Wirtschaft 12.03.2012

KA Finanz hätte billiger kommen können

© Bild: KURIER/Deutsch Gerhard

Im Frühjahr 2009 überlegte der Aufsichtsrat, sich von den Griechen-CDS zu trennen. Man entschied sie zu behalten.

Bei der staatlichen KA Finanz, der " Bad Bank" der Kommunalkredit, hätten statt 423 Mio. Euro, die nun wegen des Hellas-Haircut für Kreditausfallversicherungen (CDS) schlagend werden könnten, nur 16 Mio. Euro an Verlustrisiko anfallen müssen. Dafür hätten die Griechen-CDS im Jahr 2009 verkauft werden müssen. Die Chance gab es im April 2009. Damals stand das Thema auf der Agenda einer Aufsichtsratssitzung, berichtet der Standard in seiner Montag-Ausgabe. Allerdings habe man damals mit stabilen Märkten gerechnet und die CDS daher nicht verkauft, um nicht einen Verlust auf Vorrat zu produzieren, erklärt ein Banker in der Zeitung die seinerzeitige Entscheidung.

Die KA Finanz AG ist in Österreich am stärksten von der Entscheidung des Branchenverbandes ISDA (International Swap and Derivatives Association) von voriger Woche betroffen, wonach der Schuldennachlass für Athen als "Kreditereignis" zu werten ist: Die KA Finanz hat mehr als eine halbe Milliarde an Garantien auf griechische Anleihen ausgestellt, die großteils schlagend werden dürften. Die genaue Höhe des Schadens steht aber erst nach einer Auktion fest, die die ISDA in den nächsten Tagen durchführen wird.

"Eine Aktivierung der CDS bei angenommener Verlustquote von rund 80 Prozent würde für die KF einen zusätzlichen Aufwand von EUR 423,6 Mio. auf das bestehende Portfolio von EUR 522,8 Mio. von Kreditausfallsversicherungen (CDS) und CDS-ähnlichen Kontrakten bedeuten", hatte die KA Finanz am Freitagnachmittag mitgeteilt. Finanzministerin Maria Fekter hatte bereits vorvorige Woche darauf hingewiesen, dass es in der KA Finanz noch ein Risiko von rund 400 Mio. Euro gebe.

Risikoreduktion

Insgesamt debattierte der Aufsichtsrat 2009 laut Standard über Umstrukturierungen eines CDS-Portfolios im Nominale von rund 6,5 Mrd. Euro. Die waren damals mit ungefähr 534 Mio. Euro unter Wasser (negativer Marktwert). Allein die CDS auf "volatile westeuropäische Länder" betrugen 3,3 Mrd. Euro (228 Mio. Euro negativer Marktwert), wie im AR-Protokoll festgehalten ist.

Unter den Wackelkandidaten in Europa führten die Banker auch Griechenland, für das man CDS in Höhe von 140,3 Mio. Euro abgeschlossen hatte. Wäre man die damals losgeworden, hätte man 16,22 Mio. Euro Verlust realisiert, so die Zeitung: So hoch war damals der negative Marktwert. Nur verkaufen wollte man zu diesem Zeitpunkt aber offenbar nicht. Vielmehr wurden als Mittel zur "Risikoreduktion" auch andere Maßnahmen vorgeschlagen, etwa der Abbau von "Exoten-CDS" in Ländern wie Kasachstan, Malaysia oder Thailand (1,2 Mrd. Euro; unter Wasser mit rund 20 Mio. Euro) durch neue CDS-Deals mit kürzeren Laufzeiten.

Laufende Ermittlungen

In der Causa Kommunalkredit hat die Finanzmarktaufsicht (FMA) nach Gutachten" des Wirtschaftsprüfers Deloitte bei der Staatsanwaltschaft gegen Ex-Kommunalkredit-Chef Reinhard Platzer und seinen einstigen Vorstandskollegen Leopold Fischer Strafanzeige wegen des im Gutachten geäußerten Verdachts der Bilanzfälschung erhoben. Die Ermittlungen der Justiz laufen noch. "Wir haben dazu ein Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses soll voraussichtlich bis Jahresmitte vorliegen", sagte ein Sprecher der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft laut Presse vom Samstag.

Überprüft wird auch die Rolle von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ): Sie hat vor ihrem Regierungseintritt von 2004 bis Ende 2006 im Kommunalkredit-Vorstand gearbeitet. Alle Betroffenen bestreiten Untreue-Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung. Ein Teil der Wertpapiergeschäfte wurde über die Zypern-Tochter abgewickelt. Schmied war dort eine von drei "Non-Executive Directors". 2005 - als Schmied in der Kommunalkredit gearbeitet hat - hat sich das Volumen der CDS auf 7 Mrd. Euro verdoppelt. Schmied laut Presse: "Kein Kommentar."

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Erstellt am 12.03.2012