Geschafft! Martin F. vor seinem neuen Haus im Burgenland. Im März zieht er ein.

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Wirtschaft Immobiz
03/09/2019

So klappt es mit dem Hausbau: Die besten Tipps von Häuslbauern

Drei Häuslbauer verraten die wichtigsten Schritte, die häufigsten Fehler und größten Kosten beim Bau eines Einfamilienhauses.

von Barbara Nothegger

Rund 16.000 Häuslbauer errichten Jahr für Jahr quer durch Österreich ein eigenes Haus. Doch Hausbauen im Jahr 2019 ist komplex geworden: Verschärfte Bauvorschriften, gestiegene Baukosten und eine Fülle an Systemen und Materialien führen schnell zur Überforderung beim Bauherren. IMMO traf drei Häuslbauer. Sie erklären in sechs Tipps, wie ein Bauprojekt erfolgreich über die Bühne gebracht wird. So, dass Budget, Beziehung und Nerven geschont werden.

Tipp eins: Planung ist das Um und Auf

Der Burgenländer Martin F., der aus einer Handwerkerfamilie stammt, nahm sich mehr als ein Jahr Zeit, um sein Einfamilienhaus mit einer Architektin zu planen. Jedes Detail wurde im Vorhinein festgelegt. „Wir haben uns viele Fragen gestellt: Wie verstauen wir später die Ski? Wo hängen wir die Wäsche auf? Und was machen wir mit den Kinderzimmern, wenn die Kinder erwachsen geworden sind?“, sagt Martin F. Der Bau seines Hauses im Mittelburgenland dauerte zwei Jahre, Ende März zieht er mit seiner Jungfamilie ein.

Kurz vor dem Einzug: Martin F. vor seinem neuen Haus im Burgenland

Der Hintergrund ist, dass Änderungen während den Bauarbeiten wesentlich teurer sind, als in der Planungsphase. Manche Wünsche lassen sich später auch technisch nur mehr mit einem Mehraufwand erfüllen. Daher sollten Entscheidungen wie ein Pool oder ein Vordach nicht auf die Bauphase verschoben werden.

Der erste Weg für Bauherren ist daher zum Planer – etwa zu einem Architekten, Baumeister oder einem Generalunternehmer. Dieser zeichnet einen Entwurfsplan, der später ohne große Mehrkosten zum Einreichplan wird.

Tipp zwei: Kalkulieren Sie beinhart

In einem großen Excel-Sheet hat Martin F. alle Kosten notiert, die beim Hausbau auf ihn und seine Frau zukommen würden. Und zwar wirklich alles: sogar mehrere Kisten Bier für die Arbeiter. „Und am Ende sollte man fünf bis zehn Prozent aufgeschlagen für Positionen, die man nicht bedenkt wie etwa Verbrauchsmaterialien.“

Martin F. stützte sich in der Kostenrechnung teilweise auf die Angebote, die er bereits eingeholt hatte oder fragte die Preise im Großhandel nach. Was ihn überraschte: viele Anbieter gewähren hohe Rabatte. Auch Markenhersteller von Türen, Küchen und Fenstern lassen oft mehr als 20 Prozent vom ursprünglichen Preis nach. „Ich habe wirklich viel verhandelt. Wenn man nicht verhandelt, kann man davon ausgehen, keinen guten Preis zu bekommen“, sagt er. „Auch wenn es nur ein paar Hunderter sind. Am Ende summiert es sich.“

 

Vorsicht ist jedenfalls geboten, wenn Häuslbauer auf Messen sich von Anbietern eine ganze Hauskalkulation in ein paar Minuten durchrechnen lassen. Eine seriöse und valide Rechnung dauert mehrere Stunden. Bei diesen schnell errechneten Summen handelt es sich meist um eine grobe Kostenschätzung, die viel zu billig ist.

Doch auch die Einnahmenseite sollte in der Kalkulation des neuen Heims ehrlich betrachtet werden. „Man darf sich die finanzielle Situation nicht schön reden, nur weil man das Haus unbedingt will“, rät Clemens Mitterlehner von den ASB Schuldnerberatungen. „Man sollte auch ein Szenario im Kopf haben, wenn ein Einkommen ausfällt, etwa bei Arbeitslosigkeit.“

Tipp drei: Hüten Sie sich vor Pfuschern

„Nicht überall, wo Baufirma drauf steht, ist auch eine Baufirma drinnen“, sagt der Bausachverständige Günther Nussbaum (siehe Interview unten). Auch Veronika L. hat sich die Leute, die für sie arbeiten sollten, gut angesehen. Die gebürtige Vorarlbergerin baute mit ihrem Mann in Niederösterreich ein Holzhaus, das nun schon seit drei Jahren fertig und bewohnt ist. Für jeden Auftrag, der zu vergeben war – wie etwa einen Pfeilerverbau, Elektro- und Installationsarbeiten – hat sie mehrere Angebote eingeholt. „Ich habe mich mit jeder Firma getroffen, um ein Gefühl zu bekommen, wie die Leute arbeiten“, sagt sie.

