Neue Prognose: Nur ein Prozent Wirtschaftswachstum pro Jahr bis 2030
Zusammenfassung
- Das IHS prognostiziert für Österreich bis 2030 ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von rund 1,0 Prozent pro Jahr, deutlich unter dem Schnitt der vergangenen fünf Jahre.
- Die Prognose ist wegen der volatilen Weltlage mit hohen Unsicherheiten behaftet, erwartet aber sinkende Inflation, eine Erholung von Bau und Exporten sowie eine rückläufige Arbeitslosenquote.
- Die Exporte sollen nach Marktanteilsverlusten wieder moderat wachsen, während die Außenwirtschaft insgesamt laut IHS einen annähernd neutralen Wachstumsbeitrag leisten dürfte.
Das Institut für Höhere Studien (IHS) hat am Donnerstag seine neueste Mittelfristprognose bis ins Jahr 2030 präsentiert. Pro Jahr ist demnach lediglich mit einem Wirtschaftswachstum von durchschnittlich einem Prozent zu rechnen. Zugleich werde die Defizitquote der öffentlichen Haushalte ohne weitere Maßnahmen der Regierung die Zielmarke der Bundesregierung von 3 Prozent nicht erreichen.
IHS-Chef Holger Bonin mahnte daher aus Budgetgründen zu weiteren, mutigen Reformschritten bei Pensionen und Gesundheit. „Die jüngsten Reformen reichen nicht aus. Da wurde nur ein Unentschieden erreicht, das niemanden weiterhilft, wenn man Champion werden will“, so Bonin auf einer Pressekonferenz am Donnerstag. Die Regierung sollte in die Verlängerung gehen und sich Deutschland als Vorbild nehmen. Dort sei „mit Tabus aufgeräumt worden“ und etwa eine verpflichtende Zusatzrente eingeführt worden.
Die Auswirkungen der bisherigen Reformen bewertet Bonin einmal mehr kritisch. „Die geplanten Mehreinnahmen fürs Budget haben wir nicht gut im Griff, weil niemand weiß, wie sich etwa die Paketsteuer auswirken wird“. Ausgabenseitig wiederum stellt der Ökonom das Sparen bei den ÖBB-Ausbaupläne infrage. Hier würden nur Kosten in die Zukunft geschoben, das könnte später ein Problem werden. Die Kürzungen bei den Pensionsausgaben wiederum seien nicht wachstumswirksam. Positiv wertet er die Anhebung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge bei Niedriglöhnen, dies könnte das Arbeitsvolumen erhöhen.
Geopolitische Unsicherheiten: Wirtschaft ist ziemlich anpassungsfähig
Die Prognose ist wegen der volatilen Weltlage zudem mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. Allerdings, so relativiert Bonin, zeige sich, dass die Wirtschaft ziemlich anpassungsfähig gegenüber Krisen sei. Die nach Ausbruch des Iran-Krieges erwarteten Krisenszenarien bei Öl und Rohstoffen hätten sich nicht bewahrheitet, zumal Warenströme auch umgelenkt werden.
Das IHS geht davon aus, dass Verwerfungen des Iran-Kriegs rasch überwindbar seien, baut in der Prognose aber auf keine weitere Eskalation, die sich aufgrund der Entwicklung der vergangenen Tage allerdings zumindest befürchten lässt. Das erwartete Wirtschaftswachstum von durchschnittlich je einem Prozent pro Jahr bis 2030 ist trotzdem deutlich niedriger als der Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre von 1,9 Prozent.
Inflation sinkt wieder
Auch Inflation dürfte wieder sinken. Für heuer rechnet das IHS aber noch mit einer Teuerung von 3 Prozent. Ab 2028 sollte dann hierzulande das EZB-Inflationsziel von 2,0 Prozent erreicht werden. Im Durchschnitt bis 2030 rechnet das Institut mit einer Zunahme der Verbraucherpreise von 2,3 Prozent pro Jahr.
Weiterhin schwächt die demografische Entwicklung das Arbeitskräfteangebot - Stichwort: Fachkräftemangel. Gepaart mit einem moderaten Beschäftigungswachstum sollte die Arbeitslosenquote von 7,5 Prozent heuer bis 2030 auf 6,4 Prozent zurückgehen. Die Beschäftigung dürfte um 0,6 Prozent pro Jahr zulegen.
Holger Bonin
Konkret geht das Institut von einem Wachstum heuer von 0,8 Prozent aus. 2027 rechnet es mit 1,0 Prozent. Für den Zeitraum von 2028 bis 2030 werden Zuwächse der Austro-Wirtschaftsleistung von 1,2 Prozent, 1,1 Prozent und 1,0 Prozent prognostiziert. Damit expandiert die österreichische Wirtschaft im Prognosezeitraum annähernd so stark wie der Euroraum.
Internationale Prognosen und Austro-Exporte
Das Wachstum wichtiger Volkswirtschaften übersteigt jenes Österreichs, auch die Eurozone dürfte mit 1,1 Prozent minimal stärker wachsen. Die Weltwirtschaft dürfte um durchschnittlich 2,8 Prozent pro Jahr wachsen. Ausgangsbasis ist aber auch hier, dass der Iran-Krieg nicht eskaliert und sich so die Situation bei den Energiepreisen entspannt. Die Wirtschaft der größten Volkswirtschaft der Erde, der USA, soll bis 2030 dann durchschnittlich um 1,8 Prozent wachsen, jene des Verfolgers China um 3,9 Prozent.
Die heimischen Exporte verzeichneten in den beiden vergangenen Jahren wegen kräftig gestiegener Energie- und Lohnstückkosten deutliche Marktanteilsverluste. „Mit produktivitätsorientierten Lohnabschlüssen in der Industrie dürfte sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Exporte jedoch nicht weiter verschlechtern“, schreibt das IHS.
Die Warenexporte werden laut Prognose um 1,9 Prozent pro Jahr zulegen. Bei den Gesamtexporten von Waren und Dienstleistungen wird der Zuwachs voraussichtlich 2 Prozent betragen. Mit 1,9 Prozent pro Jahr dürften die Gesamtimporte nur geringfügig langsamer als die Exporte expandieren, sodass von der Außenwirtschaft insgesamt ein annähernd neutraler Wachstumsbeitrag ausgeht.
Kommentare