In vielen Dörfern fehlen Jobs und ein Nahversorger

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Foto: Bruno Klomfar/ADEG Österreichs Handels AG Viele Adeg-Kaufleute sind auch Postpartner.

Um die Absiedlung der Jungen zu stoppen, müssen die Ortskerne gestärkt werden.

Das Abendessen einkaufen, an der Kasse Bargeld abheben, das Postpackerl abholen und gleich auch noch den neuesten Dorfklatsch einholen: In vielen Gemeinden gilt der Adeg-Markt als Plattform für vieles. "Auch als sozialer Treffpunkt, vor allem dort, wo es kein Wirtshaus mehr gibt", sagt Adeg-Chefin Alexandra Draxler-Zima. Um Zahlen zum heimischen Dorfleben zu bekommen, hat Adeg gemeinsam mit dem Gemeindebund den ersten "Adeg Dorfleben-Report" entwickelt. Basis war eine Umfrage der MindTake-Marktforscher im heurigen Sommer in Gemeinden mit höchstens 5000 Einwohnern.

Natur, Ruhe, Landluft und Gemeinschaft waren die meistgenannten Vorteile des Lebens in Dörfern. Als größte Nachteile werden der Mangel an Infrastruktur, an Arbeitsplätzen, Nahversorgung und an Ausbildungsplätzen genannt. Die Konsequenz ist, dass die Abwanderung anhält. Es gibt zwar etliche kleine Gemeinden mit wachsender Bevölkerung, meist allerdings nur dort, wo Städte mit Arbeitsplätzen in der Nähe liegen. Generell ist die Zahl der jüngeren Bevölkerung in Dörfern in den vergangenen 15 Jahren überproportional zurückgegangen. "Längerfristig sind die Gemeinden aufgefordert, für Strukturen zu sorgen, die ein nachhaltiges wirtschaftliches Überleben möglich machen", sagt Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl. Der Steuerzahler werde da nicht einspringen.

Übersiedlung

Uni-Professor Peter Filzmaier, der die Umfrage-Ergebnisse interpretiert, sieht die Zukunft des ländlichen Raums als "große politische und wirtschaftliche Herausforderung". Seine Forderungen zum Thema: Auch Dörfer mit schrumpfender Bevölkerung müssten mit moderner Infrastruktur versorgt werden. Die Politik müsse für Wirtschaftswachstum in den Regionen sorgen, um die Absiedelung von Kleinstunternehmen zu bekämpfen. Dazu gehöre auch, dass Institutionen von Wien abgesiedelt und übers Land verteilt werden. Warum die Organisation, die über die Wildbachverbauung wacht, in Wien sitzen muss, ist Filzmaier ein Rätsel: "Der Donaukanal ist ja nicht gerade als Wildbach bekannt." Zudem müsse mehr gegen den Mangel an Kinderbetreuung getan werden. Und nicht zuletzt müsse es mehr Nahversorger geben. Laut Umfrage haben 19 Prozent der Jugendlichen und 21 Prozent der Frauen Probleme dabei, einen Nahversorger zu erreichen. "Da müssen die Dorfkerne gezielt gestärkt werden, sonst sind die Jungen und die Frauen weg", ist Filzmaier überzeugt.

Die selbstständigen Adeg-Kaufleute haben aktuell rund 400 Standorte. Die Adeg-Chefin hofft auf weitere.

(kurier) Erstellt am
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