"Überraschendes" Übernahmeangebot für Semperit: Aktienkurs hebt ab

B&C-Holding bietet 15 Euro je Aktie. Vorstand und Kleinanlegervertreter vom Angebot überrascht. Durchwachsene Bilanz 2025.
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Ein freiwilliges Übernahmeangebot des österreichischen Mehrheitsaktionärs B&C Holding sorgt für Rätselraten bei Vorstand und Aktionärsvertretern des in Wien börsenotierten Gummi- und Kautschukkonzerns Semperit. B&C möchte sämtliche ausstehende Aktien der Semperit erwerben. Dies entspricht rund 41,52 Prozent des Grundkapitals der Semperit. 

Der Angebotspreis beträgt 15,00 Euro je Aktie in bar, dies entspricht einer Prämie von rund 25 Prozent auf den Schlusskurs der Semperit-Aktie vom 17. März 2026. Das Angebot unterliegt keiner Mindestannahmeschwelle. Ein Delisting von der Börse sei nicht geplant. Die B&C-Gruppe hält derzeit rund 58,48 Prozent des Grundkapitals der Semperit, weitere 10 Prozent hält die De Krassny GmbH, der Rest ist in Streubesitz.

Kurssprung um 24 Prozent

Bei den Aktionären kam die Ankündigung gut an. Die Semperit-Aktie hob am Mittwoch um fast 24 Prozent auf 14,82 Euro ab und lag damit nur knapp unter dem B&C-Kaufangebot. Semperit-Vorstandsvorsitzender Manfred Stanek zeigte sich auf der Bilanzpressekonferenz "überrascht" vom Übernahmeangebot des Mehrheitsaktionärs. Man nehme das Angebot zur Kenntnis und werde zeitgerecht darauf reagieren.  

"Das Angebot kommt für alle überraschend", sagt auch Florian Beckermann vom Interessensverband der Kleinanleger (IVA) zum KURIER. Auch wenn man die Details noch nicht kenne zeige das Angebot, dass die B&C an die neue Strategie von Semperit glaube. Eine Aufstockung auf über 75 Prozent mache auch strategisch Sinn.  Die 15 Euro seien für die Aktionäre "interessant". 

Für 2025 kündigte der Vorstand ein Aussetzen der Dividende an, um die finanzielle Basis für künftige Wachstums- und Innovationsprojekte zu stärken. Für das Jahr 2024 waren noch 0,50 Euro je Aktie ausgeschüttet worden.

BILANZ-PK SEMPERIT AG HOLDING "JAHRESERGEBNIS 2024 - VORSTELLUNG DES ZUKÜNFTIGEN CEO MANFRED STANEK - AUSBLICK": STANEK

Semperit-Chef Manfred Stanek

Gewinneinbruch im abgelaufenen Geschäftsjahr

Operativ lief es für Semperit im Vorjahr aufgrund eines sehr schwachen Geschäfts im ersten Halbjahr durchwachsen. Im zweiten Halbjahr habe das Unternehmen aber deutlich an operativer Dynamik gewonnen, sagte Stanek. 

Unterm Strich blieben nach Steuern nur noch 0,4 Mio. Euro übrig, was einem Minus von über 96 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.  Der Umsatz ging leicht um 2,1 Prozent auf 662,4 Mio. Euro zurück. 

Das ausgewiesene Betriebsergebnis (EBIT) brach um knapp 27 Prozent auf 25,6 Mio. Euro ein. Belastet wurde das Ergebnis unter anderem durch Wertminderungen in Höhe von 3,3 Mio. Euro auf den Kundenstock im Bereich Flüssigsilikon (LSR). Zusätzlich drückten negative Währungseffekte von 4,5 Mio. Euro infolge eines schwächeren US-Dollars auf das Finanzergebnis.

Weniger Beschäftigte in Wimpassing

Der Mitarbeiterstand blieb mit 4.013 in etwa auf Vorjahresniveau. Am Hauptstandort in Wimpassing/NÖ ging der Mitarbeiterstand von 662 auf 624 zurück. Hohe Wertschöpfung sei in Österreich nur durch hohe Automatisierung möglich, so Stanek, der weitere Verlagerungen aus Wimpassing in andere Regionen nicht ausschloss. 

Rückkehr auf Wachstumskurs angestrebt

Für das laufende Jahr 2026 rechnet das Management der Semperit mit einer Rückkehr auf den Wachstumskurs. Das operative EBITDA soll auf rund 95 Mio. Euro steigen und der Umsatz im höheren einstelligen Prozentbereich zulegen. Mittelfristig - bis 2030 - peilt der Konzern ein organisches Wachstum auf 1 Mrd. Euro Umsatz an.

Einstieg in den Bereich Verteidigung

Wie bereits angekündigt, will Semperit das Produktportfolio um den Bereich Defense erweitern, wobei es hier in erster Linie um Dual-Use-Güter gehen wird, etwa Lärmdämmung für Generatoren, merkte Stanek dazu an. Hier sei man gerade dabei, Mitarbeiter zu rekrutieren. 

Nahost-Konflikt treibt Preise in die Höhe

Durch den Nahost-Konflikt erwartet sich Semperit vor allem Auswirkungen auf die Rohstoff-Preise. "Wenn der Ölpreis auf über 110 Dollar steigt, wird es zweistellige Materialpreisanstiege geben", schätzt Vorstand Gerfried Eder. 

Die höheren Preise könnten aber an die Kunden weitergegeben werden. Bei den Rohstofflieferanten könnte Semperit auf Zweit- oder Drittlieferanten ausweichen. Sollte der Konflikt länger andauern, werde er aber auf die Nachfrage drücken. 

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