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Börse
11/21/2019

Julius Meinl sucht Investoren für 300 Millionen schwere Anleihe

Die frühere Meinl Bank wird im Auftrag des Handelsgerichts abgewickelt. Indes wirbt die Meinl-Gruppe mit kurioser Werbung für neues Immobilienprojekt.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

VonKid Möchel und Dominik Schreiber Das Ende der skandalträchtigen Wiener Meinl Bank, der die Europäische Zentralbank die Zulassung entzogen hat, kommt schneller als erwartet. Die wohlbetuchten Kunden heben mittlerweile ihre Spareinlagen ab, auch Kreditverträge sollen aufgekündigt werden. Dem Vernehmen nach sollen an die 2.000 Kunden mit Spareinlagen in Höhe von insgesamt 220 Millionen betroffen sein.

Nur rund ein Drittel der Einlagen sind durch die gesetzliche Einlagensicherung abgesichert. Guthaben in Höhe von bis zu 100.000 Euro pro Kopf sind somit amtlich garantiert, höhere Einlagen aber nicht. Im Insolvenzfall würden diese Gläubiger möglicherweise um einen Großteil ihrer Spareinlagen fallen.

Doch die Privatbank versucht weiterhin eine außergerichtliche Abwicklung. Die Kunden können auf der Homepage www.aab-bank.com mit Formularen die Übertragung der Guthaben und Wertpapiere auf Konten und Depots bei anderen Banken beantragen.

Während die Meinl Bank, die sich heute Anglo Austrian Bank nennt, unter handelsgerichtlicher Aufsicht der renommierten Sanierungsexperten Thomas Engelhart und Clemens Richter liquidiert wird, geht die umtriebige Kaffeeröster-Familie Julius Meinl neuen, lukrativen Geschäften nach.

„Streng vertraulich“

„Streng vertraulich“

„Streng vertraulich“ steht auf dem Deckblatt des 54 Seiten starken Verkaufsprospekts der Julius Meinl Living PLC (JML) mit Sitz auf Malta. JML gehört zur Unternehmensgruppe „House of Julius Meinl“.

Sie entwickelt schicke Apartments und Appartementhotels in Prag, Budapest, Belgrad und Bukarest. So gehört das Hotel Nove Mesto in Prag zum Portfolio, das Ende 2021 eröffnet werden soll.

Fakt ist: Über eine Luxemburger Tochter begibt Julius Meinl Living zur Finanzierung Anleihen in Höhe von bis zu 300 Millionen Euro. Vorerst wird eine erste Tranche in Höhe von 30 Millionen Euro platziert. Ab 100.000 Euro können Anleger einsteigen. Ihnen winken sieben Prozent Zinsen im Jahr. Laufzeit: fünf Jahre. Die Papiere notieren an den Börsen in Luxemburg und in Frankreich.

Referenzprojekt MEL

Doch in dem Verkaufsprospekt stechen zwei Marketing-Hinweise in die Augen: Die Anleihe-Platzierung wird mit der langjährigen Erfahrung des Meinl-Konzerns in Osteuropa und mit seinem Topmanagement beworben.

Julius Meinl Living führt sogar sein früheres Immobilienprojekt Meinl European Land als Referenzprojekt an. „Meinl European Land (MEL) war einer der ersten Retail-Immobilienentwickler in Zentral- und Osteuropa“, heißt es im Prospekt. Die MEL endete im Herbst 2007 mit einem Mega-Skandal. Laut polizeilichen Ermittlungen sollen bis zu 100.000 MEL-Anleger um 1,69 Milliarden Euro geschädigt worden sein. Das wird bestritten. Indes ist der Vorsitzende des Verwaltungsrats der Julius Meinl Living kein geringerer als Ex-Banker Peter Weinzierl.

Weitere Verwaltungsräte

Er war 1992 bis 2015 Vorstand der Meinl Bank. Er steht im Fall MEL im Verdacht des schweren Betruges und Untreue. In früheren Stellungnahmen wies Weinzierl alle Vorwürfe vehement zurück. Julius Meinl VI wird als designierter Aktionär und repräsentat der Julius Meinl Living bezeichnet,im Verwaltungsrat sitzen neben Weinzierl auch die Meinl-Vertraute Nadine Gilles sowie Nicholas Hill, Edward Camilleri und Edward Carbone.

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