Fondsanbieter setzen Hoffnung auf Steuerbefreiung für 3. Pensionssäule
In Zeiten knapper öffentlicher Budgets und einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung gewinnt die Diskussion über die (Un-)Finanzierbarkeit des staatlichen Pensionssystems nach dem Umlageverfahren (1. Pensionssäule) an Fahrt.
Dieser Tage hat die Bundesregierung einen Schritt zur Stärkung der zweiten Pensionssäule, der betrieblichen Vorsorge, gesetzt. Aus Finanzmarktkreisen kamen dazu durchaus wohlwollende Stellungnahmen, wobei der Tenor schon der ist, dass es sich lediglich um einen ersten, kleinen Schritt in die richtige Richtung handelt. „Durch die Stärkung der zweiten Pensionssäule kann das staatliche System entlastet und sinnvoll ergänzt werden. Es ist sehr zu begrüßen, dass das neue Modell allen Arbeitnehmenden offenstehen wird und zudem eine Variante ohne Kapitalgarantie gewählt werden kann, was ein langfristiges und auch risikoreicheres Anlegen und damit Chancen auf bessere Veranlagungsergebnisse ermöglicht“, sagt etwa Angelika Sommer-Hemetsberger, Präsidentin des Aktienforums.
Freilich kursieren diverse weitere Reformideen, wie das Pensionssystem zu retten wäre. Meistens jedoch findet die Debatte über eine Anhebung des Pensionsantrittsalters nicht hinaus – und wird an diesem Punkt auch rasch wieder beendet.
Ein durchaus naheliegender Ansatz, die Stärkung der privaten Vorsorge (3. Säule) zur Ergänzung des staatlichen Systems, wird von der Regierung nicht mehr verfolgt. In den Programmen der beiden Vorgänger-Regierungen der jetzigen Ampelkoalition aus ÖVP, SPÖ und Neos fanden sich sehr wohl noch Ansätze einer Steuerbefreiung für langfristig gehaltene Vorsorgedepots und Veranlagungen zur privaten Pensionsvorsorge. Umso deutlicher erinnern jetzt die großen Fondsanbieter und Kapitalanlagegesellschaften an die einstigen Bestrebungen der Politik, denn das Interesse an Wertpapieren, Aktien und Fondsprodukten steigt in der Bevölkerung.
Bei den Fondstagen der Vereinigung österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG) in Salzburg, sagte etwa Hannes Cizek, Vorstandschef von Marktführer Raiffeisen Capital Management (RCM) zum KURIER: „Das Thema 3. Säule mit der Befreiung von der Kapitalertragssteuer ab einer gewissen Behaltedauer ist noch immer ungelöst. Auch wenn das budgetär schwierig sein dürfte, aber das wäre der große Hebel, um die 3. Säule in Österreich einmal auf die Welt zu bringen. In Deutschland wurde jetzt so ein Vorsorgedepot eingeführt. Die Hoffnung ist, dass das ein wenig auf Österreich abfärbt.“
VÖIG-Präsident Heinz Bednar ist derselben Meinung. Der stetige Mittelzufluss in Investmentfonds auf das Rekordniveau von 236 Milliarden Euro mit Jahresende 2025 sei ein riesiger Vertrauensbeweis der Bevölkerung für die Wertpapier-Veranlagung. Bednar: „Umso verwunderlicher ist, dass es noch keine Stärkung der 3. Säule gibt. Es würden noch viel mehr Gelder in Fonds fließen, wenn diese endlich für die 3. Säule aufgemacht würden und die Doppelbesteuerung (versteuertes Einkommen wird später mit der Kapitalertragssteuer noch einmal belastet, Anm.,) aufhört. Aber ich habe keine große Hoffnung, dass in dieser Legislaturperiode noch etwas gelingt.“
Die Bevölkerung wäre durchaus dafür. Der Kaufkrafterhalt unter Berücksichtigung der Inflation, das Nutzen von Ertragschancen sowie die langfristige Vorsorge sind die drei Hauptmotive für eine Veranlagung in Investmentfonds. Das belegt eine Integral-Umfrage (800 Interviews online) im Auftrag der VÖIG. Drei Viertel der Befragten nennen diese Gründe.
Aber auch 35 Prozent der Befragten würden verstärkt Gelder in Wertpapiere oder Fonds anlegen, wenn die Kapitalertragssteuer für den Zweck der Pensionsvorsorge gestrichen würde, zitiert Bednar aus der Umfrage.
Das Argument kommt auch immer häufiger: Im Vorjahr sagten erst 31 Prozent, sie würden beim KESt-Entfall mehr in die Vorsorge investieren. Parallel dazu sinkt der Anteil jener, bei denen steuerliche Überlegungen beim Thema Vorsorge „keine Rolle spielen“.
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