Intensiver Erdbeeranbau gefährdet Naturschutzgebiet in Spanien

Erdbeeren aus dem Glashaus sind bereits erhältlich
Umweltschützer sind alarmiert: Andalusien will Bewässerung für Erdbeer-Plantagen am Doñana-Nationalpark erlauben

Spaniens Umweltschützer und Wissenschafter schlagen Alarm. Die sozialistische Zentralregierung tobt, die Europäische Union droht sogar mit Sanktionen und Geldstrafen. Dennoch hält die konservative Regionalregierung im südspanischen Andalusien an ihrem Plan fest, die Bewässerung von Gemüseplantagen rund um den Nationalpark Doñana auszuweiten.

Das über 122.000 Hektar große Feuchtgebiet an der südspanischen Atlantikküste gehört zu den wichtigsten Naturschutzgebieten Europas. Die Lagunen dienen zudem Millionen von Zugvögeln auf ihrem Weg zwischen Europa und Afrika als Rastplatz.

Das Problem: Das Gebiet rund um den Nationalpark ist auch der Wirtschaftsmotor der Region Huelva, die zu den strukturschwächsten in Spanien gehört. Hier werden die Erdbeeren für Europas Supermärkte angebaut. Fast 97 Prozent sämtlicher spanischer Rotbeeren kommt aus der Region.

Illegale Tiefbrunnen

Schon seit Jahren bedroht der wasserintensive Erdbeeranbau das Feuchtgebiet. 2014 verbot die damalige sozialistische Regionalregierung bereits einen weiteren Ausbau der Anbauflächen. Durchgesetzt und überwacht wurde das Verbot aber nur schlecht. Mehr noch: Laut der Umweltschutzorganisation WWF wurde in den vergangenen Jahren bis zu 1.000 neue illegale Tiefbrunnen für die Bewässerung für den Beerenanbau angelegt - mit katastrophalen Folgen für das Feuchtgebiet, das aufgrund des Klimawandels ohnehin schon seit Jahren vom Austrocknen bedroht ist.

Intensiver Erdbeeranbau gefährdet Naturschutzgebiet in Spanien

Obst-Plantagen in Andalusien

Ökosystem in kritischem Zustand

Die Situation sei so schlimm wie nie zuvor. "Das Ökosystem Doñana befindet sich in einem kritischen Zustand", sagte Eloy Revilla, Direktor der biologischen Beobachtungsstation im Nationalpark. Bereits über die Hälfte sämtlicher Lagunen sei vertrocknet. Schuld daran sei vor allem der Klimawandel und der seit Jahren ausbleibende Regen. Die zunehmende landwirtschaftliche Aktivität würde die Lage aber natürlich verschlimmern.

Intensiver Erdbeeranbau gefährdet Naturschutzgebiet in Spanien

Die Pläne der andalusischen Regionalregierung bedrohen das Feuchtgebiet nun existenziell. In einem Eilverfahren will Andalusiens konservativer Ministerpräsident Juanma Moreno rund 1.500 Hektar Trockenanbaugebiet rund um den Nationalpark in den Bewässerungsplan aufnehmen und die über 1.000 illegalen Brunnen legalisieren.

Die parlamentarische Mehrheit dafür ist gesichert. Seine konservative Volkspartei (PP) verfügt in Sevilla über eine absolute Mehrheit. Zudem unterstützt die rechtspopulistische Vox-Partei den Plan. Ein Vorhaben, das vor allem mit Blick auf die starke andalusische Bauernlobby und die Ende Mai stattfindenden Gemeindewahlen vorangetrieben wird, schreibt selbst die konservative Tageszeitung  El Mundo .

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Polit-Streit

Nun bricht der politische Streit aus. Die sozialistische Zentralregierung von Ministerpräsidenten Pedro Sánchez (PSOE) kündigte bereits an, gegen den Plan vors Verfassungsgericht ziehen zu wollen, zumal der Schutz und Nutzung von Grundwasser und Flüssen Zuständigkeit der Zentralregierung und nicht in die der Regionen sei.

Unterdessen fordert Andalusiens konservativer Regionalpräsident Moreno die Madrider Regierung auf, endlich über Pipelines Wasser aus Flüssen anderer Regionen Südspaniens nach Huelva zu leiten, um die Erdbeerfelder zu bewässern. Was aufgrund der großen Trockenheit in allen Regionen Spaniens aber auch keine Lösung ist.

Während das Austrocknen des Doñana-Feuchtgebiets nun zum Wahlkampfthema in Spanien wird, wo Ende des Jahres auch Parlamentswahlen stattfinden, warnt die Europäische Union bereits mit hohen Geldstrafen, sollte Spanien nicht den Schutz des Nationalparks garantieren. Die UNO-Sonderorganisation UNESCO will sogar prüfen, ob der Nationalpark von der Liste des Weltnaturerbes gestrichen werden könnte.

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