Wirtschaft
20.06.2017

Kapsch fährt von der Autobahn in die Städte

Der Mautspezialist fuhr im Vorjahr einen Rekordgewinn ein.

Das Kassieren von Maut auf Autobahnen soll zwar weiterhin das Hauptgeschäft von Kapsch TrafficCom bleiben. Auf diesem Gebiet sieht sich der heimische Mautspezialist als Weltmarktführer. In Zukunft werde aber, ist Konzernchef Georg Kapsch überzeugt, die Steuerung und die Vernetzung von Verkehrsströmen in Ballungszentren immer wichtiger. Daher werde Kapsch neben der Mautsparte diesen Bereich in den kommenden Jahren stark ausbauen.

Dabei gehe es unter anderem um die Vernetzung verschiedener Verkehrsmittel, die Steuerung von Korridorverkehren etwa zu Stoßzeiten, aber auch um die für das autonome Fahren wichtige Kommunikation zwischen Autos bzw. zwischen Autos und Straßeninfrastruktur.

Großprojekte

Im Mautbereich will Kapsch derzeit vor allem in Europa punkten. Georg Kapsch: "Natürlich wollen wir die Maut-Ausschreibung in Bulgarien gewinnen." Auch hoffe man auf die Verlängerung der bestehenden Verträge mit Polen und Tschechien. Und natürlich sei das Mega-Projekt deutsche Pkw-Maut ein begehrtes Projekt. Dabei gehe es allein beim Abbuchungssystem um ein Auftragsvolumen "von mehreren hundert Millionen Euro".

Wobei sich Kapsch Kritik an der Klage Österreichs gegen die deutsche Maut wegen der Diskriminierung von Autofahrern aus dem EU-Ausland nicht verkneifen kann: "Man sollte sich überlegen, ob es gut ist, so vorzugehen, wenn man zwei große Unternehmen für Mautlösungen im Land hat." Neben Kapsch bietet auch die steirische Efkon Mautsysteme an.

Weitere Firmenkäufe geplant

Geografisch will Kapsch vor allem im asiatischen Raum, auch durch Firmenzukäufe, expandieren: "Im Moment haben wir da das eine oder andere kleinere Projekt in der Pipeline."

Im Geschäftsjahr 2016/’17 (31. März) fuhr Kapsch TrafficCom einen Rekordgewinn von 42,7 Millionen Euro ein, die Aktionäre bekommen wie im Vorjahr 1,5 Euro Dividende je Aktie. Der Umsatz stieg um 23 Prozent auf 648,5 Millionen Euro, die Belegschaft wuchs durch Firmenkäufe um 30 Prozent auf 4830.