© Lyudmila Gyurova

Kolumne
05/02/2021

Mein Wohnen: Eine kleine Küchen-Zeitreise

Meine Traumküche habe ich schon lange im Kopf: Sie soll vollgepackt mit Leben und Gelächter sein.

von Nicole Zametter

Meine Großmutter stand meist in einer bunten Kleiderschürze am riesigen Herd. Es war ein gigantischer Holz-Kohle-Ofen, der die Hälfte des Raumes einnahm, das Wasser wärmte und das halbe Haus heizte. In der Küche war immer viel los, sämtliche Familienmitglieder waren auf den wenigen Quadratmetern versammelt. Ich erinnere mich an die Gerüche und die Geräusche, als wäre es gestern gewesen. Oma, die ihre langen Haare stets geflochten als Kranz um den Kopf trug, war auf ihre Arbeit konzentriert, lauschte nebenbei den Gesprächen und behielt den Überblick. Die Schnitzel und Stelzen, die sie auf dem alten Herd, teilweise über offenem Feuer briet, waren im ganzen Tal berühmt.

Heute stehe ich in meiner Küche, sie ist standardmäßig und nicht ganz so erinnerungswürdig, aber auch hier findet viel Leben statt: Jeden Abend setzt sich T. zu mir, erzählt von seinem Tag während er Gemüse schneidet und gibt mehr oder weniger scherzhaft gemeinte Kochtipps. Auch E., meine so fleißige wie neugierige Helferin, sorgt dafür, dass es beim Kochen niemals langweilig wird. Wenn wir dann gemeinsam „Oma-Suppe“ kochen (eine Karfiol-Kartoffel-Suppe nach ihrem Rezept), freue ich mich, dass auch sie irgendwann schöne Küchen-Erinnerungen haben wird.

nicole.zametter@kurier.at

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