Die neue Regierung will das Leben für Ein-Personen-Unternehmen erleichtern

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Wirtschaft
01/09/2020

In Watte gepackt: Was die Regierung für Gründer plant

Analyse: Türkis-Grün greift Start-ups kräftig unter die Arme, senkt die Kapitalhürden und verteilt Steuerzuckerl.

von Anita Staudacher

Wer in Österreich den Weg in die Selbstständigkeit plant, sieht rosigen Zeiten entgegen. Jungunternehmer werden von der neuen Regierung regelrecht in Watte gepackt, zeigt ein Blick ins Regierungsprogramm von Türkis-Grün. Darin findet sich die Wunschliste der Jungen Wirtschaft und der heimischen Start-up-Szene fast vollinhaltlich übernommen.

Entsprechend groß ist die Freude in der Jungen Wirtschaft, der Jungunternehmer-Lobby der Wirtschaftskammer. „Das Regierungsprogramm ist ein Turbo für den Optimismus der jungen Selbstständigen“, frohlockt Vorsitzende Christiane Holzinger, die 120.000 junge Unternehmen vertritt.

Der KURIER nahm die wichtigsten Vorhaben unter die Lupe:

- Gründung light

Um die Gründungsdynamik anzukurbeln, sollen die Hürden für Kapitalgesellschaften weiter fallen. Geplant ist ein Comeback der „GmbH light“. Für die Gründung einer GmbH soll ein Mindeststammkapital von 10.000 Euro statt bisher 35.000 Euro ausreichen. Für innovative Start-ups im internationalen Wettbewerb soll überhaupt eine neue Gesellschaftsform („EU Limited“) kommen. Ziel ist eine „unbürokratische Gründung“ mit digitalen Behördenwegen, Englisch als Amtssprache und Stammkapital-Ansparmodellen“. Hintergrund sind zunehmend grenzüberschreitende Gründungen.

- Recht auf Selbstständigkeit

Bei der schwierigen Abgrenzung zwischen Selbstständigkeit und Anstellung soll es mehr Rechtssicherheit geben. Geplant ist ein einheitlicher Dienstnehmerbegriff im Sozialversicherungs- und Steuerrecht sowie mehr Entscheidungsfreiheit der Betroffenen durch ein „Recht auf Selbstständigkeit“. Eher in Richtung Arbeitnehmer geht es hingegen bei der sozialen Absicherung. Hier sind Verbesserungen, insbesondere in der Startphase der Selbstständigen, geplant.

- „Schonfrist“ für KontrollenBei Betriebsübergaben soll eine zweijährige „grace period“ (zu Deutsch: Übergangsfrist) eingeführt werden, in der Unternehmen vor Betriebsprüfungen geschützt werden sollen. Die Junge Wirtschaft hält eine solche Schonfrist für gerechtfertigt, damit die Übernehmer Um- und Nachrüstungen im übernommenen Betrieb vornehmen können. Weiters sollen neue Technologien und Geschäftsmodelle im unregulierten Umfeld erprobt werden können (Regulary Sandboxes). Ein Projekt, dass bereits Ex-Finanzminister Löger in Angriff nahm.

- Heimarbeitsplatz absetzbar
Da in Zeiten zunehmender Digitalisierung Beruf und Privatleben immer mehr verschmelzen, soll der Arbeitsplatz zu Hause leichter steuerlich absetzbar werden. Die derzeit dafür nötigen Voraussetzungen „Mittelpunkt der Erwerbstätigkeit“ und „ausschließliche berufliche Nutzung“ sollen fallen und eine Pauschalierung angestrebt werden. Holzinger rechnet mit einer raschen Umsetzung: „Eine einfache Verordnung reicht aus.“

- Anreize für mehr Risikokapital

Gleich ein ganzes Maßnahmenbündel soll mehr privates Risikokapital aus dem In- und Ausland in die heimische Start-up-Szene spülen. Erreicht werden soll das mit De-Regulierung etwa bei der Prospektpflicht sowie steuerlichen Anreizen. So sollen Anschub- und Wachstumsfinanzierungen für innovative Start-ups bis zu 100.000 Euro steuerlich absetzbar sein. Weiters sollen auch Pensions- und Vorsorgekassen in Start-ups und KMU investieren können. „Wichtig ist, dass das Kapital im Land bleibt“, meint Holzinger. Sie hofft nun auf eine rasche Umsetzung der Maßnahmen.

Gute Stimmung

Gemäß des aktuellen Konjunkturbarometers der Jungen Wirtschaft braucht es derzeit gar keine größere Anschubhilfe. Die Stimmung ist trotz abflauender Konjunktur gut, immerhin 39 Prozent der 1.080 befragten Jungunternehmen erwarten heuer eine bessere Ertragslage, nur 17 Prozent eine Verschlechterung. Auch die Investitionsbereitschaft ist weiter auf einem hohen Niveau.

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