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05/24/2020

Jagdgeschäft Springer's Erben: Auf der Jagd nach Umsätzen

Geschäft mit der Jagdtradition fehlen wegen der Corona-Krise die Touristen. Jährliche Auktion wurde auf 2. Juni verschoben

von Christine Klafl

In der Wiener Weihburggasse, dort wo normalerweise Touristen in Scharen von der City Richtung Stadtpark strömen, oder umgekehrt, ist es still. Die Kaufkraft der ausländischen Gäste fehlt nicht nur in der Hotellerie. Sie fehlt auch Christian Johann Springer. Er ist Eigentümer und Chef des Fachhandels Joh. Springer’s Erben, das seit Mitte der 1830er-Jahre Waffen, Zubehör und alles rund um die Jagd anbietet.

Im Shutdown mussten die drei Standorte in Wien für ein Monat geschlossen bleiben. Die meisten der rund 30 Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt. Die Standorte sind zwar wieder geöffnet, vor allem jenem in der City fehlt es aber massiv an Kundschaft. „Der Umsatz hier ist bei nur 20 Prozent des üblichen“, erzählt Springer, Büchsenmachermeister und ausübender Jäger, beim Lokalaugenschein des KURIER. Im Flagship-Store in der Weihburggasse wurden Stockwerke abgesperrt – das spart Personal vor Ort. Bei den beiden anderen Standorten (Wien 8, Wien 22) spürt er immerhin schon mehr Dynamik. Dort wären die Umsätze jetzt bei 60 Prozent des Üblichen.

Altes und Neues

Einige Gewehre werden von den eigenen Büchsenmachern hergestellt, Schäfter arbeiten dabei zu. „Im Premiumbereich wird türkische Walnuss verwendet“, erzählt Springer. So ein Stück kann dann schon viele tausend Euro kosten. Aber es gibt auch Gebrauchtes. Wie eine etwa 30 Jahre alte „Scheiring“-Büchse aus Ferlach für 11.000 Euro. „Neu kostet sie 80.000 Euro“, sagt Springer.

Zur Jagd gehören auch Messer. Springer hat viele davon. Für die Eigenmarke lässt er bei einem Messermacher in Salzburg fertigen, mit Damast- und Edelstahlklingen. Bei der Bekleidung „wird noch immer Traditionelles bevorzugt“, also Loden (aus Österreich und Deutschland) und Tweed (aus Großbritannien). Auch bei der Bekleidung gibt es mit „Icefox“ eine eigene Linie.

Während die Standorte geschlossen bleiben mussten, ist Springer mit seiner Mannschaft aktiver auf die Stammkundschaft zugegangen, etwa für Reparaturen. Wie bei anderen Unternehmen auch hat sich der Online-Umsatz während der Schließwochen erhöht. Was nicht möglich war, war das Training im „Schießkino“ beim Standort in Wien 8. Da wird, für 120 Euro pro Stunde, auf bewegte Bilder geschossen und man kann auch erkennen, ob und wo das Wild getroffen wurde. Jetzt kann wieder geübt werden, allerdings, wegen der Abstandsregeln, nur einzeln.

Dem Shutdown zum Opfer fiel auch die mittlerweile 30. klassische Auktion von Waffen. Von der SIG Sauer, die man aus Krimis kennt, bis zu historischen Büchsen hätten am 2. April knapp 270 Lose unter den Hammer kommen sollen. Rufsumme: eine Million Euro. Springer zählt zu den drei größten Waffen-Auktionshäusern Europas. Die 700 große Auktionshalle im Standort Wien-Kagran musste leer bleiben. Diese Auktion wird jetzt am 2. Juni nachgeholt. Normalerweise kommen 40 bis 50 Bieter direkt zur Auktion, der Rest bietet online. Da die Hälfte der Bieter aus dem Ausland kommen, rechnet Springer damit, dass sich dieses Mal der Online-Anteil deutlich erhöhen wird. Schon deshalb, weil für viele die Grenzen noch dicht sind. Die Lose im umfangreichen Katalog sind auf Deutsch, Englisch und Russisch (Kyrillisch) beschrieben. Als Auktionshaus kassiert Springer 24 Prozent Käuferprovision.

Kaliber 2

Nie unter den Hammer wird ein besonderes Stück kommen, das Springer in einer Vitrine am Standort in Wien 1 hat: eine riesige Büchse mit dem Kaliber 2. Aus der Jägersprache übersetzt: Zwei Patronen wiegen ein halbes Kilo. Was kann man damit schießen? „Eventuell einen T-Rex“, sagt Springer lachend. Für das 60-jährige Thronjubiläum der Queen wurde so eine Waffe vom bekannten britischen Büchsenmacher Giles Whittome angefertigt. Die Queen bekam das erste Stück, Springer aber schon das zweite. Man kennt sich eben.

Eine der Konsequenzen der Maßnahmen gegen die Pandemie für das Unternehmen: Vor der Krise reduzierte sich der Personalstand durch Pensionierungen und Wechsel um fünf Personen. „Die werden nicht nachbesetzt“, seufzt Springer. Aus den Jagdreisen, die das Unternehmen vermittelt, wird heuer wohl auch nicht viel werden.

Jagdprüfung
Die Ausbildung dauert in Österreich etwa vier Monate und kostet rund 800 Euro. Bei den Kursteilnehmern liegt der Frauenanteil bei einem Drittel

130.000 Jäger und Jägerinnen gibt es in Österreich. Hier liegt der Frauenanteil bei rund zehn Prozent, steigt aber laufend

Jagdgebiete
Für jedes Jagdgebiet muss eine Abschussliste geführt werden. Diese ist ein Mal pro Jahr der Behörde zur Überprüfung vorzulegen

270.000 Stück Rehwild werden durchschnittlich pro Jahr geschossen. Dazu kommen unter anderem 110.000 Feldhasen, 50.000 Stück Rotwild, 30.000 Stück Schwarzwild oder 25.000 Stück Gamswild

Landesjagdgesetze legen für jedes Bundesland gesondert die Schuss- und Schonzeiten fest