Porr-Chef Strauss: Wachstum nur in Märkten, "wo zu verdienen ist"

© KURIER/Gilbert Novy

Bau und Immo
10/21/2014

Jetzt wird der Grundstein für den Umbau der Porr gelegt

Nächste Woche stimmen Aktionäre über die Abspaltung des Immo-Bereiches ab.

von Christine Klafl

Aktionären des heimischen Baukonzerns Porr steht ein größerer Umbau ins Haus. Für Mittwoch nächster Woche sind sie zu einer außerordentlichen Hauptversammlung eingeladen, bei der der Grundstein für den Umbau gelegt wird. Aus eins mach’ zwei, lautet dabei die Devise. Die Porr wird die Immobilien, die sie für den Betrieb nicht braucht, abspalten. In dieser PIAG Immobilien AG werden dann die Porr-Immobilien (samt Verbindlichkeiten), das Development von Strauss & Partner und die Beteiligung an der UBM stecken. Für die Aktionäre bedeutet das im ersten Schritt: "Sie bekommen zu jeder Porr-Aktie eine Gratisaktie von der PIAG aufs Depot gebucht", erklärt Porr-Boss Karl-Heinz Strauss.

Zweiter Schritt ist die Verschmelzung des PIAG-Vehikels mit der UBM, die Strauss für den Beginn des kommenden Jahres anpeilt. "Hier entsteht ein Player mit europäischem Format mit Assets von 800 Millionen bis eine Milliarde Euro", sagt Strauss. Der Immo-Entwickler werde sich auf Büros und Hotels konzentrieren. Für Strauss ist klar, dass die "UBM neu" auch an der Wiener Börse attraktiver werden soll: "Die Aktie soll in den standard market continuous übersiedeln und in absehbarer Zeit im Prime Market notieren", so Strauss, der Aufsichtsrats-Chef der UBM "ist und bleibt".

Für die Porr peilt Strauss den Prime Market, das Topsegment der Wiener Börse, bereits für Anfang 2015 an. Nach der Spaltung werde die Porr mit viel weniger Schulden dastehen "und erstmals im Investment Grade sein". Das heißt, mit der Abspaltung von Schulden wird sich die Qualität des Schuldners Porr deutlich verbessern.

Innerhalb der Porr ist Strauss dabei, "die papierlose Baustelle zu verwirklichen". Von der Kalkulation über die Planung, von der Bestellung über den Lieferschein bis zur Überweisung – alles soll vollelektronisch ablaufen. "Die Bauindustrie ist da der Autoindustrie mindestens zehn Jahre hintennach", sagt Strauss. Sein Aber: "Anders als die Autoindustrie bauen wir immer einen Prototypen." Auf papierlosen Baustellen, auf denen – "bis zum Vorarbeiter hinunter" – alle mit Smartphones ausgestattet seien, könnten nicht nur Kosten gespart, sondern auch unsinnige Schnittstellen vermieden werden. "Solche Schnittstellen führen nur zur Verjuxerei von Baustellen, siehe Flughafen Wien." Durch zeitnahere Lieferungen sind rund um Baustellen weniger Lagerflächen nötig, was bei großen Baustellen in der Stadt wie jetzt dem Bau des "Smart Campus" (für die Wiener Netze) wichtig ist.

Investitionen

Was erwartet Strauss von der Regierung? "Die Regierung macht seit 2009 einen guten Job. Jetzt darf sie nur nicht in eine Buchhaltermentalität verfallen wie die Schweden", sagt er. Nicht zu Tode sparen, sondern die Pläne beherzt umsetzen, lautet sein Credo. Nur ein Staat, der in Straße, Schiene und Breitband investiert, könne sich als Standort gegen die Konkurrenz durchsetzen.

Die Porr selbst sei voll ausgelastet und erwartet heuer eine spürbare Verbesserung der Ergebnisse.

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