„Größere Bissen“: Internorm-Mutter schielt nach internationalen Übernahmen
Zusammenfassung
- Die IFN Holding AG setzt nach Umsatzrückgängen im Inland verstärkt auf internationale Übernahmen und Wachstum außerhalb des DACH-Raums.
- 2025 erzielte die Gruppe einen Umsatz von 799 Millionen Euro, wobei vor allem Internorm und Topic Rückgänge verzeichneten, während andere Geschäftsfelder wie Neuffer und Kastrup zulegten.
- Hohe Lohnkosten und der Rückgang von Förderungen belasten den österreichischen Standort, während Investitionen in Automatisierung und Kapazitätserweiterungen geplant sind.
Die IFN Holding AG aus Traun, zu der das bekannte Fensterunternehmen Internorm gehört, bringt sich in Stellung für ein weiteres internationales Wachstum. Die Konsolidierung am Markt beschleunige sich. In Zukunft wolle man „proaktiv daran teilnehmen“, kündigt Barbara Desl, Finanzvorständin der Holding, an. Details könne man noch keine nennen. Die Gruppe werde aber ihr Produktportfolio und auch Europa in den kommenden fünf Jahren nicht verlassen.
Die Gruppe sei aktuell so aufgestellt, dass man auch „größere Bissen“ aus dem europäischen Mitbewerb vertragen könne, so Miteigentümer und Unternehmenssprecher Christian Klinger am Mittwoch. Intern werde die IFN auch weiterhin kein „zentral geführter Konzern“. Potenziale sieht Desl aber bei der Bündelung, etwa im Einkauf: „Wir brauchen eine gewisse Schwungmasse als Gruppe.“
Christian Klinger, Miteigentümer der IFN Holding
2025 lag der Umsatz von IFN bei 799 Millionen Euro.
2025 verzeichnete die Holding einen Umsatz von 799 Millionen Euro. Unter Berücksichtigung der Portfolioveränderungen ergibt das ein Plus von zwei Prozent. „Das ist eine wirklich tolle Leistung in der aktuellen Situation in der Branche. Ein Wachstum verzeichnen aktuell nicht viele“, kommentiert Desl das Ergebnis.
Zu Jahresbeginn wurde die GIG-Gruppe (Fassadensysteme) veräußert. Im März kam der litauische Fensterhersteller Roda zur Gruppe, um die Lieferkette für den Online-Handel in Dänemark zu stabilisieren.
Ohne Bereinigung des Ergebnisses ergab sich ein Rückgang von zwei Prozent. Vor allem Internorm, die wichtigste Firma der Gruppe, schwächelte im vergangenen Jahr. Zusammen mit der Mühlviertler Türenmanufaktur Topic verzeichnete sie einen Rückgang von 5,5 Prozent. „Das ist schon ein schwerer Schlag, weil das unser größtes Geschäftsfeld ist“, berichtet Desl.
Die Zahl der Wohnungsneubauten ist in Österreich rückläufig
Mit 38 Prozent Umsatzanteil blieb der heimische Markt auch 2025 der wichtigste für die Gruppe, gefolgt vom deutschen Markt. „Wir sind aktuell sehr konzentriert auf den DACH-Raum. In Zukunft möchten wir das mehr ausbalancieren und in anderen Ländern schneller wachsen“, kündigt Desl an.
Hintergrund ist etwa der Neubaumarkt. Die Zahl der Wohnungsfertigstellungen soll in Österreich Prognosen zufolge von 2025 bis 2028 um 14 Prozent sinken. In anderen Ländern (etwa Dänemark, Schweden oder Finnland) wird wiederum ein starker Zuwachs bei den Wohnungsneubauten erwartet.
Ausgleichen konnte man den Rückgang durch andere Geschäftsfelder, deren Umsatz wuchs, etwa den deutschen Online-Fensterhändler Neuffer (plus 26 Prozent) und die dänische Fensterproduktion Kastrup (plus 14 Prozent).
Hohe Lohnkosten am heimischen Standort belasten
70 Prozent der rund 3.900 Mitarbeiter beschäftigt die Gruppe in Österreich. Dort machen dem Unternehmen vor allem die hohen Lohnkosten zu schaffen. „In anderen Ländern wie Dänemark oder der Schweiz war die Inflation nie höher als drei Prozent. Dort ist es für uns schwierig zu erklären, warum wir in Österreich Lohnsteigerungen von 30 Prozent haben“, so Klinger.
Ein weiteres Problem im Inland sei der Wegfall von Förderungen für die Sanierung von Gebäuden. Diese würde die Nachfrage spürbar drücken, so Klinger.
In den Jahren 2024 und 2025 investierte die Gruppe jeweils rund 30 Millionen Euro, vor allem in den Bereich Automatisierung. Im vergangenen Jahr flossen zwölf davon in Internorm. Vier Millionen investierte IFN in den heimischen Produzenten von Sonnenschutzsystemen Schlotterer. Dieser würde dringend weitere Kapazitäten und ein drittes Werk brauchen, berichtet Klinger. Diese Investitionen würden aber bisher an fehlenden Genehmigungen scheitern.
Für 2026 kündigt Klinger Investitionen von 42 Millionen Euro an.
Die Unternehmensgruppe IFN (Internationales Fensternetzwerk) umfasst national und international mehrere Unternehmen. In Österreich gehören der Fensterhersteller Internorm und die oberösterreichische Türenmanufaktur Topic, sowie der Sonnenschutz-Spezialist Schlotterer dazu.
In der Slowakei der Fensterproduzent HSF und in Deutschland der Online-Fensterhändler Neuffer. Auch in Dänemark ist die Gruppe mit dem Unternehmen Skanva im Online-Vertrieb tätig und außerdem mit dem Hersteller Kastrup vertreten. Außerdem gehört der finnische Produzent Skaala und seit 2025 auch der litauische Hersteller Roda zu IFN.
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