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Interview
02/29/2020

Hans Peter Haselsteiner: "Illusion zu glauben, Immobilienpreise gingen nur bergauf"

Der Industrielle erklärt, warum er in Häuser auf dem Land investiert und für eine CO2-Steuer ist.

von Barbara Nothegger

In Mitterndorf an der Fischa im Bezirk Baden herrschte vergangene Woche reges Treiben: Politiker, Medienleute und Experten waren angereist, um das erste "Landzinshaus" zu eröffnen. Mehrheitseigentümer des Unternehmens ist der Industrielle Hans Peter Haselsteiner (Strabag, Westbahn). Ihm gehört auch der Bautechnologie-Anbieter Lukas Lang, der den Gebäudekomplex mit elf Wohneinheiten errichtetet hat.

KURIER: Herr Haselsteiner, Sie sind gerade in der TV-Show „Zwei Minuten, zwei Millionen“ zu sehen. Dort investieren Sie in Start-ups. Was hat Sie bewogen, nun in den Wohnbau einzusteigen?

Hans Peter Haselsteiner: Auch Lukas Lang ist ein Start-up, wenn auch kein ganz junges mehr. Die Idee ist ein Baukastensystem aus Holz, ähnlich wie bei Matador. Es gibt mehr als 500 Bauteile, die auf der Baustelle miteinander verbunden werden können. Dazu braucht man keine schweren Geräte, sondern es genügt einfaches Hebezeug. Dieselben Teile können auch abgebaut und woanders wieder aufgebaut werden. Die Motivation war, dass Bauen industrieller werden muss. Damit werden die Kosten entsprechend sinken.

Wie viel Prozent sind die Baukosten geringer?

Wir liegen rund zehn Prozent unter jedem Konkurrenzprodukt. Die Qualität ist aber deutlich höher. Außerdem ist der CO2-Abdruck um 50 Prozent geringer als im Betonbau. Sobald einen Preis hat, ist Lukas Lang ein unschlagbares System.

Sind Sie für die Einführung einer CO2-Steuer?

Ich halte die CO2-Steuer für unvermeidbar. Und wenn es fair abgehen soll, wird es auch eine Kontingentierung von geben müssen. Die CO2-Steuer wird einen Lenkungseffekt bringen und dazu beitragen, dass ein Bewusstseinswandel stattfindet. Den Menschen muss klar gemacht werden – und zwar viel stärker als es jetzt der Fall ist – dass der CO2-Ausstoß uns allen schadet. Und erst dann wird die Bereitschaft entstehen darüber nachzudenken, wie man seinen persönlichen CO2-Ausstoß verringern kann.

Wie schaffen Sie es selbst, in Ihrem Leben einzusparen?

Ich habe ein sehr schlechtes Gewissen – vor allem was das Fliegen angeht. Ich versuche, nur selten den Jet zu benutzen und stattdessen öfter mit einer einmotorigen Turboprop Pilatus zu fliegen. Ich gebe zu: Mein CO2-Abdruck ist eine Katastrophe im Vergleich zu einem durchschnittlichen Verbraucher. Ich hoffe, dass wir ein System finden werden, bei dem man anderen Menschen ihre CO2-Kontingente abkaufen kann. Das wird mir ein wenig helfen.

Wie groß soll das Unternehmen Lukas Lang werden? Wird es jemals dem lange von Ihnen geführten Baukonzern Strabag Konkurrenz machen können?

Es wird für beide Platz genug sein. Lukas Lang soll jedenfalls so groß wie möglich werden. Zugegeben, das Baukastensystem ist eine Frage der Menge. Die große Nachfrage wird daher in Ländern liegen, wo es viel Holz gibt und die Nachfrage nach leistbarem Wohnen hoch ist. Insofern sind wir ein potenzieller Mitbewerber für Containerbauten.

Schreibt Lukas Lang Gewinne?

Wenn man alle Vorkosten mitrechnet, dann sind wir noch weit weg vom Break-even. Wenn man das einzelne Projekt betrachtet, dann erzielen wir bescheidene Gewinne.

Sie investieren derzeit auch sehr viel in den Immobilienentwickler Landzinshaus. Es sind viele neue Projekte in Niederösterreich, Burgenland und Oberösterreich geplant. Was ist daran so attraktiv?

Menschen wohnen gerne auf dem Land. Dieser Trend ist schon seit Jahrzehnten erkennbar. Früher war es ein wenig leichter, weil die Grundpreise bescheidener waren. Das ist vorbei, weil auch die Grundpreise auf dem Land sehr hoch geworden sind. Für uns sind daher sowohl Miet-, Anlage- und Eigentumsprojekte von großem Interesse.

Die Landzinshäuser werden an Investoren weiterverkauft. Wo liegen die Renditen?

Die Renditen sind bescheiden. Wenn wir für die Investoren Renditen zusammenbringen, die die Fünf-Prozent-Grenze erreichen, dann sind wir schon doppelt so hoch wie Immobilienrenditen, die heute am Markt üblich sind.

Bleiben Sie selbst auch investiert?

Ja, bis zu einem gewissen Grad.

Ganz generell fließt derzeit sehr viel Geld in den Immobilienmarkt. Sehen Sie auch Risiken in dieser Entwicklung?

Es ist eine Illusion zu glauben, die Immobilienpreise gingen immer nur bergauf.

Sie rechnen damit, dass die Preise sinken?

Ich glaube zumindest, dass sie stagnieren und nicht mehr nach oben gehen. Allerdings glaube ich auch, dass die Renditen auf die neuen Preise höher werden und nicht so sehr, dass die Mietpreise dramatisch sinken. Vor allem bei Immobilien in mittleren Lagen trifft das zu. Dort sind die Preise sehr hoch geworden, ohne dass sie diese Top-Qualität haben. Für das Landzinshaus sehe ich aber keine Gefahr, weil die Projekte ein hochklassiges Preis-Leistungsverhältnis haben.

Welche anderen Segmente des Immobilienmarkts interessieren Sie als Investor noch?

Ich begnüge mich mit meiner Rolle als Gesellschafter der Signa-Gruppe. Damit sind meine Bedürfnisse an Immobilien-Investments abgedeckt.

Was ist spannender: Start-ups oder Immobilien?

Die Vielfalt der Start-ups hat zweifelsohne ihre Reize. Aber ich halte mich auch an die bekannten Sprüche: „Setze nicht alles auf eine Karte“ und „Schuster bleib bei deinen Leisten“.

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