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Wirtschaft
03/03/2020

Kaffee: Weltmarktpreis am Boden, Nestle und Starbucks am Pranger

Britisches Fernsehen berichtet von Kinderarbeit auf Plantagen. Spekulanten und Überkapazitäten schicken Kaffeepreis in den Keller.

von Simone Hoepke

Eines vorweg: Kaffee ist ein Milliardengeschäft und nach Erdöl der meistgehandelte Rohstoff der Welt. Verkauft werden oft nicht nur Bohnen, sondern auch ein Lebensgefühl. So wirbt die Kapselmarke Nespresso seit 2006 weltweit mit dem Hollywood-Star George Clooney, der ihr als Testimonial zusätzlichen Glanz verleihen soll.

Das Glamour-Image wurde jetzt aber angepatzt. Laut einem britischen Fernsehbericht sollen Nespresso und die US-Kaffeehauskette Starbucks Bohnen von Plantagen in Guatemala beziehen, auf denen es Kinderarbeit gibt. Starbucks beteuert, von den betroffenen Gebieten keine Ware zu beziehen. George Clooney gibt sich in einem schriftlichen Statement "überrascht und persönlich betroffen". Er hoffe, dass die Zustände weiter untersucht werden. Nespresso hat vorerst den Kauf von Kaffee aus der Region gestoppt und kündigt umfassende Untersuchungen an.

Ein Image-Schaden nicht nur für die Firmen, sondern auch für Guatemala, dessen Präsident ebenfalls umfassende Prüfungen ankündigt. Er kann die Vorwürfe so dringend brauchen wie einen Kropf. Rund eine halbe Million Guatemalteken leben vom Kaffeeanbau und das Geschäft ist seit Jahren alles andere als florierend.

Preis erodiert

Die Kaffeepreise erodieren. Hat ein Quintal (60 Kilo) 2014 noch mehr als 200 US-Dollar gekostet, lag der Preis im Vorjahr zeitweise unter der 120-Dollar-Marke, zuletzt bei 135,5 Dollar. Überkapazitäten lasten bleischwer auf den Preisen. Die Brasilianer, die ein Drittel der weltweiten Kaffee-Ernte liefern, haben im Vorjahr eine Rekordernte eingefahren, obwohl die ihre Anbaufläche seit Jahren leicht zurückfahren. Parallel dazu bauen andere Länder entlang des Äquators ihr Kaffeegeschäft aus. Unter anderem der Vietnam, der vor allem Robusta-Bohnen liefert. Der Preiskampf hat bereits zu einer massiven Marktbereinigung geführt, bei der sich laut Einschätzung der Branchenexperten nur die produktivsten Anbauer durchsetzen dürften.

Jedenfalls hinkt die Nachfrage derzeit empfindlich hinter dem Angebot hinterher. Schuld sind auch Spekulanten, sagt Fairtrade-Österreich-Chef Hartwig Kirner: "Boomt die Börse, fehlt Liquidität im Rohstoffmarkt." Sprich, das Geld der Spekulanten fließt in Aktien und nicht in Rohstoffe wie Kaffee und Kakao.

Fairtrade-Bauern profitieren seit 2017 vom Mindestpreis von 160 Dollar (inklusive Prämie) pro Quintal, sagt Kirner. Geht es an den Börsen wieder bergab, wird der Kaffeepreis allerdings schnell wieder in die Höhe schnalzen, zeigen die langjährigen Statistiken.

Während der Anbau der Bohnen großteils noch in den Händen von Kleinbauern ist, werden die internationalen Lieferketten längst von Großkonzernen dominiert: Firmen wie der niederländische Tee- und Kaffeehändler Jacobs Douwe Egberts oder Nestlé.

6-Milliarden-Euro-Deal

Nespresso und Starbucks haben übrigens auch mehr gemeinsam als auf den ersten Blick ersichtlich. Im Mai 2018 hat der Schweizer Konsumgüterriese Nestlé um mehr als sechs Milliarden Euro das Supermarktgeschäft von der US-Kaffeehauskette Starbucks übernommen. Schon vor dem Deal waren die Schweizer mit ihren Marken Nespresso und Nescafé weltweit größter Kaffeeproduzent, doch in den USA sahen die Konzernmanager noch Aufholpotenzial.

Noch kommen 70 Prozent der weltweit verkauften Bohnen aus kleinbäuerlichen Strukturen, doch die Bedeutung der Großplantagen nimmt zu. Laut Fairtrade hat das gravierende Folgen für die Umwelt. Es werden unzählige Hektar Wald gerodet. Dadurch verringert sich der natürliche Lebensraum für Zugvögel, die in den Monokulturen nicht leben können. Dadurch können sich dort Insekten und Schädlinge vermehren, was wiederum den Pestizideinsatz erhöht, heißt es in einem entsprechenden Bericht. Die Folge: Pestizide gelangen ins Grundwasser, welches wiederum für die Bewässerung der Plantagen benötigt wird. Der Boden laugt aus, damit nimmt die Bodenerosion zu.

Glaubt man dem österreichischen Kaffeeverband, trinken die Österreicher deutlich mehr Kaffee (137 Liter im Jahr) als Bier (108 Liter).  Laut Tchibo haben mehr als vier von zehn Haushalten bereits eine Kapselmaschine Zuhause stehen. 

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