Iran, Teheran, Gasselsberg, Oberbank, Wirtschaftskammer OÖ

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Österreichische Unternehmen
03/13/2017

Iran: Abwarten und Tee trinken

Hoffnung auf mehr Exporte, Oberbank verhandelt Finanz-Abkommen.

von Irmgard Kischko

"Sehr geehrte Damen und Herren. Wir landen in wenigen Minuten in Teheran. Ein Gesetz des Landes schreibt vor, dass Damen ihre Haare bedecken müssen. Bitte beachten Sie das, wenn Sie das Flugzeug verlassen", lautet die Ansage der Stewardess der AUA-Maschine. Alles klar. Wir sind in der Islamischen Republik Iran angekommen. Strikte Vorschriften regeln das Leben der 80 Millionen Einwohner und doch ist vieles möglich, vor allem Geschäfte. Um diese Chancen zu erkunden, sind 25 österreichische Unternehmer zusammen mit der Oberbank und Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer nach Teheran gereist.

Schwer liegen die Smogwolken über der Zehn-Millionen-Einwohner-Stadt und verhindern den Blick auf die schneebedeckten Berge am Nordrand der iranischen Metropole. Im Schritttempo müht sich der Bus durch den total chaotischen Verkehr. Geduld ist angesagt.

Teetrinken und Höflichkeiten austauschen

Und das nicht nur im Straßenverkehr. Auch für Geschäftskontakte gilt: zuerst einmal Tee trinken und Höflichkeiten austauschen. Dann abwarten. Franz Gasselsberger, Chef der Oberbank, kennt das nur allzu gut. Seit mehr als einem Jahr verhandelt er mit der iranischen Zentralbank ein Rahmenabkommen für Finanzierungen. Die Oberbank ist die erste österreichische Bank, die ein solches Abkommen, das dann die Vergabe von Krediten für Iran-Projekte österreichischer Unternehmer mit Laufzeiten über zwei Jahre ermöglicht, erlauben würde. Doch das dauert. Österreichische Exporteure, die in den Iran liefern, können derzeit nur Geschäfte machen, wenn der iranische Partner die Waren im Voraus bezahlt.

Geduld wird aber auch den Iranern abverlangt. Die Bevölkerung, die nach dem internationalen Atomabkommen Mitte 2015 und der Teil-Aufhebung von Wirtschaftssanktionen seit Jänner 2016 auf den ersehnten wirtschaftlichen Aufschwung hoffte, wurde bis jetzt bitter enttäuscht. Nur sehr langsam sind Geschäfte mit dem Ausland angelaufen. Noch ist der Iran nicht völlig in den internationalen Zahlungsverkehr eingeklinkt. Für die nationale Währung Rial existieren zwei Wechselkurse – ein offizieller und ein inoffizieller. Zahlen mit Kredit- oder ausländischen Bankomatkarten gibt es nicht. Und nun versetzt noch US-Präsident Donald Trump den Hoffnungen einen schweren Dämpfer. Er droht, den Atom-Deal zu beenden.

1001 Chancen

Für Österreichs Klein- und Mittelbetriebe ist der Iran dennoch ein spannender Markt. Viele junge, gut ausgebildete Menschen – die Mehrheit der Akademiker sind übrigens Frauen – streben danach, ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern. Schon am Flug nach Teheran wurde Gasselsberger von Iranern, die gehört haben, er sei Bankdirektor, nach Kontakten, aber auch Konten im Ausland gefragt. Konten kann die Oberbank nicht bieten. "Die internationalen Regeln für Banken sind so streng, dass eine Prüfung dieser Kunden viel zu aufwendig ist", sagt Gasselsberger.

Unterstützt werden die Wirtschaftsbeziehungen ins Ausland allerdings auch von der iranischen Regierung. Wegen der Sanktionen und Import-Verbote der vergangenen Jahre sind Maschinen und Ausrüstungen der Industrieveraltet. Die Priorität des Iran liegt daher weniger auf Einfuhren, sondern auf der Gründung von Gemeinschaftsunternehmen zur Produktion. Mit ausländischen Partnern – und iranischer Mehrheit.

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