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21.12.2012
12/08/2012

Ein Schutzkeller zum Weltuntergang

Gasexplosion, Atomreaktorunfall, feindlicher Angriff: Ein Bunker soll schützen – ab 13.000 Euro ist man dabei. Wir haben mit einem Hersteller gesprochen.

D ie Auftragslage ist gut, Karl Hillinger und seine Leute haben alle Hände voll zu tun. Zwar kommt in keinem österreichischen Bundesland mehr die so genannte Schutzraumverordnung zum Tragen (früher war man beim Bau eines Einfamilienhauses verpflichtet, einen Schutzraum zu errichten) – dafür ist jetzt das freiwillige Interesse groß. „Es gibt genug Privatkunden, die sich so etwas wünschen“, sagt Hillinger. „Dass etwas passieren könnte, sieht man ja rundherum. Denken Sie nur an Fukushima.“

Angeblich naht der Weltuntergang. Laut Maya-Kalender am 21. 12. 2012. Im französischen Dorf Bugarach fürchtet man sich schon vor Hunderttausenden Esoterik-Freaks, die hier unterkommen wollen. Das 189 Einwohner starke Kaff im Südwesten Frankreichs soll am Tag der Apokalypse der sicherste Ort der Welt sein – behaupten Fanatiker. Der Bürgermeister hat Paris bereits entnervt um Unterstützung gebeten.
Und Hillinger selbst, fürchtet er sich vor der großen Katastrophe? „Da wird wohl nichts passieren“, sagt er.

Warum braucht man das dann überhaupt, einen Bunker? „Grundsätzlich kann natürlich genug vorkommen“, betont er. „Ich hoffe es zwar nicht, aber so ein Raum ist wie eine Versicherung.“

Seine Firma bietet fertige Pakete mit dehydrierten Lebensmitteln an, die sich jahrelang in einem Keller halten. „Jetzt, in der Euro- und Wirtschaftskrise, wird auch das vermehrt gekauft.“

Ältere Mitbürger werden allein beim Erwähnen des Wortes an frühere Kriegszeiten erinnert. Heute muss die Ausstattung eines Bunkers allerdings festgesetzten Standards entsprechen. Also mehr als bombensicher sein. Wichtig ist hier vor allem die Lüftungsanlage. Hillinger dazu: „Durch ein Filtersystem bekommen Sie selbst bei einem Gasangriff oder bei einem Strahlenunfall gereinigte Luft nach innen.“

Wichtig ist auch, zwischen einem neu gebauten Bunker im Zuge der Errichtung eines Hauses und der Adaptierung eines bestehenden Kellers zu unterscheiden. Bei einem bestehenden Haus ist die Umrüstung auf einen Schutzkeller schwierig bis gar unmöglich. „Die Stahlbetonwände nachträglich zu errichten, wird kaum gehen“, so Hillinger.

Von Hysterie und Weltverschwörungstheorien hält Hillinger nichts. „Man muss die Kirche im Dorf lassen, das sehen auch meine Kunden so.“
Den Markt der Schwarzseher bedienen ohnehin genügend andere – man braucht sich nur im Internet umzusehen: So gibt es zum Beispiel eine tausendfach angeklickte (anonyme) Website, die zum illegalen Bau eines Bunkers auf freiem Feld rät und Bauanleitungen gibt.

Laden Sie starke Skeptiker nicht mehr ein. Finden Sie heraus, wer wirklich mit anpacken will und wer nicht. – Melden Sie auf keinen Fall Ihr Bauvorhaben bei der Stadt an. Geheimhaltung ist das A und O. – Gehen Sie so lange arbeiten wie möglich, um sich alles für „danach“ zu kaufen.

Wie man sieht: Der Weltuntergang ist für viele eine Plattform, für manche ein gutes Geschäft und für Ängstliche ein guter Vorwand.

Aber wie heißt es doch so schön? Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben.

 

„Wir sind Realisten“

Das 90-Tage-Paket mit Fleisch enthält je fünf Portionen „Rindfleischtopf Försterin“ und „Ungarntopf“, sowie Boeuf Stroganoff, Huhn in Curry, „Kartoffeltopf Gärtnerin“ und Chilli con Carne zu je sechs Portionen. Damit kann man eine Weile auskommen – wenn es sein muss. Denn: Die Gerichte sind nicht als g’schmackige Chef-Menüs verpackt, sondern als dehydrierte Nahrung in Dosen, die in diesem Zustand dafür auch 15 bis 20 Jahre lang hält.

Verkauft werden die Überlebenspakete (es gibt auch Einzelgerichte und Notrationen für Reisen in Krisengebiete) von Karl Hillinger, dessen Firma SEBA mit Sitz in Gmunden auch Schutzanzüge, Strahlenmessgeräte und Trockenaborte anbietet – sich vor allem aber auf die Planung und den Verkauf der Technik von Schutzräumen spezialisiert hat.

Herr Hillinger, wodurch unterscheidet sich denn ein Schutzraum von einem normalen Keller?

Ersterer hat Wände aus Stahlbeton, dazu brauche ich eine entsprechende Be- und Entlüftungsanlage und eine gasdichte und brandbeständige Schutzraumtüre. Außerdem brauche ich eine gewisse Größe. Pro Person rechnet man mit einem Quadratmeter plus Nebenflächen. Die Mindestgröße bei so etwas beträgt allerdings 14,5 Quadratmeter, da passen dann zehn Personen hinein.

Was kostet mich ein neu gebauter Schutzraum?

Ohne Betonarbeiten müssen sie mit rund 10.000 Euro rechnen, da ist dann die ganze Technik und Einrichtung dabei. Die Betonarbeiten werden dann wohl noch einmal so zwischen 3000 und 4000 Euro kosten.

Was werden Sie am 21. 12. tun?

Wir sind hier Realisten: Die Welt wird nicht untergehen und wenn doch, dann ist die Sache erledigt und wir merken es nicht mehr. Mein Schutzkeller ist auch mein Weinkeller. Zur Not hätte ich also noch mehrere Hundert Flaschen zu trinken.

www.seba.at

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