Wirtschaft | Immobiz
05.12.2011

Frühlingserwachen am Wiener Büromarkt

Am 8. März steigt die weltgrößte Immobilienmesse in Cannes. Der KURIER zeigt vorab, mit welchen Bürobauten die Unternehmen punkten wollen.

Inge Bacovsky geht es eigentlich viel zu langsam. Die Wirtschaftskrise scheint vorüber, vorsichtig regt sich bei den Firmen wieder der Wunsch nach Expansion - und damit mehr Bürofläche. "Ich hätte mir gewünscht, dass wir schon früher zu bauen beginnen", erzählt sie. Bacovsky ist Vermietungs-Chefin beim Wiener Bürostandort Euro Plaza am Wienerberg. Im Sommer erfolgt dort der Baustart für Bauphase 5 - das wohl größte Büroprojekt Österreichs in diesem Jahr. 35.000 Quadratmeter Büro lässt die Kapsch-Gruppe dort bis 2012 errichten. Obwohl Bacovsky noch keinen Großmieter an Land gezogen hat, ist sie recht zuversichtlich: "Ich hoffe, dass wir 2014 bereits mit Phase 6 beginnen."

Nicht nur am Wienerberg wird bald heftig gebaut: Mit Space2Move errichtet die Raiffeisen-Gruppe in der 1. Bauphase 26.000 Quadratmeter in Niedrigstenergiebauweise am Standort Wien Heiligenstadt.

In der Lasallestraße ( Wien 2) wächst das Projekt Green Worx in die Höhe. Viel tut sich in 1030 Wien: Mit Marxbox und Media Quarter Marx soll bald Leben am Areal des ehemaligen Schlachthofes einziehen. 20.000 Quadratmeter groß wird die nächste Bauphase beim Projekt Town Town. Gebaut wird auch am Zentralbahnhof. Am Westbahnhof werden noch heuer die Büros der Bahnhof-City eröffnet.

Neue Zuversicht

Es gibt also doch einige Objekte, die Österreichs Errichter bei der MIPIM, der weltgrößten Immobilienmesse in Cannes, heuer herzuzeigen haben. "Die fetten Jahre wie 2004 bis 2006 sind zwar vorbei, aber wir erwarten heuer doch rund 180.000 Quadratmeter Neubauleistung", erklärt Michael Ehlmaier, Chef des größten heimischen Büromaklers EHL. Mit Jahresbeginn hätte auch das Interesse der Mieter wieder deutlich angezogen - wenngleich viele eher suchen würden, um Kosten zu optimieren. Für die kommende Zeit ist er aber zuversichtlich: "Wir gehen davon aus, dass 2012/13 wieder mehr Neubauprojekte kommen werden, weil auch die Investoren mehr Projekte nachfragen."

Einer davon ist Herbert Logar. Er ist Co-Chef von Österreichs größtem Immobilienfonds, dem Bank Austria Real Invest. "Die Investoren kommen wieder", beobachtet er. Er selbst arbeitet gerade an einem 75 Mio. Euro schweren Bürohaus-Deal in Wien. "Das wird heuer wohl der einzige in dieser Dimension sein." Auch das Interesse an Osteuropa kehre nun zurück, weshalb er auch an einem geschlossenen Osteuropa-Fonds plant. Die Zahl der großen neuen Büroprojekte in Wien schätzt er heuer auf rund 20.

Baugenehmigt wären weit mehr: In der Dresdner Straße, in Erdberg oder am Handelskai harren Projekte weiter auf Interesse, hört man. Der Frühling am Immo-Markt hat also noch nicht alle Bürohaus-Träume aus dem Krisenschlaf geholt.

Großauftrag aus Minsk

Das heimische Architekturbüro Moser freut sich über einen Großauftrag aus Weißrussland: Für das Zentrum von Minsk planen die Wiener Ziviltechniker Zwillingstürme, die ein 4*-Hotel, 20.000 Bürofläche, eine Gastroebene sowie ein Konferenzzentrum enthalten sollen. "Mit 165 Metern entwickeln wir das mit Abstand höchste Gebäude Weißrusslands", freut sich Architekt Marius Moser. Die Errichtungskosten liegen bei 200 Mio. Euro, Ende 2014 soll es bezugsfertig sein.

Auch in Österreich konnte das 100 Mitarbeiter zählende Büro zuletzt einige Großprojekte an Land ziehen: Laut Co-Chef Josef Moser plant man etwa an Spitälern in Baden, Mödling oder Wr. Neustadt und zeichnet auch für die Uni Tulln verantwortlich. In einer Arbeitsgemeinschaft rittert man um das Baufeld B02 am Wiener Hauptbahnhof, wo unter anderem ein Hotelprojekt entstehen soll.