Wirtschaft
08.06.2018

iRobot-Chef: "Roboter werden sich irgendwann selbst steuern"

Vorstandschef Colin Angle erläutert, wie sich der smarte Haushalt in Zukunft selbst um den Haushalt kümmern wird

Er ist ein Pionier der Roboter-Technologie: Colin Angle (50) entwickelte für die NASA den Mars-Rover mit, bevor er 1990 mit zwei weiteren MIT-Absolventen die Robotik-Firma iRobot gründete, um Roboter für die Erforschung des Weltraums und fürs Militär zu entwickeln. 2016 verkaufte er die Militär- und Sicherheitsroboter-Sparte und konzentriert sich seither auf Haushaltsroboter fürs Saugen und Putzen. Dem KURIER verriet Angle, warum Roboter intelligenter, aber nicht menschlicher werden und wie das intelligent vernetzte Heim der Zukunft aussehen könnte.

KURIER: Sie haben die Vision von einem smarten Haushalt, der sich selbst um die Hausarbeit kümmert. Wie soll das funktionieren?

Colin Angle: Es ist eine faszinierende Idee, dass Menschen nach Hause kommen und es ist sozusagen alles für sie erledigt. Das Licht schaltet sich ein, der Fernseher geht an, die Böden sind sauber gereinigt, die Wäsche gewaschen. Viele Hersteller setzen bei ihren Haushaltsgeräten ja schon auf Steuerung via Smartphone. Das Problem: Es gibt derzeit vielleicht zwei, drei solcher vernetzten Geräte, aber Hunderte Anwendungen in einem Haushalt. Haushalte zählen noch zu den am wenigsten organisierten Lebensbereichen. Es fehlt schlicht an den notwendigen Informationen, um unterschiedlichste Geräte sinnvoll zu steuern. Die jetzige, erste Generation von Smart Home wird daher nicht die Welt verändern, da brauchen wir schon eine bessere Strategie.

Welche?

Die Roboter müssen sich irgendwann selbst steuern. Dafür brauchen sie aber ein besseres Verständnis für ihre Umwelt, müssen sich also im Haushalt auskennen. Erst dann werden sie auch weitere Jobs für uns erledigen können. Es nützt nichts, einem Roboter zu befehlen, ‚Hol mir ein Bier aus der Küche‘, wenn er nicht weiß, wo die Küche überhaupt ist und wo sich das Bier befindet. Unsere Saugroboter kennen sich über Sensoren schon ganz gut aus im Haushalt. Unser Ziel ist es, mit anderen Anwendungen wie Alexa (digitaler Sprachassistent von Amazon, Anm.) in Partnerschaft zu treten, um dieses Wissen zu vernetzen.

Es wird also viele verschiedene Roboter im Haushalt geben?

Es löst keine Probleme, wenn ein Roboter versucht, alles zu erledigen. Wir werden in Zukunft viele Typen von Robotern zu Hause haben. Eine Art Butler-Roboter wird dann das Heim organisieren und überwachen, also der Hausmeister sein. Das wäre ein gutes Produkt, das wir gerne bauen würden. Unser Saugroboter Roomba ist als Roboter aber nur fürs Reinigen gedacht.

Saugroboter werden immer intelligenter, aber werden sie auch menschenähnlicher aussehen, wie viele glauben?

Ich frage Sie: Warum wollen Sie , dass Ihr Staubsauger wie ein Mensch aussieht?

Vielleicht weil Menschen lieber mit einem Menschen als mit einer Maschine reden...

Als wir Roboter erfunden haben, hatten wir immer ein Ziel vor Augen. Das Ziel von Roomba war es nicht, mit Ihnen zu plaudern, sondern Ihre Böden zu reinigen. Ein sprechender Roboter müsste ganz anders aussehen und dürfte nicht am Boden herumkriechen. Der perfekte Roomba ist einer, den man niemals sieht und nie berühren muss. Wenn man nach Hause kommt, sollte alles 100 Prozent sauber sein.

Da gibt es aber noch sehr viel zu verbessern...

Das gibt es. Beispiel Haare von Tieren, die in der Bürste stecken bleiben. Jetzt müssen sie noch händisch entfernt werden, bald nicht mehr.

Viele fürchten, von Haushaltsgeräten ausspioniert zu werden. Wie sicher sind persönliche Daten im Smart Home?

Sehr sicher. Die Daten sind im Eigentum des Roboter-Besitzers und keine Daten verlassen den Roboter ohne Zustimmung des Besitzers. iRobot selbst verkauft keine Nutzerdaten weiter. Und man kann den Sauger auch komplett ohne irgendwelche Vernetzung nutzen.

iRobot steuert auf einen Milliardenumsatz zu. Wo sind für Sie die größten Wachstumsmärkte?

Am schnellsten wachsen wir immer noch in den USA, wo wir auch am meisten für Marketing ausgeben. Der Markt für klassische Staubsauger ist hier schon rückläufig, jener für Saugroboter wächst um mehr als 50 Prozent. Deutschland hat für uns das größte Potenzial, aber der Markt wächst hier langsamer als etwa in Österreich, wo die Verbreitung schon etwas höher ist.

In Österreich erhielt iRobot eine Strafe wegen Preisabsprachen im Handel. Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?

Ich kenne zwar die Details nicht, aber wir haben das Problem hoffentlich gelöst. Wir halten uns an Gesetze und müssen noch besser kontrollieren, wie wir in die einzelnen Märkte gehen.

iRobot positioniert sich als Premium-Anbieter. Es gibt inzwischen aber zahlreiche Billig-Konkurrenz. Warum sollen Kunden mehr Geld ausgeben?

Wir machen schlicht den besseren, den kompletteren Job. Wir haben den stärkeren Motor und mehr Features, die das Saugen qualitativ besser machen. Wer ein Billig-Produkt kauft, muss trotzdem noch hinterhersaugen und erspart sich dadurch wenig.

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Der US-Saugroboter-Pionier iRobot

Der US-Weltmarktführer bei  Roboter-Staubsaugern  wurde  1990 von Colin Angle und zwei weiteren MIT-Absolventen gegründet und notiert seit  2003 an  der US-Tech-Börse Nasdaq. Mit den Marken Roomba, Scooba (Bodenreiniger) und Braava (Bodenwischroboter)  und weltweit 920 Mitarbeitern wurden zuletzt 884 Mio. Euro umgesetzt.