früher“, sagt er weiter. Der Grund: Der Übergang von der Industrie- hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft. „Bei Veränderungen gibt es leider immer viele Verlierer. Und auch Krisen gehören dazu“, sagt Zellmann. Doch neben dieser ernüchternden Erkenntnis sieht der Forscher viel Potenzial für Chancen: „Krisen geben auch die Möglichkeit, einen Schritt zurück zu machen, zu verschnaufen und über die vielfältigen Möglichkeiten nachzudenken. Der unvermeidbare Rückschritt ist die Chance für einen Aufbruch.“ Raunzen, Schwarzmalen und Jammern hilft ohnehin nicht weiter. „In Österreich muss die Einstellung zur Arbeit geändert werden. Was ich mache, muss ich gerne machen, dann ergibt sich der Rest. Dann bin ich gut gelaunt, empathisch, hänge mich rein, bilde mich weiter, bin erfolgreich“, sagt Personalistin Monika Lindlbauer. Geht ja quasi wie von selbst.

 

Arbeitsleben: Ade 40/40/40-Modell

Ein Erwerbsleben war bis vor wenigen Jahren unromantisch und unmissverständlich mit der Zahl 40 charakterisiert: 40 Stunden pro Woche, 40 Wochen im Jahr, 40 Jahre lang. Ade, 40er-Diktat, willkommen, Flexibilität und Eigenverantwortung! Heute checken Mitarbeiter ihre eMails auch am Wochenende und brüten nächtens vor dem Laptop über Firmenprobleme. Aber sie sollten sich zugleich Ruhezeiten nehmen können, wenn sie es für notwendig halten – dann sind Arbeitnehmer auch gerne flexibel.

Bei der amerikanischen Firma netflix etwa haben Mitarbeiter bereits seit 2004 kein beschränktes Ferien-Kontingent, sondern können unbegrenzt Urlaubstage nehmen. Ein System, dass nur mit Vertrauen funktioniert.

Auch Zukunftsforscher Peter Zellmann bestätigt das Ende des einengenden 40/40/40-Modells, immerhin ist Flexibilität in volatilen Zeiten ganz im Sinne der Arbeitgeber: „Projektbezogenes Arbeiten, das Abfangen von Produktionsspitzen oder Dienstleistungsspitzen – die Arbeitszeiten werden in Zukunft je nach Auftrags- und Wirtschaftslage mal mehr und mal weniger sein“. Betrachtet wird in Zukunft das gesamte Arbeitsleben, nicht nur die Arbeitszeit pro Tag oder pro Woche.

Jobs: Gefragt: Der sympathische Allrounder

Heuer werden sich zwar keine völlig neuen Arbeitsfelder eröffnen, aber sie werden sich anders darstellen: In den Vordergrund rückt in allen Bereichen die Dienstleistungskomponente – der Kunde, die Geschäftspartner, aber auch Mitarbeiter und Chefs, wir alle wollen umsorgt und verstanden werden. „Wir sind eine Übergangsgesellschaft, weg von der Industriegesellschaft hin zu einer Diensleistungsgesellschaft. Alles, was mit Dienstleistung zu tun hat, hat Zukunft“, ist sich Zellmann sicher. Dienstleistungsgesellschaft ist nicht mit Dienstbotengesellschaft zu verwechseln. Vielmehr geht es um die Fähigkeit, auf die Bedürfnisse der anderen einzugehen – auch als Automechaniker oder Haustechniker.

„Es geht auch immer stärker in die Richtung der Allrounder, die sich in andere Lebenswelten hineinversetzen können und das Problem erst in weiterer Folge an einen Spezialisten weitergeben“, sagt Zellmann. Die eierlegende Wollmilchsau, das Angstgespenst der Nuller-Jahre, meint Zukunftsforscher Peter Zellmann damit nicht. „Es geht darum in zwei, drei Bereichen im Job nicht nur mittelmäßig zu sein, sondern wirklich exzellent zu sein.“

