Wirtschaft
16.12.2011

IWF warnt vor Horrorszenario

Rasches Handeln aller Länder ist gefordert, damit sich die Krise nicht zu weltweiter Depression auswächst.

Banken, Atomkraftwerke, das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 – vieles wurde heuer auf Belastbarkeit geprüft. Grund genug für die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden, „Stresstest“ zum Wort des Jahres 2011 zu küren. Ein enormer Stresstest steht allerdings erst bevor. Der globalen Wirtschaft droht eine ernste Krise. Die Aussichten für die Weltkonjunktur seien ziemlich düster, warnte Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), eindringlich. Hauptursache der globalen Gefahren seien die Schuldenprobleme in der Eurozone. Lagarde, die immer wieder mit skeptischen Aussagen aufhorchen ließ, griff zu einem drastischen Vergleich: Werden die Probleme nicht entschieden angegangen, drohe der Weltwirtschaft eine Große Depression wie in den 1930er-Jahren. Damals hätten Protektionismus und Isolation die internationale Politik bestimmt. Keine Volkswirtschaft, egal, ob arm oder reich, sei momentan immun gegen einen Niedergang, wenn sie sich isoliere, so Lagarde. Sie forderte einen Schulterschluss der Weltgemeinschaft, um eine globale Wirtschaftskrise abzuwenden.

Düsterer Ausblick

Mit Blick auf einen drohenden Konjunkturabsturz drängt auch die Europäische Zentralbank (EZB) auf umfassende Reformen. Die Regierungen im Euroraum müssten „dringend alles daran setzen, um die Tragfähigkeit er öffentlichen Finanzen im gesamten Euroraum zu fördern“, schrieben die EZB-Experten in ihrem aktuellen Monatsbericht. Im laufenden vierten Quartal dürfte sich die Wirtschaftstätigkeit in der Eurozone abgeschwächt haben, meinen die Währungshüter. Sie dürften – leider – recht behalten. Laut den jüngsten Konjunkturumfragen und -berechnungen des Markit-Instituts ist die Wirtschaftsleistung in der Eurozone im laufenden Vierteljahr um 0,6 Prozent geschrumpft. Ein weiteres Minus-Quartal wird nicht ausgeschlossen.

Die Europäer lassen sich die Stimmung trotzdem nicht sehr vermiesen. Eine Umfrage des deutschen Instituts für Zukunftsfragen unter mehr als 15.000 Personen aus 13 Ländern ergab: Immer noch 40 Prozent blicken optimistisch in die Zukunft. Mit 38 Prozent liegen die Österreicher im europäischen Durchschnitt und bringen deutlich mehr Zuversicht auf als etwa die Deutschen.

Vertrauen

Wer hat die Kompetenz, die Krise in der Eurozone zu lösen? In einer Telefonumfrage konnten 500 Österreicher unter 17 politischen Playern wählen. Klarer Sieger dieses APA /OGM-Vertrauensindex wurde US-Präsident Barack Obama. Platz 2 ging an die deutsche Kanzlerin Angela Merkel. Auf Rang 3 findet sich mit Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny der erste Österreicher, auf Rang 4 mit Vize-Kanzler Michael Spindelegger der erste heimische Politiker. Bundeskanzler Werner Faymann belegt Platz 7. Die Schlusslichter: Griechenlands Ministerpräsident Papademos und FPÖ-Chef Strache.