Sabine Herlitschka (li.) wurde 2011 von Monika Kircher für den Bereich F & E in den Vorstand von Infineon in Österreich (1,18 Mrd. Euro Umsatz) geholt. Am 1. April übernahm sie die CEO-Agenden von Kircher.

© Deutsch Gerhard

Infineon
04/09/2014

Ganze Frauenpower für Halbleiter

Sabine Herlitschka ist die neue Chefin. Ihre Vorgängerin Monika Kircher geht nicht ganz.

von Andrea Hlinka

KURIER: Sie hatten am 31. März Ihren letzten Arbeitstag als Chefin von Infineon in Österreich. Was war Ihre letzte Handlung?

Monika Kircher: Die Abschiedsmail an alle Mitarbeiter. Dann begann die Übersiedlung, weil ich bei Infineon weiterhin teilzeitbeschäftigt bin, um junge Führungskräfte zu unterstützen und bei industriepolitischen Aktivitäten in Österreich zu beraten.

Wieso gehen Sie nicht ganz?

Kircher: Weil wir Nachfolge anders regeln als andere Unternehmen: Nicht überraschend und zu spät, sondern früh und in Phasen getaktet. Wir haben bereits vor über drei Jahren mit dem Aufsichtsrat abgestimmt, dass das meine letzte Vorstandsperiode sein wird. Es wurde die beste Person gesucht und dass es eine Frau ist, freut mich sehr.

Der deutsche Mutter Infineon war Börsestar und Pennystock. Was waren die Schlüsselerlebnisse in den 13 Jahren, die Sie im Unternehmen waren?

Kircher: Die ersten Jahre, die ich bei Infineon war, gab es die höchsten Höhen und die tiefsten Tiefen. Die Schwankungen waren extrem. Speziell im Jahr 2008, 2009 wussten wir nicht, wie wir die Refinanzierung von 1,5 Milliarden Euro im Konzern schaffen werden und ob es Infineon in zwei Jahren noch als eigenständige Firma geben wird. Wir waren die erste Firma, die am Kapitalmarkt wieder finanziert werden konnte. Infineon geht es heute besser als je zuvor.

Der Umsatz von zuletzt 1,18 Milliarden in Österreich soll im laufenden Geschäftsjahr um sieben bis elf Prozent zulegen. Das scheint ambitioniert, 2012 auf 2013 haben sie noch zwei Prozent an Umsatz eingebüßt.

Kircher: Wir haben heute kein Geschäftsfeld, das negative Ergebnisse schreibt. Das war ein anstrengender, jedoch konsequenter Prozess.

Sabine Herlitschka: Wir können aus einer starken Position heraus agieren und haben natürlich große Ziele. Wir wollen weiter ausbauen, die innovativsten Produkte am Markt haben. Wir haben Forschung & Entwicklung, Produktion und Geschäftsverantwortung am Standort in Österreich. Diese Synergien wollen wir weiter nutzen und uns international ideal positionieren.

Sabine Herlitschka, wie ist Ihre Strategie für Infineon und welchen Führungsstil pflegen Sie?

Herlitschka: Ich pflege einen sehr offenen Führungsstil. Wenn es schwierig wird, scheitert es meiner Meinung nach zuerst an trivialen Dingen, wie Kommunikation und Respekt. In der Halbleiterbranche gehören Krisen zum Tagesgeschäft. Alle zwei, drei Jahre muss man mit mehr oder weniger intensiven Krisen rechnen. In diesen Phasen ist es wichtig, dass man sich auf die Teams verlassen kann. Bei Monika Kircher waren bestimmte Entwicklungen und Entscheidungen notwendig und das werden sie auch bei uns sein. Wir überarbeiten derzeit unsere Strategie, wo wir 2020 stehen wollen.

Wie ist Infineon gegen diese alltäglichen Krisen aufgestellt?

Herlitschka: Unsere Mitarbeiter finden, dass unser Management in der Krise besser ist als ohne Krise. Weil da noch klarer ist, wer wofür die Verantwortung trägt. In schwierigen Zeiten kommt es darauf an, dass man sich seine Zukunftschancen nicht vertut, auch wenn man sparen muss. Wir haben mit dem Betriebsrat Maßnahmen definiert, die im Fall einer Krise zum Einsatz kommen.

Infineon arbeitet in den Bereichen Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit, wo liegt der Fokus?

