Wirtschaft | Immobiz
13.07.2017

Wenn es zu Hause brennt

Wie kann man sich vor Feuer in den eigenen vier Wänden schützen? Welche Schäden können entstehen? Welche Brandschutzmaßnahmen sind vorgeschrieben? Welche Versicherungen gibt es? Der KURIER hat mit Experten über diese Fragen gesprochen.

Die Familie befand sich gerade im Wohnzimmer, als Hella Spendier ein unangenehmer Geruch in die Nase stieg. Schnell fand die Kärntnerin den Brandherd – durch einen elektrischen Defekt war im Keller ein Feuer ausgebrochen. Dieses konnte zwar gelöscht werden, durch die starke Rauchentwicklung musste das Haus aber grundsaniert werden und die Familie wochenlang in eine Ferienwohnung ausweichen. Eine große Belastung für die Psyche.

Schlimmer als das Feuer war der Rauch. „Wir mussten viele Erinnerungsstücke wegwerfen, auch jene in den oberen Stockwerken, weit weg vom Brandherd“, erinnert sich die Pensionistin. Mittlerweile lebt sie, gemeinsam mit ihrem Mann, wieder im Haus. Der Brandgeruch liegt noch immer leicht in der Luft. Bei Weitem kein Einzelfall. In Österreich gab es 2016 insgesamt 47.559 Brände, davon 5468 in Wohngebäuden. Doch wie kann man sich schützen? Welche Schäden können dabei entstehen? Antworten auf diese Fragen hat Werner Kloiber, Branddirektor-Stellvertreter der Berufsfeuerwehr Salzburg. „Wenn es brennt, richtet tatsächlich der Rauch den größten Schaden an. Das Feuer kann die Statik beschädigen“, sagt Kloiber. Die Rauchentwicklung hängt mit dem hohen Kunststoffanteil in modernen Räumen zusammen. „Anschließend einfach die verrußten Stellen zu übermalen funktioniert nicht. Es ist möglich, dass der gesamte Putz entfernt werden muss“, erklärt Kloiber.

Schutz vor dem Rauch bieten spezielle Brandschutztüren. Allerdings werden diese immer wieder aufgekeilt und somit deaktiviert. Im Falle eines Brandes dringt dann der Rauch ungehindert in alle Räume. Im Ernstfall sollte man daher sofort die Türe des betroffenen Zimmers schließen. „Auch wenn der Schreck groß ist, sollte man nicht einfach weglaufen. Und auch die Wohnungstüre zumachen, der Rauch dringt sonst ungehindert ins Stiegenhaus“, rät der Experte. Fast zu vernachlässigen ist hingegen das Thema Wasserschaden. „Das ist nur in seltenen Fällen ein Problem, etwa wenn der Brandherd nicht direkt erreichbar ist. Sonst wird die Wassermenge gering und gezielt eingesetzt“, sagt Kloiber. Wenn es brennt, sollte man zuerst die Feuerwehr alarmieren. „Kleine Brände kann man danach versuchen, selbst zu löschen – mit Löschdecke oder Feuerlöscher“, erklärt Kloiber. Wie verhält man sich im schlimmsten Fall, wenn der Fluchtweg abgeschnitten ist? Hier gilt: Niemals durch den Rauch rennen. Es entwickelt sich sofort ein Hustenreiz, die Augen tränen, man verliert die Orientierung und kann einen Meter vor dem rettenden Ausgang zusammenbrechen. Wenn es gar nicht anders geht: am Boden kriechen, denn der Rauch steigt nach oben. Eine andere Möglichkeit: In einem nicht betroffenen Zimmer, bei geöffnetem Fenster und geschlossener Türe, auf Hilfe warten.
Um solche Schreckensszenarien zu vermeiden, sollten Rauchwarnmelder angebracht werden. Die österreichische Gesetzeslage ist hier nicht einheitlich, vor allem nicht bei bestehenden Objekten. Bei neuen Wohnungen sieht das Österreichische Institut für Bautechnik die Anbringung von Rauchmeldern vor. Bei bestehenden ist es, etwa in Salzburg oder Wien, eine freiwillige Sache. Anders in Kärnten – per Gesetz müssen vom Gebäudeeigentümer auch in älteren Wohnungen Rauchwarnmelder installiert werden und zwar in den Aufenthaltsräumen sowie entlang der Fluchtwege. Abstell- und Sanitärräume zählen nicht dazu, ebenso wie die Küche. Grundsätzlich gilt: Ein Rauchmelder deckt einen Radius von sechs Metern ab. Alarmsysteme gibt es einige, für private Haushalte werden optische Rauchwarnmelder empfohlen. Thermische Brandmelder reagieren auf Hitze und sind in betrieblichen Küchen zu finden – können aber auch für den privaten Gebrauch gekauft werden. Einer Überprüfungspflicht unterliegen sämtliche Rauchwarnmelder im privaten Bereich nicht. Ein regelmäßiger Check wird aber empfohlen. Vorhandene Feuerlöscher müssen alle zwei Jahre überprüft werden, eine Pflicht für Feuerlöscher in herkömmlichen Wohnungen besteht nicht. Anders sieht es im Einfamilienhaus mit einer größeren Heizleistung aus, hier muss ein Feuerlöscher angebracht werden. Ebenso in jedem Stockwerk eines Mehrparteienhauses und in größeren Garagen.

Die meisten Brände entstehen übrigens in Küchen. „Der Klassiker sind angebrannte Speisen. Früher war die Kombination Zigaretten und Matratzen ein Thema, das hat sich geändert. Aktuell sind es das Kochen oder ein Defekt bei einem elektrischen Gerät“, sagt Kloiber. Sein wichtigster Tipp, um einen Brand zu vermeiden? „Achtsamkeit. Vor allem Fett beginnt sehr schnell zu brennen. Es ist auch wichtig, den Dunstabzug sauber zu halten. Und bei Elektrogeräten auf Funktionsfähigkeit und sachgemäße Reparatur achten.“ In Sachen vorbeugender Brandschutz können Häuslbauer auf eine weniger brennbare Fassadendämmung setzen, etwa Mineralwolle.
Nach dem Brand ist die finanzielle Deckung des Schadens ein Thema. „Bei Mietwohnungen ist die Versicherung im Falle eines Feuers elementar vorhanden“, erklärt Udo Weinberger, Hausverwalter und Vorstand des Österreichischen Verbands der Immobilienwirtschaft. „Bei privaten Objekten greift die Eigenheimversicherung. Auf jeden Fall sollte man überprüfen, ob ein Schutz wirklich vorhanden ist. Prinzipiell geht die Abwicklung über die Versicherung schnell, damit rasch mit der Sanierung begonnen werden kann.“