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19.06.2018

Die ungebetenen Gäste im Garten

Menschen ducken sich, fuchteln mit den Händen herum, quieken. Klingt nach einem Angriff, ist aber nur eine Grillparty.

Dieses Naturspektakel sieht vielleicht amüsant aus, der Boden- und Luftangriff ist aber weder für die menschliche noch für die tierische Partei angenehm. Unser Vorgehen dagegen gravierend. „Wir haben in den vergangenen 30 Jahren bis zu 82 Prozent der Biomasse selbst in Naturschutzgebieten verloren. Dieser Rückgang ist beängstigend. Wir sind am besten Weg, uns Schritt für Schritt von unseren Mitgeschöpfen zu befreien. Sowohl die Anzahl als auch die Insekten-Arten werden weniger, aber auch der Mensch wird darunter leiden. Es ist eine katastrophale Entwicklung“, warnt Entomologe Fritz Gusenleitner vom oberösterreichischen Landesmuseum. Ungestörte Outdoor-Aktivitäten verlangen daher kluge Vorgehensweisen, die unsere Insektenvielfalt schonen. Und die gibt es. Hier die kategorische Einteilung.

Wespen mögen Eiweiß

Um sie fernzuhalten, müssen Essensreste unmittelbar nach dem Konsum entfernt werden. „Ein Platz ohne zuckerhaltige Substanzen oder tierisches Eiweiß, mit dem sie ihre Nachkommen ernähren, ist für Wespen unattraktiv“, sagt Gusenleitner. Zwingende Voraussetzung: Lebensmittel abdecken, Getränke auch. Oder mit dem Strohhalm trinken, wie Harald Brugger, Ökotoxikologe von er Umweltberatung, untermauert. Kleinkindern sollte nach dem Essen Mund und Hände abgewischt werden. Präventiv würde zusätzlich das regelmäßige Beseitigen von Fallobst Wespen fernhalten. Für dauerhaften Schutz sorge zudem eine Wespennest-Attrappe beim Essplatz im Garten.

 

Und die Bienen? Im Gegensatz zu Wespen haben Bienen einen guten Ruf. Zwar erbringen alle Insekten eine Bestäubungsleistung– auch nachtaktive – doch nur Bienen scheint dafür gedankt zu werden. Sie produzieren auch Honig, Wachs und Propolis – das gefällt! Dem ebenfalls alarmierenden Bienensterben wollen daher viele aktiv entgegenwirken. „Der Mensch kann ihnen den nötigen Lebensraum und Nisthilfen zur Verfügung stellen und sogenannte Insektenhotels anlegen, die es zum Kaufen oder Selbermachen gibt. Auch am Balkon. Dort helfen zudem Küchenkräuter wie Petersilie, Thymian oder Basilikum“, rät Gusenleitner.

Gelsen und Mücken brauchen Wasser

Ihre Brutstätte sind stehende Gewässer, Teiche aber nicht. Hier vermehren sich nämlich auch Tiere, die Gelsenlarven fressen, weiß Brugger. Wer aber eine Regentonne im Garten hat, schafft ein Zuchtparadies. „In diesem Fall sollte man die Tonne abdecken oder einen feinmaschigen Strumpf darüber stülpen“, rät Gusenleitner. Damit der Innenbereich geschützt ist, sei es ratsam, ein Gelsengitter oder eine Mücken-Rollo anzubringen. Auf keinen Fall aber Gelsenstecker. „Der ist praktisch, enthält aber bedenkliche Gifte, die auch auf den Menschen Auswirkungen haben. Denn: Alles, was Insekten tötet, schädigt über lange Zeit auch Menschen“, berichtet der Entomologe.

Von UV-Leuchten mit Hochspannungsgitter, sogenannte Insektengrills, rät die Umweltberatung ebenfalls ab. Laut einer Untersuchung sind nur etwa 1,4 Prozent der gefangenen Insekten weibliche Gelsen. „Dagegen wird eine große Menge an harmlosen Insekten, wie Nachtfalter, unselektiv getötet“, warnt Brugger. Hilfreich sei vielmehr helle, langärmelige Kleidung. Ätherische Öle in Bioqualität von Lavendel, Sandelholz, Eukalyptus, Salbei oder Katzenminze würden, mit Körperlotion vermischt, chemisch-synthetische Repellents ersetzen. Diese sind sparsam auf ungeschützte Körperpartien aufzutragen. Bei Schwangeren, Kleinkindern und Säuglingen reichen nur einige Tropfen auf der Kleidung.

Die Krabbeltiere

Spinnen, Käfer und Kohorten lassen sich nicht gänzlich vermeiden. Es können nur die Zugänge zur Wohnung weitestgehend blockiert werden, so dass die Krabbeltiere draußen bleiben müssen . Laut Gusenleitner gilt eine Faustregel: „Wir müssen unsere Logik einsetzen, damit wir geschützt sind, aber auch den Lebewesen nicht schaden“.