Wirtschaft
20.03.2012

Ist ein Manager 17 Millionen wert?

Deutsche-Bank-Chef Ackermann hat mit 10 Mio. das Nachsehen. VW-Boss Winterkorn verdient 17 Mio. Neuer Stoff für die Gerechtigkeitsdebatte.

Die exakt 17,4 Millionen Euro Gehalt sind selbst dem VW-Chef ungeheuer: „Ich kann verstehen, dass manche sagen, das ist zu viel“, meinte Martin Winterkorn am Dienstag. Die Gage für den Automanager hat in Deutschland eine neue Debatte entfacht. Wie viel Lohn ist noch gerecht?

Winterkorn hat gute Argumente für sein Rekord-Gehalt: Unter seiner Führung hat VW im Vorjahr den Nettogewinn auf 15,8 Milliarden Euro verdoppelt. Winterkorn hat den scheidenden Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann überrundet, der den Stockerlplatz lange gepachtet hatte. Das war allerdings vor der Krise, die die Banken-Gewinne schrumpfen ließ. 2011 hat Ackermann mit 9,35 Mio. Euro etwas mehr verdient als 2010. Nicht schlecht. Aber in Übersee gibt es Banker, die in einer ganz anderen Liga spielen. Beachtlich ist der Gehaltssprung vom Chef der Citigroup, Vikram Pandit. 2010 hat Pandit für einen symbolischen Dollar bei der staatlich geretteten Großbank gearbeitet. Im Vorjahr hat er 15 Mio. Dollar (11,4 Mio. Euro) kassiert. „Herr Pandit hat die Citigroup zurück zur Profitabilität geführt und das Unternehmen auf künftiges Wachstum ausgerichtet“, begründet die Bank den Gehaltssprung. Zu Pandits Grundgehalt von 1,7 Mio. kommen Boni und Optionen. In einer eigenen Liga spielt John Hammergren, Chef des US-IT-Dienstleisters McKesson. Er verdiente dank Aktionen-Optionen mehr als 100 Mio. Euro.

Trotz Branchenkrise haben auch Hedgefondsmanager laut dem Magazin Forbes im Vorjahr glänzend verdient. Die zehn bestbezahlten Manager kassierten jeweils mehr als 150 Mio. Euro. Der Chef der weltgrößten Hedgefonds-Firma Bridgewater Associates, Ray Dalio, der in seinen Fonds investiert ist, verdiente damit mehr als zwei Milliarden Euro.

Österreich

Dagegen ist die Gage von Österreichs Spitzenverdiener, Erste-Group-Chef Andreas Treichl, geradezu bescheiden: 2,795 Mio. Euro erhielt er im Geschäftsjahr 2010. Weil aber die Erste Group Kreditausfallsversicherungen nachträglich abschreiben musste, hat der Aufsichtsrat den Bonus gestutzt: „Der Bonus für 2010 wurde um 30 Prozent gekürzt, für 2011 gibt es gar keinen“, erklärt Bank-Sprecher Michael Mauritz.

Damit könnte der neue OMV-Boss Gerhard Roiss beim Gehalt an Treichl vorbeiziehen: Schon als OMV-Vize verdiente Roiss 2010 in Summe 2,13 Millionen Euro.

Und „knapp über eine Million“ dürfte laut Medienberichten heuer Telekom-Chef Hannes Ametsreiter erhalten. Weil er einen Bonus für das Jahr 2010 erhält, steigt seine Gage trotz eines Vorjahresverlustes von 253 Millionen Euro um rund 185.000 Euro.

Kritik

Während in Deutschland der Verband der Familienunternehmer warnt, „solch hohe Beträge verderben die Sitten und die Gehaltsstrukturen“, sieht die Wirtschaftskammer die Debatte auf Österreich nicht umlegbar. Die Gehaltsstruktur sei weit niedriger. Deutsche DAX-Manager verdienen laut Beratungsunternehmen Towers Watson heuer im Durchschnitt 5,5 Mio. Euro – das schafft in Österreich niemand.

Für die Arbeiterkammer sind auch die geringeren Gagen in Österreich noch zu hoch. Laut AK verdienen ATX-Manager das 41-Fache und andere Manager fast das 7-Fache des mittleren Arbeitnehmereinkommens.

Den Firmen ist die Kritik bewusst. ÖBB oder Post versuchen, mit Erfolgsbeteiligungsmodellen auch ihre Mitarbeiter am Verdienst zu beteiligen. Auch VW zahlte 2011 jedem Mitarbeiter 7500 Euro Prämie. Allerdings knüpfen viele Unternehmen ihre Prämienzahlungen an die Bedingung, dass die Mitarbeiter in schlechten Zeiten auf Gehaltserhöhungen verzichten.

Eine Gagenobergrenze oder ein hoher Spitzensteuersatz könne die Debatte um hohe Gagen nicht beenden, findet Friedrich Schneider von der Uni Linz. Er plädiert für steuerliche Anreize, damit Manager einen Teil ihrer Rekord-Gagen spenden. „Wenn’s der Erste macht, kann der Zweite nicht anders und dann hat auch die Allgemeinheit was davon."

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