© Getty Images/iStockphoto/Jacob Ammentorp Lund/istockphoto.com

Wirtschaft | Karriere
07/02/2019

20 Jahre Jubiläum: Privatuniversitäten im Höhenflug

Über 14.500 Studenten sind bereit, für ihre Ausbildung zu zahlen. Über ein ehemaliges Nischenphänomen mit rasantem Wachstum.

Im Jahr 1999 wurde in Österreich das Bundesgesetz zur Gründung von Privatuniversitäten beschlossen – seitdem wuchs ihre Anbieterzahl sowie auch die Anzahl der Studierenden. Aktuell sind 14.446 Studierende an Privatunis akkreditiert, sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Damit machen Privat-Uni-Studierende vier Prozent aller Studierenden in Österreich aus. Trotz des Wachstums lernen aber nach wie vor viel mehr an öffentlichen Unis – aktuell 268.586.

14 akkreditierte Privatunis

Die Katholische Privatuniversität in Linz war im Jahr 2000 die erste private Uni in Österreich – beinahe im Jahrestakt folgten weitere: die UMIT, mit dem Fokus auf Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik, die englischsprachige Webster University, die PEF Privatuni für Management.

Die vierzehnte Eröffnung erfolgte in diesem Frühjahr, mit der Bertha-Suttner-Privatuniversität für Psychotherapie in St. Pölten. Im Herbst soll mit der Umwandlung des Kärntner Landeskonservatoriums noch eine fünfzehnte Privatuniversität hinzukommen.

Karl Wöber, Präsident der Österreichischen Privatuniversitäten-Konferenz (ÖPUK) gibt bei der Präsentation aktueller Entwicklungen aber auch zu: mehr als die Hälfte der Anträge privater Anbieter seien noch während des Akkreditierungsverfahrens gescheitert, fünf weitere Privatunis mussten ihren Studienbetrieb wegen des Entzugs einer Akkreditierung oder aus wirtschaftlichen Gründen beenden.

Nachfrage nach privater Ausbildung steigt

Nichtsdestotrotz: Die Nachfrage nach Plätzen an Privatunis ist groß. Jahr für Jahr vermeldet die ÖPUK Zuwachs. Karl Wöber präzisiert: Besonders profitiert hätten die medizinischen Privatuniversitäten, darunter die Karl Landsteiner Universität (29,7 Prozent) und die Sigmund Freud Universität (19,3 Prozent), sowie jene mit neuen Studienangeboten.

Ein genauer Blick auf die Bachelor-, Master- und Diplomstudiengänge zeigt, dass die Privaten vor allem auf Nischen in den Sozial-, und Wirtschaftswissenschaften setzen, auf Rechtswissenschaften, Medizin, aber auch auf Musik und Kunst.

Wer bezahlt, kann studieren

Ein Grund für den Höhenflug der Privaten sind zum einen die stark begrenzten Studienplätze in Fächern mit vielen Bewerbern, wie Medizin, Physio- oder Ergotherapie. Wer an eine private Einrichtung geht, hat mit der Überweisung der Studiengebühren einen Platz gesichert. Manche steigen mit 300 Euro pro Semester ein (weniger als eine FH), teuer sind vor allem die Medizin-Unis – ein Studium an der Sigmund-Freud-Privatuniversität etwa kostet 11.000 Euro pro Semester.

Ein weiterer Grund für viele, sich für ein privates Studium zu entscheiden, ist laut einer Studierendensozialerhebung das gute Betreuungsverhältnis: An privaten Universitäten sind es pro Professor 15 Studierende, an öffentlichen 21.

Uniko: "Mangelhalft koordiniert und reguliert"

Für die Österreichische Universitätenkonferenz (UNIKO) ist die Entwicklung der Privatunis „mangelhaft koordiniert und reguliert.“ Kritisiert wird etwa die Co-Finanzierung durch die Bundesländer: „Privatuniversitäten müssen privat und ohne Steuergelder finanziert sein.“ In einem Positionspapier wird auch darauf hingewiesen, dass zu wenig unter den privaten Anbietern differenziert werde.

Nicht alle würden der Definition „Universität“ gerecht werden. „Der Status Privatuniversität sollte nicht vorher verliehen werden, sondern erst mit dem Nachweis einer erreichten Entwicklung.“ Dass es derzeit genügt, zwei Bachelor- sowie ein Masterprogramm anzubieten, um zu einer Privatuniversität zu werden, bezeichnet Elisabeth Fiorioli, Generalsekretärin als „zu wenig.“

Ein weiteres Qualitätskriterium sei die Forschungsleistung, so Fiorioli. Öffentliche Universitäten beispielsweise hätten 2018 Forschungsgelder in der Höhe von 713 Mio. Euro lukriert. Privatuniversitäten hätten hier laut Präsident Wöber aber aufgeholt: 2018 wurden rund 2,7 Mio. Euro an Forschungsgeldern eingenommen.