Bildung: Ich puzzle mir eine Ausbildung zusammen

Es gibt sie zu Tausenden: Die jungen Menschen, die bei dem Gedanken, sich für eine Ausbildung entscheiden zu müssen, in Panik geraten, ob der schier unzählbaren Möglichkeiten. Durchatmen. Peter Zellmann nimmt den Gestressten die Last der Entscheidung von den Schultern: „Es gibt nicht mehr das richtige oder das falsche Studium. Mehr denn je müssen sich die Jugendlichen heute überlegen, was sie gerne machen und ihr Ausbildungspuzzle selbst zusammensetzen.“ Und der Zukunftsforscher warnt davor, ein Studium als Voraussetzung oder Garant für einen Job zu sehen. „Wenn wir alle Akademiker sind, gibt es deswegen nicht weniger Arbeitslose.“

Personalberaterin Manuela Lindlbauer unterstreicht das: „Gute Handwerker und Facharbeiter sind immer gefragt, auch wenn es unsexy ist.“ Auch gefragt, sind: Mechatroniker, Maschinenbauer, Chemiker, Elektrotechniker, Informatiker, Mathematiker, Physiker Bau- und Wirtschaftsingenieure, aber auch Juristen und Ärzte und Jobs in der Pflege, Kinderbetreuung oder im Haushalt. „Egal, in welcher Branche, es geht immer um das Bisschen-mehr-an-Leistung“, sagt Lindlbauer.

Fähigkeiten: Es darf ein bisschen freundlicher sein

Fachwissen wird weiterhin wichtig sein. Aber ebenso wichtig wird in Zukunft die Persönlichkeit sein. „Wir alle wissen, was eine gute und freundliche Persönlichkeit ausmacht“, sagt Zellmann. Kommunikationsfähigkeiten, Rhetorik und extrovertiertes Verhalten sind nicht nur Voraussetzungen für eine Karriere als Fremdenführerin oder Flugbegleiterin – Sensibilität und Empathie sind als Soft Skills besonders auch auf Managementebene gefragt. „Jeder muss an sich arbeiten, mit ein bisschen Willen kann jeder seine empathischen Fähigkeiten schärfen“, so Zellmann.

Ein bisschen mehr Drive Auch Personalberaterin Monika Lindlbauer hebt die Bedeutung der Persönlichkeitsbildung hervor: „Die Leute sind heute ohnehin gut ausgebildet. Dass man MS Office und Englisch kann, wird heute nicht mehr diskutiert. Man muss das Wissen, das man sich aneignet aber auch in der Praxis umsetzen können. Die Leute brauchen soziale Kompetenzen, Persönlichkeit, Hausverstand – und ein bisserl mehr Drive.“ Sensibilität und Empathie helfen zuletzt auch, in einer globalisierten Welt den richtigen Ton zu treffen. Stichwort: interkulturelle Kompetenz.

Arbeitsmarkt: Die Niedrigqualifizierten haben’s schwer

Die Prognosen für den österreichischen Arbeitsmarkt sind für 2012 düster(er), die Arbeitslosenzahlen sollen steigen. Ende Dezember 2011 waren 360.583 Menschen in Österreich ohne Arbeit – ein Rückgang von 0,8 Prozent im Vergleich zum Dezember 2010. Claudia Finster vom AMS Wien: „Bundesweit rechnen wir 2012 mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen zwischen 10.000 und 15.000“. Der Grund für den Anstieg: Die Qualifikation der Arbeitssuchenden trifft sich nicht mit den Bedürfnissen der Arbeitgeber. Die Chancen Niedrigstqualifizierter am Arbeitsmarkt schwinden. „Früher hätten wir einen Lagerarbeiter einfacher vermitteln können, heute brauchen sie Zusatzausbildungen. Die Betriebe suchen nach Menschen, die ganzheitlich ausgebildet sind“, sagt Finster.

Der Beschäftigungsausblick für das erste Quartal 2012 von Manpower ist ebenso wenig erbaulich, insgesamt wurden 751 österreichische Personalchefs befragt. Auf die Frage, ob sie im 1. Quartal 2012 Personal aufnehmen, antworteten nur fünf Prozent mit Ja, sieben Prozent wollen den Mitarbeiterstand reduzieren, 86 Prozent wollen ihn nicht ändern und zwei Prozent sind noch unschlüssig.