Wirtschaft
02.06.2017

Inflation zieht in den nächsten zwei Jahren nur langsam an

Zinsen bleiben noch mindestens zwei Jahre im negativen Bereich

Die Preissteigerungsrate ist im Euroraum im Mai nach erster Schätzung auf 1,4 Prozent gesunken. Im April waren es noch 1,9 Prozent. Für Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Bank International (RBI), kommt der Rückgang "nicht überraschend". Denn die Entwicklung des Ölpreises habe vorläufig einen Höhepunkt erreicht. Und somit liegt auch die Kerninflation (ohne Energie und Nahrungsmittel) mit 1,1 Prozent unter der von der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgegebenen Bandbreite von 1,4 bis 1,9 Prozent.

Dass nun für EZB-Chef Mario Draghi die Kerninflation als wesentliche Kennziffer für Zinsentscheidungen herangezogen werde (und nicht mehr die generelle Inflation), ist laut Brezinschek "ein bissl ein Trick, aber nicht unfair".

So oder so, das Inflationsziel müsse laut EZB-Definition für mindestens zwölf Monate stabil in dieser Bandbreite liegen; damit sei in nächster Zeit nicht zu rechnen. "Die Kerninflation wird in den nächsten zwei Jahren stetig nach oben gehen, sich aber nicht beschleunigen."

Zinsanhebung

Brezinschek erwartet daher eine Anhebung der Euro-Leitzinsen frühestens Ende 2018, während es in den USA wahrscheinlich schon nächste Woche soweit sein wird. Die höhere Inflation (2,2 Prozent), die robuste Konjunktur und gute Arbeitsmarktdaten (de facto Vollbeschäftigung) sprechen dafür.

In Österreich liegt die Inflation mit 2,3 Prozent über jener der Eurozone, was Brezinschek vor allem auf steigende Gebühren von Bund und Gemeinden zurückführt. Gepaart mit den tiefen Zinsen verstärke sich hier zu Lande die negative Realverzinsung von Sparbüchern und Anleihen zusätzlich. Vor Mitte 2019 seien keine positiven Realzinsen in Sicht.