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Wirtschaft | Immobiz
06/11/2019

Expertentipps zum Thema Grill, Glut und Garzeit

Holzkohle- oder Gasgrill? Experten klären über Zubehör, die perfekte Glut und Grilltrends auf.

Es ist keine Frage des guten Geschmacks – zumindest nicht mehr. Erwiesen ist: Auf Holzkohle-, Gas- oder Elektrogrill zubereitetes Essen schmeckt gleich (gut). Lukas Aumair, Inhaber des Geschäfts Grillamt, klärt auf: „Kohle hat keinen Eigengeschmack, das Einzige, das Geschmack erzeuge, sei Räucherwerk und das kann zugekauft werden.“ Die drei wesentlichen Fragen, die bei der Grill-Auswahl gestellt werden müssen, sind also rein praktischer Natur: Wie viel Erfahrung bringen die Grillmeister mit? Wie viel Zeit wollen sie investieren? Wo wird gegrillt?

Die richtige Hitze

Für Anfänger eigenen sich Gas- und Elektrogriller am besten. „Beide Grillarten bieten perfekte Hitzeverteilung“, erklärt Philipp Holz vom Grillgeschäft Gartenerlebniswelt. Außerdem können Temperaturen von 350 bis 400 Grad Celsius (Anm. ideal für das perfekte Steak) schnell erreicht werden. „Spontane Griller, Familienväter und -mütter schätzen den praktischen Gasgrill“, sagt Holz.

Bei Kohle auf Qualität achten

Traditionelle Kohlegriller seien trotzdem nach wie vor für viele Grillmeister das einzig Wahre. Der Weg zur perfekten Glut ist aber – Anzünderkamin sei Dank – kein großer Aufwand mehr. Dabei wird die Kohle mit 2 bis 3 Anzündwürfeln für 15 Minuten in den zylinderförmigen Anzündkamin gegeben und gleich im Grill platziert. Lukas Aumair: „Sobald die obere Kohle Asche ansetzt, kann die Glut in den Grill gekippt werden.“ Der Fachmann empfiehlt, auf gute Qualität zu achten, da minderwertige Kohle die gewünschte Hitze nicht erreicht.

Preisliche Unterschiede

Schlussendlich ist auch das Einsatzgebiet des Grills entscheidend. „Im urbanen Raum ist die elektrische Variante besonders beliebt, weil sie auch in Wohnungen und auf Balkonen problemlos verwendet werden kann“, weiß Aumair. Preislich liegen die Grill-Varianten weit auseinander. Ein qualitativ hochwertiger Gasgrill beginnt laut Aumair bei 500 Euro, ein hochwertiger Elektrogrill ist hingegen schon ab 300 Euro zu haben. Die günstigste Variante ist definitiv der Holzkohlegrill mit 150 Euro – dafür sind hier auch am meisten Vorkenntnisse gefragt.

Wichtiges Zubehör

Umso wichtiger ist gutes Zubehör. Zu den Basics zählen neben dem Anzündkamin auch Grillzange und -Bürste. Denn vor dem Brutzeln muss geputzt werden. Dafür wird der Grill am besten auf rund 300 Grad angeheizt und die Rückstände vom Grillrost gebürstet. Chemische Reinigungsmittel sind nicht nötig – Hersteller raten sogar davon ab.

Feuerplatten

Für die perfekte Gartemperatur empfiehlt Aumair „Sear Grate“, einen gusseisernen Einsatz, der die Temperatur speichert. Sehr beliebt sei auch das Braten auf Feuerplatten aus Eisen oder Porzellan. „Aluminiumpfannen finden immer weniger Verwendung, da sie beim Erhitzen giftige Stoffe abgeben und dadurch gesundheitsschädlich sind“, weiß Aumair.

Pizzasteine

Neben traditionellen Grillgerichten wie Fleisch, Würstl, Maiskolben, Kartoffeln und Gemüse, verändert zudem ein mediterraner Trend die hiesige Grillkultur. „Pizzasteine sind extrem gefragt“, so der Fachmann. Sie werden auf den Rost gelegt und dort durch die indirekte Hitze der Glut erwärmt. So entsteht ein knuspriger Pizzateig und ein komplett neues Grillerlebnis. Der Grillparty steht damit nichts mehr im Weg.

Fünf Tipps für eine sichere Grillsaison

Mathias Seyfert vom Österreichischen Bundesfeuerwehrverband mit Sicherheitsregeln fürs Grillen. Offenes Feuer, große Hitze oder Gasflaschen erfordern richtige Handhabung. Der Experte erklärt, wie es geht.

Der richtige Standort

Bevor mit dem Grillen überhaupt begonnen werden kann, muss der richtige Standort ausgewählt werden. Dieser sollte einerseits einen stabilen Untergrund bieten und andererseits nicht den Nachbarsgarten oder den eigenen Wohnraum verrauchen. Die Feuerwehr rät, genügend Abstand zu Hecke, Bäumen, Grundstücksgrenze und auch zum eigenen Haus einzuhalten. Kinder und Haustiere sind vom Griller unbedingt fernzuhalten. Auf Balkonen und Terrassen zu grillen birgt durch die engen Platzverhältnisse und die Nähe zum Wohnhaus noch mehr Gefahren. Hier sind zudem regionale Vorschriften und die Regeln aus Mietvertrag oder Hausordnung zu beachten.

 Löschhilfe

Bevor der Griller angeheizt wird, sollte ein Wasserschlauch, ein Feuerlöscher oder ein Wasserkübel bereitstehen. „Ist das Gras trocken, genügt ein Funkenflug. In Kombination mit einem Windstoß kann sehr schnell ein Flurbrand entstehen“, erklärt Seyfert. In diesen Fällen sei sofort die Feuerwehr (122) zu verständigen. Das Entzünden von Grill- oder Lagerfeuern in der freien Natur, besonders im Wald, ist fast überall in Österreich verboten – fragen Sie zuvor unbedingt bei Stadt, Gemeinde oder Bezirkshauptmannschaft nach erlaubten Grillplätzen und -zeiten.

Kein Brandbeschleuniger

„Jedes Jahr kommt es zu schweren Verletzungen, weil mit flüssigem Spiritus oder Brandbeschleuniger nachgeholfen wird“, sagt Seyfert. Die Stichflamme werde meist unterschätzt. Die perfekte Glut braucht Zeit und der Griller Geduld. Das sollte vor der angepeilten Essenszeit eingeplant werden. Statt Spiritus rät der Feuerwehrmann zu einem Anzündkamin, der die Kohle schnell erhitzt.

Lebensgefahr beim Indoorgrillen

Griller in geschlossenen Räumen, Garagen oder Zelten anzuheizen ist lebensgefährlich“, warnt die Feuerwehr eindringlich. Dabei entstehe Kohlenmonoxid, das unsichtbar sowie geruchs- und geschmacksneutral ist. Der Feuerwehrmann: „Die Menschen erleiden eine CO-Vergiftung, ohne es zu bemerken. Sie werden ohnmächtig, die Atmung setzt aus und der Tod tritt ein.“

 Gasgriller

Gasflaschen gelten als besondere Gefahrenquellen. Sie dürfen nicht geworfen, gestoßen oder liegend gerollt werden. Außerdem sollten sie nur mit aufgeschraubter Ventilschutzkappe im Schatten gelagert werden. Sollte während des Grillens ein Feuer an der Gasflasche entstehen, versuchen Sie den Gashahn mit einem Handschuh abzudrehen.