Wifo warnt: Inflation wird wieder anziehen
Zusammenfassung
- Wifo erwartet wegen des wieder aufgeflammten Iran-Kriegs und gestiegener Treibstoffpreise im Juli ein erneutes Anziehen der Inflation.
- Wie sich die Teuerung bis Jahresende entwickelt, hängt laut Ökonom Josef Baumgartner vor allem vom weiteren Kriegsverlauf, möglichen Friedensverhandlungen und Schäden an der Öl- und Gasinfrastruktur ab.
- Bei den Spritpreisen gilt das im März erreichte Niveau von 2,25 Euro je Liter vorerst als Obergrenze, bei einer weiteren Eskalation seien jedoch auch höhere Preise möglich.
Die Entspannung bei der Inflation im Juni dürfte nur von kurzer Dauer sein. Der wieder aufgeflammte Iran-Krieg hat die Treibstoffpreise, die im Juni die Teuerung noch weniger stark befeuert hatten, im Juli bereits wieder nach oben getrieben. Zuletzt lagen die Preise für Diesel wieder über 1,90 Euro je Liter und damit deutlich über dem Niveau vom Vormonat. Wifo-Ökonom Josef Baumgartner erwartet, dass die Inflation im Juli wieder anziehen wird.
„Im Juli werden wir aus Treibstoffen und Mineralölprodukten höhere Inflationsbeiträge bekommen“, sagte Baumgartner am Freitag im Gespräch mit der APA. Dadurch werde auch die Inflation wieder ansteigen. Nach dem Beginn der Friedensverhandlungen zwischen den USA und Iran und der Ankündigung der Öffnung der Straße von Hormus sei die Einschätzung gewesen, dass die Inflation im Mai mit 3,7 Prozent ihren Höhepunkt erreicht haben könnte - sofern der Frieden nachhaltig sei. „Das ist wieder Makulatur“, so Baumgartner.
Weitere Entwicklung der Inflation hängt vom Iran-Krieg ab
Ob sich die Inflation bis Jahresende wieder abschwächen könne, sei unsicher. Das hänge vor allem davon ab, wie der Krieg im Iran weitergehe, ob erneut Friedensverhandlungen geführt würden und ob dann ein nachhaltiger Frieden zustande komme, so Baumgartner. Entscheidend sei auch, wie viel der Öl- und Gasinfrastruktur in der Region bei Angriffen zerstört werde. Generell sei die Lage aber noch sehr unsicher - auch wie es mit der Straße von Hormuz weitergehe, sei noch völlig offen.
Bei den Spritpreisen rechnet Baumgartner jedoch vorerst damit, dass die im März erreichten 2,25 Euro je Liter die Obergrenze waren. „Sollte der Krieg aber weiter eskalieren und nachhaltig die Ölversorgung beeinträchtigen, dann kann es auch noch weiter nach oben gehen“, sagte der Ökonom.
Mittel- bis längerfristig sei aber zu erwarten, dass andere Ölproduzenten einspringen, um einen Ausfall aus dem Nahen Osten zu dämpfen. Die USA habe ihre Ölproduktion bereits ausgeweitet, und auch aus Venezuela stehe noch Öl zur Verfügung, das auf den Weltmarkt kommen könnte. Auch bei den Transportmöglichkeiten gebe es Alternativen zur Straße von Hormuz. Baumgartner nannte hier die Ost-West-Pipeline vom Persischen Golf zum Roten Meer.
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