Einsame Spitze

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Foto: CHRISTOPH SCHöCH

Höher geht keine. In sechs Minuten schwebt die neue Wildspitzbahn auf 3440 Meter. Ganz oben, im „Café 3440“, strahlt das weiße Alpenpanorama.

Vor der Terrasse geht es zehn Meter nach unten. Steht man aber ganz vorne an der freischwebenden Veranda, ist das Gefälle angesichts der Kulisse schnell vergessen: Dreitausender so weit das Auge reicht. Mittendrin die Wildspitze, mit 3447 Metern der höchste Berg Tirols. In dieser überwältigenden Landschaft hat das Vorarlberger Architekturbüro Baumschlager Hutter Partners eine neue Hightech-Bahn gebaut, die auf den Gipfel des Hinteren Brunnenkogels 3440 Meter über dem Meer führt. In der Bergstation ist auch das landesweit höchstgelegene Café integriert – mit WLAN, einer hauseigenen Konditorei und einem uneingeschränkten Blick auf die Gletscher der Ostalpen.

… Foto: CHRISTOPH SCHöCH Die Vorgängerin aus den 1980er-Jahren, die Pitz-Panoramabahn, war technisch überholt und die Betreiber entschlossen sich, eine neue Bahn zu errichten. 61 moderne Gondeln befördern nun jeweils acht Personen auf den Gletscher. Knapp sechs Minuten dauert die Fahrt von der 600 Meter tiefer liegenden Mittelstation.

Ein Gebäude hat es zuvor nicht gegeben: „Nur ein kleines, beheiztes Stationshäuschen für das Personal“, so Oliver Baldauf, der das Projekt geleitet hat. Gemeinsam mit seinem Team hat er die geschwungene Konstruktion ausgetüftelt, die an einen festgewachsenen Baumpilz erinnert: „Wir wollten eine Form finden, die in der Berg- und Schneelandschaft kein Fremdkörper ist. Die organische Form ist eine Analogie zu den Hügeln und Schneeverwehungen“, sagt Baldauf.

Gebaut wurde mit Metall. Das Dach und die Unterseite der Terrasse sind mit zig Alupaneelen verkleidet. Die Materialwahl lässt sich auf die exponierte Lage zurückführen. „Stahl und Alu können zu einem hohen Grad vorgefertigt werden. Das ermöglicht eine kurze Bauzeit. Außerdem spielt das Gewicht eine Rolle. Je leichter die Teile, desto einfacher lassen sie sich auf den Berg transportieren“, so Baldauf. Die Arbeitsbedingungen in dieser Höhe waren vor allem aber eine logistische Herausforderung. Auf dem schmalen Baufeld gab es kaum Lagerplatz für das Material. Ein minutiöser Plan für die Benutzung der Seilbahn musste erstellt werden und heftige Stürme hatten die Arbeiten immer wieder verzögert. „Planen muss man trotzdem, auch wenn sich das Wetter nicht kalkulieren lässt“, so der Architekt.

… Foto: CHRISTOPH SCHöCH Ewiges Eis und Gletscherspalten: „Die Natur ist hier absolut überwältigend“, sagt Baldauf. Um diesen Eindruck auch den Besuchern zu gewähren, entwickelten die Architekten eine spezielle Glasfront. Gekrümmte Scheiben aus Verbundglas werden durch ein Profil am Boden aufrecht gehalten. Keine Verbindung oder Halterung schiebt sich ins Blickfeld. Baldauf: „Es ist, als ob man durch ein Schaufenster auf das Panorama blickt. Man spürt die Wärme der Sonnenstrahlen, aber keine Kälte und keinen Wind.“ Und während die Natur jenseits der Glasfront ein Schauspiel der Superlative liefert, schützt ein großes Vordach vor Regen oder Schnee, beim Kaffee.

(kurier) Erstellt am
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