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Anlagebetrug
09/12/2014

Infinus-Skandal: Razzien auch in Österreich

Die Ermittlungen um Schneeballsystem Infinus auf Salzburg und Wien ausgeweitet.

Die Ermittlungen rund um den dubiosen Dresdner Finanzkonzern Infinus betreffen mittlerweile drei Länder. Wie erst jetzt bekannt wurde, wurden bereits am Donnerstag Unternehmen in Köln und Düsseldorf, aber auch in Wien, Salzburg und in Luxemburg durchsucht.

„Wir wollen umfassend aufklären, was bei den Abschlüssen von Lebensversicherungen mit hohen Provisionen passiert ist“, bestätigte Lorenz Haase, Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft, am Freitag. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ über den Fall berichtet. Welche Firmen durchsucht wurden, wollte die Staatsanwaltschaft nicht sagen. Die Versicherer Ergo (Düsseldorf) und Gothaer (Köln) bestätigten die Durchsuchung.

391 Millionen Euro Schaden

Auf Anfrage erklärten die Sprecher von Gothaer und Ergo, dass die Unternehmen nicht die Beschuldigten, sondern nur Zeugen des Vorgangs sein. Man kooperiere mit den Behörden und habe der Staatsanwaltschaft bereits vor Wochen Unterlagen zur Verfügung gestellt beziehungsweise dies jetzt getan. Nun müssen die Ermittler das Material zunächst sichten, um weitere Aussagen machen zu können. Auch die Staatsanwaltschaft erklärte, bei den durchsuchten Firmen handele es sich nicht um Beschuldigte, sondern sie würden als Zeugen benötigt.

Die Forderungen gegen die gesamte Infinus-Gruppe liegen bei mehr als einer Milliarde Euro. Fast alle Firmen der Dresdner Infinus-Finanzgruppe sind insolvent, gegen ehemaligen Manager wird wegen des Verdachts des Betruges ermittelt. Die Staatsanwaltschaft geht insgesamt gegen zehn Infinus-Mitarbeiter vor. Sie sollen ein betrügerisches Schneeballsystem betrieben und Zehntausende Anleger um mindestens 391 Millionen Euro betrogen haben.

Vermögenswerte beschlagnahmt

Bereits Anfang des Jahres hat die Staatsanwaltschaft Dresden im Ermittlungsverfahren unter der Aktenzahl 100 Js 73787/12 wegen Verdachtes des Betruges gegen die früheren Infinus-Macher Jörg B., Andreas K., Rudolf O., Kewan K., Siegfried B., und Jens P. zahlreiche Vermögensgegenstände beschlagnahmt, die angeblich mit Anlegergeldern bezahlt wurden.

Bei Jörg B. wurden unter anderem ein Bentley Continental GT mit einem Wert von 129.500 Euro und ein Porsche Cayenne (63.650 Euro) sowie drei Fahrzeuge der Marke Volvo XC 60 eingezogen. Dazu noch 24 Goldbarren zu je einem Kilogramm zum damaligen Wert von insgesamt 691.000 Euro; dazu kommen noch Tausende Aktienanteile sowie 19 Nobel-Armbanduhren der Marken Rolex, Jaeger-Le-Coultre, Cartier und Gucci sowie zwei Motorboote. Alleine das Boot der Marke Frauscher Benaco 909 "Maurice" soll 250.000 Euro wert sein. Weiters wurden mehrere Bankkonten, darunter eines mit einer Million Euro Guthaben, eingefroren, und zahlreiche Lebensversicherungspolizzen mit beträchtlichen Rückkaufswerten sichergestellt. Später wurde über B. ein Insolvenzverfahren eröffnet.

Auch bei den weiteren Verdächtigen wurden Fahrzeuge, darunter zwei Porsche 911, Uhren, Bilder und Konten beschlagnahmt, aber vor allem auch zahlreiche Liegenschaften und Wohnungen. Und auf dem Konto der Infinus AG konnten die Ermittler noch 5,93 Millionen Euro sichern. Bei einem Verdächtigen wurden auch zahlreiche Waffen aufgefunden, darunter eine Pistole Glock 27 sowie sechs Flinten.

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