Herlitschka: Das Thema Energieeffizienz ist in Österreich stark zu Hause, da können wir viel beitragen. Dieser Tage wird wieder massiv in den Medien über Datensicherheit diskutiert – wir liefern die Chips für die US-Pässe. Wenn Elektromobilität stärker kommt, ist das für uns super: In einem Auto mit Verbrennungsmotor sind Halbleiter um rund 250 Euro eingebaut. In einem Elektro-Auto doppelt so viel.

Hat Infineon einen Innovationsvorsprung? Wie lange kann man den halten?

Herlitschka: Bei der Sicherheit sind uns die Mitbewerber knapp auf den Fersen. Bei den 300-Millimeter-Dünnwafer-Chips liegt der Technologievorsprung bei zwei Jahren. Man kann sich keinen Tag ausruhen.

Der Infineon-Konzern hat einen Cash-Bestand von rund zwei Milliarden Euro – Aktionärsvertreter fordern Zukäufe oder eine Ausschüttung des Geldes. Planen Sie, Firmen in naher Zukunft zuzukaufen?

Kircher: Wir prüfen zusätzlich zum organischen Wachstum passende Ergänzungen. Aber wir sind wählerisch und sind nicht bereit, überhöhte Preise zu zahlen.

Herlitschka: In Österreich gibt es das Pioneers Festival, eine Veranstaltung, wo Unternehmer, Gründer und Investoren zusammentreffen. Das ist spannend für uns und zeigt, dass man am besten im Netzwerk zu Innovationen kommt und es einen intensiven Austausch zwischen Unternehmen, Hochschulen sowie Klein- und Mittelbetrieben gibt.

Wie sehen Sie den Forschungsstandort und Wirtschaftsstandort Österreich? Sind Sie mit der Situation zufrieden?

Herlitschka: Ja und nein. Die Regierung hat sich eine Strategie vorgenommen und die muss jetzt umgesetzt werden. Die Ausgaben für Forschung & Entwicklung liegen bei 2,8 Prozent vom BIP. Man hat sich ein Prozentpunkt Steigerung vorgenommen – da ist also noch Luft nach oben.

Kärnten steht wirtschaftlich nicht gut da, ist untrennbar mit der Hypo verbunden. Ärgert Sie das?

Kircher: Natürlich ärgert mich das. Aber da bitte ich auch, nicht nur ein Bild zu zeichnen: Kärnten ist nicht die Hypo. Es gibt viele gesunde, erfolgreiche Unternehmen. Kärnten strengt sich an und das ist gut und notwendig so.

Wie schwer ist es, gute Mitarbeiter nach Kärnten zu holen?

Kircher: Die Willkommenskultur müssen wir in Österreich und in Kärnten erst entwickeln.Herlitschka: Es gelingt wenig, die besten Leute der Welt nach Österreich zu holen. Wir haben über die vergangenen Jahre jährlich knapp 300 Leute eingestellt. Davon kommt ein Drittel nicht aus Österreich. Sie kommen, weil die inhaltliche Ausrichtung spannend ist. Ich habe vor drei Jahren nicht gedacht, dass ich in Kärnten arbeiten werde. Ich bin jetzt glücklich und so gelingt uns das mit vielen Leuten.

Sie forschten in den USA und wollten eigentlich Rektorin der TU werden. 2011 bot Ihnen Monika Kircher die Verantwortung für Forschung und Entwicklung bei Infineon Österreich an. Was hat Sie überzeugt?

Herlitschka: Ich habe mir damals sehr genau überlegt, ob ich mir das zutraue. Infineon ist ein attraktives Unternehmen und denkt breit, das hat mir gefallen. Mit meinem spezifischen CV als Technikvorständin zu kommen, war Diskussionsthema. Aber: Es ist ein Luxus, in ein Unternehmen zu kommen und unbelastet starten zu können.

Frau Kircher, sind Sie nicht wehmütig?

Kircher: Natürlich mischt sich eine Spur Wehmut und Unsicherheit dazu, wie sich diese neue Etappe anfühlen wird. Aber ich freue mich auf weniger Verantwortung und mehr Privatleben.

Die weiblichen CEOs

Sabine Herlitschka

Die in Deutschland geborene Salzburgerin (48) studierte Lebensmittel- und Biotechnologie an der Boku in Wien und Wirtschaftstechnik. Sie startete bei der Immuno AG, war jahrelang in der Forschungs- und Technologiekooperation und werkte ab 2003 als Vizerektorin an der Med-Uni Graz, um dann als Forschungsnetzwerkerin in der FFG zu wirken. Seit 1. April ist sie CEO von Infineon Österreich.

Monika Kircher

Die Kärntnerin (56), ehemals Vizebürgermeisterin von Villach, wird dem Unternehmen weiter beratend zur Seite stehen.
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