In wenigen Jahren sollen Autos übe sensoren und Chips völlig autonom fahren.

© Werk/Audi

Mega-Deal
03/13/2017

Intel kauft Mobileye um 15,3 Milliarden Dollar

Israelisches Startup soll mithelfen, 2021 völlig autonom fahrende Autos auf die Straße zu bringen

Intel will mit der milliardenschweren Übernahme des israelischen Kameratechnik-Spezialisten Mobileye seine Position in der Zukunftstechnik des autonomen Fahrens stärken. Der US-Chiphersteller teilte am Montag mit, die Führungsgremien beider Konzerne hätten dem Geschäft im Volumen von 15,3 Milliarden Dollar zugestimmt.

Mobileye, wie Intel ein Projektpartner von BMW, ist ein führender Hersteller von Software für autonomes Fahren und hat jahrelang hat mit dem französisch-italienischen Halbleiter-Konzern STMicroelectronics kooperiert. Doch im Zuge der gemeinsamen BMW-Partnerschaft begannen die Israelis auch mit Intel zusammenzuarbeiten. Der bayerische Autobauer will mit beiden Firmen 2021 selbstfahrende Pkw auf die Straße bringen.

70 Prozent Marktanteil

Intel-Chef Brian Krzanich pries den Zusammenschluss als einen Fortschritt nicht nur für sein eigenes Unternehmen, sondern auch für die Autoindustrie und die Verbraucher. Während Intel mit seinen Chips die zentrale Computer-Technologie für autonomes Fahren liefere, stehe Mobileye für fortgeschrittene Fahrassistenz-Systeme. Die Kombination der Expertise beider Firmen könne die Entwicklung fahrerloser Autos vorantreiben und die Kosten ihrer Herstellung senken.

Mobileye hält 70 Prozent des Marktes für Assistenzsysteme, mit denen Fahrer unterstützt und Zusammenstöße vermieden werden sollen.Der 1999 gegründete und seit 2014 in New York börsennotierte Konzern ist Intel einen kräftigen Aufschlag auf den Marktwert von zuletzt rund 10,6 Milliarden Dollar wert. Die Übernahme ist die bisher größte eines rein auf autonomes Fahren konzentrierten Unternehmens und der teuerste Kauf einer High-Tech-Firma aus Israel. Dorthin will Intel auch seine Sparte für autonomes Fahren verlagern, wenn das neue Unternehmen seine Arbeit aufnimmt. Die Fusion soll noch dieses Jahr abgeschlossen werden.

Kooperation mit VW, BMW und Volvo

Mobileye entwickelt Technologie für autonomes Fahren, samt Kamerasystem, Algorithmen und speziellem Chip. Die Kameras erfassen die Gefahren auf der Straße, der Chip steuert die Elektronik und stoppt darüber das Auto, um Unfälle zu verhindern. „Die Mobileye-Technologie ist ziemlich einzigartig in der Autoindustrie“, sagt der Wirtschaftskorrespondent der israelischen Nachrichtenseite „The Marker“, Israel Fischer. „Diese Kameras sind sozusagen die Augen des Autos.“ Sie erstellten eine Karte der Umgebung.

Die Google-Schwesterfirma Waymo als prominenter Rivale beispielsweise setzt stattdessen auf Laser-Radare. „Wir glauben, dass der Weg zu autonomen Autos eine Entwicklung ist“, sagte Europachef Lior Sethon im vergangenen Jahr - von der Technologie, die Unfälle vermeidet, hin zum selbstfahrenden Fahrzeug. „Damit ein Auto voll autonom wird, muss es menschliche Intuition und ein menschliches Gefühl haben. Das ist die große Herausforderung.“

Komplett autonom fahren

Mobileye arbeitete bereits am nächsten Chip, der Daten von 20 Sensoren auswerten und komplett autonomes Fahren erlauben soll. Zur Firma gehören etwas mehr als 600 Mitarbeiter - ähnlich einem mittelständischen Unternehmen. Der Firmensitz in einem Gewerbegebiet am Rande Jerusalems verstrahlt eher pragmatischen Charme. Auf dem Weg zu den Büros geht es durch die Kantine, wo mittags dicht gedrängt die Mitarbeiter sitzen. In wenigen Minuten sind die Testfahrer auf der nahe gelegenen Autobahn. Dort übergibt der Fahrer die Kontrolle des Fahrzeugs an die Technik.

An den Autos sind acht Kameras befestigt, für eine 360-Grad-Sicht um das Fahrzeug. Ein Bildschirm neben dem Lenkrad zeigt an, was die Kameras sehen: Die freie Fläche vor dem Auto ist ungefährlich und grün, weiter entfernte Fahrzeuge sind Gelb umrandet, ebenso wie Straßenschilder. Nahe, potenziell gefährliche Fahrzeuge haben einen roten Rahmen.

Der israelische High-Tech-Guru Yossi Vardi sieht die Übernahme zwischen Intel und Mobileye als Chance für beide Seiten. „Die Größenordnung des Geschäfts ist atemberaubend“, sagt Vardi. „Ich denke, es ist der größte High-Tech-Deal in der Geschichte des Landes, vielleicht sogar die größte Übernahme durch ein ausländisches Unternehmen überhaupt.“ Dass die Wahl von Intel auf Mobileye fiel, sei zudem „eine weitere Bestätigung der Qualität der israelischen High-Tech-Branche“. Bereits 2013 hatte der US-Suchmaschinenriese Google für mehr als eine Milliarde Dollar den israelischen Internet-Kartendienst Waze gekauft.

15 Millionen Fahrzeuge als "Kunden"

Mehr als 15 Millionen Fahrzeuge weltweit nutzen nach Angaben von Mobileye mittlerweile die Technologie des Unternehmens. Die Firma arbeitet unter anderem mit VW, BMW und Volvo zusammen. Im Jänner hatte BMW mitgeteilt, demnächst rund 40 selbstfahrende Fahrzeuge in Europa und den USA auf die Straße zu bringen. Die Tests mit Intel und Mobileye sollten demnach im zweiten Halbjahr beginnen. Die drei Unternehmen hatten Mitte 2016 bereits eine Kooperation geschlossen.

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