 

Veronika L. vor ihrem Holzhaus in Niederösterreich

Veronika L.: „Ich habe mich mit jeder Baufirma vorher getroffen, um ein Gefühl zu bekommen, wie die Leute arbeiten.“

Experten raten, die Angebote genau zu durchleuchten und aufzupassen, dass keine Tätigkeiten darin vergessen wurden. Denn auch hier gilt: Was vorher nicht vereinbart wurde, bekommen Kunden nicht. Und wenn, dann nur zu einem höheren Preis.

Wer mit einem Fertigteilhaus-Anbieter baut, sollte das Angebot gut hinterfragen. „Die Verträge sind im Nachhinein sehr schwer aufzuschnüren“, weiß Martin Richtarz von der Energieberatung Niederösterreich. „Man sollte wissen, wie viel es kostet, wenn man vom Vertrag zurücktreten muss oder Mehrleistungen benötigt.“

Tipp vier: Finden Sie eine Vertrauensperson

Beim Bau eines Einfamilienhauses müssen gut 40.000 Entscheidungen getroffen werden. Viele der Themen gehen tief ins fachspezifische Bauhandwerk hinein – und überfordern. „Es ist oft schwierig, sich zu orientieren,“ so Richtarz. „Wichtig ist daher, unabhängige Informationen einzuholen – von Leuten und Institutionen, die einem nichts verkaufen wollen.“

Und: Häuslbauer sollten sich unbedingt mit den Grundlagen des Bauens vertraut machen und bei Fachbegriffen wie U-Wert nicht Bahnhof verstehen.

Veronika L. hatte in der Bauzeit eine andere wichtige Stütze an ihrer Seite: ihren Vater. Da dieser mehr als 40 Jahre im Holzbau in Vorarlberg gearbeitet hatte, wollte er es sich nicht nehmen lassen, seine Tochter beim Hausbau zu unterstützen. Vor allem half er bei Entscheidungen, kontrollierte die Arbeit der externen Firmen und konnte mit seinem Fachwissen einschätzen, wo schlecht gearbeitet wurde und gegebenenfalls die Mängel mit den Baufirmen besprechen.

Wer keinen sachkundigen Vater so wie Veronika L. an der Seite hat, sollte auf jeden Fall einen professionellen Baubegleiter wie einen Sachverständigen oder einen Baumeister engagieren. Laien erkennen Mängel nämlich nur schwer. So können Probleme und Streit mit Baufirmen, die sehr unangenehm werden können und viel Geld kosten, von Beginn an vermieden werden.

Tipp fünf: Überschätzen Sie ihre Fähigkeiten nicht

Die Fassade, den Innenausbau, ja sogar das Dach haben Veronika L. und ihr Vater selbst gemacht. Doch die beiden sind eine große Ausnahme: Eigenleistung macht das Heim zwar günstiger, ist aber nicht ganz einfach. Zu dieser Einsicht kam auch Ursula Röck. Die Fotografin kaufte sich mit ihrem Mann im Speckgürtel Wiens vor mehr als einem Jahr ein älteres Haus . Für sie war klar: beim Umbau will sie selbst auf der Baustelle werken. „Ich dachte mir, so kompliziert kann das nicht sein.“

 

Fotografin Ursula Röck: "Ich würde heute viel mehr von Professionisten machen lassen."

Ursula Röck in ihrem neu umgebauten Haus im Speckgürtel Wiens

Wände wurden umgerissen, das Bad eigenhändig renoviert. Doch spätestens als die Fliesen im Bad wieder herunter geschlagen werden mussten und dabei die ganze Wand zu bröseln begann, überkamen sie Zweifel. „Ich würde heute viel mehr von Professionisten machen lassen. Jeder Fehler muss ausgebessert werden, das dauert,“ sagt Ursula Röck.

Auch die Beziehung zu ihrem Mann wurde in der Bauphase auf die Probe gestellt. Ein Hausbau ist generell eine stressige Lebensphase und es bleibt wenig Zeit für andere Tätigkeiten. Dazu kommt, dass Paare sehr viel entscheiden müssen – und das birgt Konfliktpotenzial. Ursula Röck: „Wenn man keine Zeit hat, alles auszureden, muss man lernen, seinem Partner zu vertrauen, dass er die richtigen Entscheidungen trifft.“

Tipp sechs: Machen Sie nicht schlapp kurz vorm Ende

„Die letzten zwei Zentimeter entscheiden, ob man sich wohlfühlt oder nicht“, sagt Martin Richtarz von der Energieberatung Niederösterreich. „Und gerade dort fehlt am Ende die Energie.“ Die letzten zwei Zentimeter, das sind vor allem die Innenoberflächen und die Möblierung.

Martin F. würde das heute auch anders machen. Er würde sich noch früher mit dem Interieur beschäftigen. „Um die Lampen haben wir uns definitiv zu spät gekümmert. Ob sie bis zum Einzug Ende März wirklich da sind, wissen wir noch immer nicht.“