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„Der Teppich muss mit dem Vorhang sprechen“

Warum der Möbelkatalog beim Einrichten oft in die Irre führt und man das große Ganze im Blick haben sollte, verrät eine Wiener Interior-Designerin.
Farbenfrohes Mobiliar in einer Wohnung in rosa, Rot und Türkis.

Nicht nur schön wohnen zu wollen, sondern eine Einrichtung zu finden, die zu einem passt, ist oft gar nicht so einfach. In dieser Situation lassen sich viele Menschen von Hochglanzkatalogen beeinflussen. „Der Möbelkatalog ist für alle gemacht, wir wollen aber individuell leben“, bringt es die Wiener Interior-Designerin Nina Hausott-Eppinger auf den Punkt. Oft sei es eine Überwindung, die Räume nicht für Besucher zu gestalten, sondern nach den eigenen Bedürfnissen.

„Es geht darum, wie sich der Kunde fühlen möchte, was die Räume emotional bieten sollen.“ Einen Rückzugsort, Sicherheit, einen Ort, der einen zur Ruhe kommen lässt. „Etwa, wenn ich gerne eine blaue Couch haben will, weil sie mich an den Urlaub in Griechenland erinnert.“

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Nina Hausott-Eppinger ist seit mehr als zehn Jahren Interior-Designerin in Wien.

Ihre Herangehensweise beschreibt die Interior-Designerin so: „Ich muss mich in Kunden hineinspüren durch längere Kennenlernphasen. Wir gehen gemeinsam etwas essen oder trinken. Bei der gemeinsamen Begehung des Objekts wird klar: das funktioniert – und das funktioniert nicht – etwa wenn das Sofa nicht glücklich macht.“ Oft gehe es dabei nicht um das einzelne Möbelstück, „sondern der Teppich muss mit dem Vorhang sprechen“, wie Hausott-Eppinger es formuliert. Man sollte das große Ganze im Auge haben – oder auch nicht, denn manchmal gehe es darum, die Harmonie zu brechen.

Beim Erarbeiten der Raumgestaltung sei nicht immer alles gleich von Beginn an klar. „Kunden müssen auch Muster angreifen oder barfuß am Teppich stehen“, nennt die Interior-Designerin Beispiele, die bei Entscheidungen für Materialien helfen können. Grundsätzlich mache es Sinn, in die Grundausstattung zu investieren, etwa in Bodenbeläge und das Badezimmer. Die Möblierung hingegen könne auch später gegen eine hochwertigere ausgetauscht werden.

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Einladend gestalteter Wohnbereich in zarten Farben. 

Mut zur farbenfrohen Ausstattung

Wie gelingt es, starke Farben schmackhaft zu machen? „Beim Thema Farbe muss man beim Kennenlernen schauen, ob es passt. Viele Kunden werden mit der Zeit mutiger“, so die Expertin. Das könne man von der Mode ableiten: Jemand, der gerne Grau oder Beige trägt, sollte stattdessen Muster und Materialien mixen, um so für Abwechslung zu sorgen. Je mehr Farben kombiniert werden, desto eher müsse man Muster einholen, damit diese harmonieren. „Der Knopf vom Pouf muss zu jenem vom Polster passen.“

Die Interior-Designern arbeitet mit unterschiedlichen Bezugsquellen. „Für ein spezielles Stück habe ich viele Händler in Wien, die ich anfragen kann. Ich besuche auch viele Messen, ein Fixstarter ist der Salone in Mailand. Ich habe immer eine Liste für die aktuellen Projekte dabei.“ Und sie fotografiere alles, was sie einmal brauchen könnte. „Da kann ich auch vier Jahre zurückschauen für das Stück eines griechischen Händlers“, nennt sie ein Beispiel. Sie denke in Bildern.

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Ankleide in einem ansprechenden Rosa-Ton

Oberflächen, die zu Bewohnern passen

Gleichzeitig hat sie viele Stoffe, Muster, Fliesen und Hölzer vorrätig. Für die passende Auswahl kommt es darauf an, wie der jeweilige Kunde auf Oberflächen aufpasst. Muss ein Stoff regelmäßig waschbar sein, dann müsse das Material anders beschaffen sein. „Die Oberflächenbeschaffenheit muss meinem Alltag entsprechen“, betont die Expertin. Ein Waschtisch aus geöltem Holz sei für Personen, die gut darauf aufpassen. Für Haushalte mit Kindern gibt es weniger empfindliche Varianten, dünn lackiertes Holz oder eine Steinplatte.

Auch daran, wie man in einem Raum Ordnung halten kann, sollte man bereits bei der Gestaltung bedenken – und es sich nicht künstlich schwer machen. Als Beispiel nennt Hausott-Eppinger den Eingangsbereich: ausschließlich offener Stauraum ist im Alltag optisch oft eine Herausforderung.

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Kinderzimmer mit zwei Betten, darunter ausziehbare Kästen und Laden: der Stauraum ist gut genutzt

Hier sollte man auf Schränke und Kommoden setzen. Im Kinderzimmer sind Körbe eine Geheimwaffe, um Spielzeug schnell zu verstauen. Wie man Stauraum schafft, wo keiner ist? “In einem Kinderzimmer habe ich die Betten höher gebaut, damit sich darunter der Kleiderschrank herausziehen lässt." Jeden Millimeter Stauraum müsse man nützen, etwa eine ungenutzte Nische für die Waschmaschine, die mit einer Türe davor verborgen wird.

Zu 99 Prozent setzt Hausott-Eppinger Projekte um, bei denen sie alles von Grund auf neu macht. Dabei geht es zum Beispiel um das Thema Licht: “Dabei sehe ich mir an, wo natürliches Licht ist. Je nachdem denkt man den Grundriss neu. Freilich kann man auch mit Tricks Licht hereinbringen, wo keines ist: einen Wandauslass schummeln, die Beleuchtung über eine Wand gegenspiegeln. Bei der nötigen Technik achtet sie auf Lifestyle-Trends. „Viele Menschen arbeiten nun vermehrt zuhause, das muss man mitdenken.“ Etwa in Form von genügend Steckdosen oder durch einen einzigen Schalter, mit dem sich alle Rollläden zugleich schließen lassen, wenn es heiß ist.

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