In Europa wird die Butter knapp

Fresh butter
Foto: Getty Images/iStockphoto/tashka2000/istockphoto Markenbutter kostet schon knapp 2,40 Euro pro 250 Gramm.

Der Milchmarkt ist unberechenbar. Vor einem Jahr gab es zu viel Milch. Jetzt fehlt die Butter.

Bei fünf bis fünfzehn Grad Lufttemperatur fühlt sich die Kuh wohl. Doch ab 24 Grad beginnt bei den Tieren bereits der Hitzestress. Der Kreislauf wird stärker belastet und die Körpertemperatur steigt. Die Kühe fressen weniger und produzieren auch weniger Milch.

Erfahrungswerte zeigen, dass an sehr heißen Sommertagen die Milchproduktion pro Kuh um täglich bis zu 4,5 Liter geringer ist als an einem kühlen Tag. Es ist nicht schwierig auszurechnen, was das in der Praxis bedeutet. Das macht bei rund 537.000 Milchkühen an jedem heißen Tag einen Rückgang der möglichen Milchliefermenge um 2,4 Millionen Liter.

Der Preis ist heiß

Daher produzieren die Molkerein auch weniger Butter. Der Chef der schwedisch-dänischen Molkereigenossenschaft Arla, Peter Tuborgh, hat die Briten bereits vorgewarnt. Es werde gegen Jahresende, also zu Weihnachten, wohl zu wenig Butter geben.

Tuborgh rechnet fix mit weiteren Preissteigerungen. Dabei ist Butter bereits in den vergangenen Wochen deutlich teurer geworden. Die Milchbauern bekommen mehr Milchgeld. Zuletzt haben Berglandmilch und Tirol Milch erneut die Erzeugerpreise angehoben. Die Butterpreise steigen und steigen. Ein Viertelkilo Markenbutter geht derzeit für knapp unter 2,40 Euro über den Ladentisch. Europa stecke "mitten in einer Butterknappheit", lautete die Schlussfolgerung der Financial Times.

Das klingt ziemlich seltsam, zumal noch vor einem Jahr die Milchschwemme zu einem massiven Preisverfall bei den Erzeugerpreisen geführt hatte. Doch hohe Preisschwankungen in rascher Folge sind typisch für die Milchwirtschaft. Die Klimaänderungen sind nur ein Einflussfaktor von vielen.

Nach dem Auslaufen der Obergrenze für die Milchliefermengen an die Molkereien in den EU-Staaten wurde die Produktion ausgeweitet. Das strategische Ziel war die Sicherstellung von Marktanteilen. Doch Russland hat als Antwort auf die Sanktionen des Westens ein Einfuhrverbot für Agrarprodukte aus der EU verhängt. Die Überproduktion hat die Preise so tief fallen lassen, dass die Haltung von Milchkühen nicht mehr rentabel war. Daher wurde die Zahl der Nutztiere reduziert. Gleichzeitig gab es wegen der geringen Nachfrage nach Milchkühen auch weniger Jungtiere. Die fehlen jetzt.

Viel Milchpulver

Die EU hat den Bauern Prämien in Höhe von 500 Millionen Euro für eine freiwillige Senkung der Milchliefermenge angeboten. Das Angebot wurde angenommen. Außerdem wurde Milch vom Markt genommen und zu Milchpulver verarbeitet. Derzeit beträgt der Lagerbestand bei Milchpulver 358.000 Tonnen. So viel war es zuletzt vor zwanzig Jahren. Deutliche Auswirkungen haben die Schwankungen bei den Mengen der großen Exporteure von Milchprodukten. Neusseeland mit knapp 4,7 Millionen Einwohnern produziert fast so viel Milch wie Brasilien mit mehr als 200 Millionen Einwohner. Wenn in Down Under die Milchmenge nach oben oder unten schwankt, hat das direkte Auswirkungen auf die Weltmarktpreise. Ähnlich ist es auch bei den großen Importeuren. Die Einkaufspolitik Chinas verändert Preise.

Dazu kommt ein kritischerer Umgang mit Nahrungsmitteln. Immer mehr Konsumenten wollen Aufklärung über Herkunft und Inhaltsstoffe. Während jahrelang Palmöl statt tierischem Fett für die Herstellung von Lebensmitteln verwendet wurde, geht der Trend jetzt in die andere Richtung. Butter ist wieder angesagt.

(kurier) Erstellt am
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