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Wirtschaft
12/16/2019

Kapsch: "Greta Thunberg ist eine PR-Story"

Unternehmer Kari Kapsch stellt Klimatechnik her, die schwedische Aktivistin betrachtet er aber kritisch.

von Thomas Pressberger

KURIER: Ihr Unternehmen bietet Klimatechnik an. Wie beurteilen Sie Greta Thunberg?

Kari Kapsch: Greta Thunberg ist für mich eine PR-Story. Aber die Sache selbst ist in Ordnung. Das hat wieder ein paar Dinge in Bewegung gesetzt. Aber wie argumentiert wird und was gemacht wird, das ist einfach nicht richtig. Wenn man den Verkehr in Wien und anderen Städten durch Demonstrationen lahmlegt und dann sagt, man muss CO2 reduzieren, dann passt das nicht zusammen. Das sind nicht die probaten Mittel. Aber die Dinge voranzutreiben, das ist in Ordnung.

Kommt Ihnen die Klimadebatte geschäftlich entgegen?

Wenn es um Digitalisierung geht, ist dies für alle Branchen relevant. Da fallen auch große Unternehmen, Behörden, Energieversorger und Smart Grids (intelligente Stromnetze, Anm.) darunter. Letztere müssen gesteuert werden, und das ist beispielsweise ein Ankerpunkt für die Kapsch BusinessCom. Die Stromproduktion der Zukunft wird sich nicht so simpel steuern lassen wie jetzt. Wenn man aktuell mehr Strom braucht, dann verheizt man mehr Gas oder Kohle, wenn man weniger braucht, fährt man das wieder hinunter. Erneuerbare Energie gibt es nur, wenn der Wind weht, oder die Sonne scheint, oder Wasser fließt. Daher wird es extreme Anforderungen an smarte Stromnetze geben, um zu garantieren, dass die Stromversorgung mit erneuerbarer Energie zu 100 Prozent funktioniert.

Wie kann man sich das vorstellen?

Man muss Energie speichern und verteilen. Da muss man viel messen, kontrollieren und steuern, das ist das Smart Grid der Zukunft. Da geht es auch um Elektroautos. E-Mobilität wird kommen, das ist keine Frage mehr. Aber auch hier muss das Netz auch innerhalb der Gebäude smarter werden. Wenn zum Beispiel viele E-Fahrzeuge gleichzeitig in ein Firmenobjekt fahren und sich an das Netz anhängen, dann wird bald der Strom im Gebäude ausgehen. Es braucht eine Technologie, die sieht, wieviel Strom für Licht, Heizung et cetera verbraucht wird, und wieviel frei für E-Fahrzeuge verfügbar ist. Es müssen nicht alle Fahrzeuge gleichzeitig laden, manche früher, manche erst am Abend. In Zukunft werden wir wissen müssen, wieviel Strom wir am nächsten Tag verbrauchen. Fahre ich nach Kroatien oder mache ich nur eine durchschnittliche Fahrt, die liegt laut Studien bei rund 33 Kilometern täglich.

Wir erleben zurzeit Koalitionsverhandlungen. Was erwarten Sie sich von einer neuen Regierung?

Wir wollen eine Verkehrspolitik Richtung Schiene aus unserer Sicht positionieren. Ein Thema sind die Nebenbahnen, die seit 15 bis 20 Jahren aus Effizienzgründen reduziert wurden. Es ist die Frage, ob wir Geld in CO2-Zertifikate stecken wollen oder die Zubringerbahnen für den Güter- und Personenverkehr attraktiver machen. Da wurde in letzter Zeit nichts mehr investiert. Es geht darum, neue Konzepte zu bringen und durch Technologie für mehr Effizienz und Attraktivität zu sorgen.

Sie sind vor Kurzem zum neuen Präsidenten des Verbandes der Österreichischen Bahnindustrie gewählt worden. Was erwartet Sie als solcher?

Es geht darum, die Interessen der Industrie zu vertreten und zum Beispiel Norm-, Zertifizierungs- und Standardisierungsthemen voranzutreiben. In letzter Zeit ging es auch stark um das Vergabethema sowie um Nebenbahnen. Es gibt aber auch eine europäische Tangente. Aktuell ist die Bahnindustrie in Europa bei Infrastruktur und rollendem Material noch in einer Weltmarktführerrolle. Diese Position ist gefährdet. Nicht, weil die Unternehmen schwächeln, sondern weil China hier massiv investiert und Nummer eins am Weltmarkt werden will. Es ist ein offener Wettbewerb zwischen der europäischen und der chinesischen Bahnindustrie entbrannt.

Was ist das Problem?

Europäische Unternehmen, die in China Geschäfte machen wollen, brauchen einen chinesischen Partner, was den Marktzugang erschwert. Erfolgreich kann man nur sein, wo eine Technologielücke ist. Meist aber nicht lange, denn die Chinesen übernehmen rasch das Know-how und machen es dann selber. Wenn chinesische Unternehmen nach Europa liefern wollen, dann stehen ihnen im Sinne des Wirtschaftsliberalismus Tür und Tor offen. Manche freuen sich über die billigen Angebote aus China, aber wenn man sich die Kosten über den gesamten Lifecycle ansieht, ändert sich das schnell wieder. Es ist eine Herausforderung, hier einen fairen Wettbewerb zu generieren. Das zu lösen geht nicht auf österreichischer, sondern nur auf europäischer Ebene. Wir müssen ein Regulativ entwickeln, wie wir das in den Griff bekommen können.

Ist da schon etwas passiert?

Europa hat eine Punktation geschaffen, wie man sich positionieren will, zum Beispiel einen Fokus auf regionale Wertschöpfung zu legen. Das hält die Unternehmen aus China nicht von Europa fern, aber sie müssten hier Wertschöpfung generieren und das ändert deren Kostenstruktur. Eine andere Frage ist, wie wir mit Investitionen von außerhalb Europas umgehen, zum Beispiel, wie weit man bei systemrelevanter Infrastruktur ausländische Investitionen zulässt oder dem einen Riegel vorschiebt.

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