Wirtschaft
04.01.2019

Im Fadenkreuz der Justiz: Immer mehr Manager schnuppern Gefängnisluft

Vor allem Auto-Manager haben massiven Ärger mit der Justiz. Drei Banker wurden gestern in London festgenommen.

Das Jahr 2018 brach viele Rekorde. So wanderten im Vorjahr auffällig viele namhafte Manager großer Konzerne hinter Gitter – zum Teil für einige Monate in Untersuchungshaft, aber auch in reguläre Strafhaft. Eine Häufung der U-Häftlinge gibt bzw. gab es dabei in der Automobilbranche, vor allem im VW-Konzern, aber auch Banker und andere Top-Manager wurden zum Teil kurzfristig aus dem Verkehr gezogen.

 

Ghosn soll Firmengelder für private Zwecke verwendet haben

Mehr als sechs Wochen sitzt nun der ehemalige Nissan-Renault-Chef Carlos Ghosn in Tokio in U-Haft. Er wird angeblich heute, Freitag, vor Gericht zu einer Anhörung erscheinen. Ghosn wird beschuldigt, Einnahmen in Millionenhöhe nicht offengelegt und Privatschulden in Höhe von 17 Millionen Dollar dem Autokonzern aufgeladen zu haben. Ghosn bestreitet die Vorwürfe.

 

Insgesamt vier Monate saß der frühere Audi-Boss Rupert Stadler in einer JVA, er kam Ende Oktober 2018 aber wieder frei. Er soll nach Auffliegen der Abgas-Manipulationen bei Fahrzeugen für den US-Markt den weiteren Verkauf dieser Pkws mit illegaler Abgasabschalt-Software ermöglich haben. Stadler bestreitet die Vorwürfe. Audi entwickelte Motoren unter anderem für die VW-Schwesterkonzerne.

Der Fall Porsche

Im vergangenen April wurde auch ein Porsche-Manager wegen Verdunkelungs- und Fluchtgefahr in Deutschland verhaftet. Er handelte sich dabei um einen namhaften Technikchef. Auch gegen einen weiteren Porsche-Manager wird wegen des Abgasskandals ermittelt. Porsche weist die Vorwürfe zurück und kündigte eine volle Kooperation mit den Ermittlungsbehörden an. Zuvor hatten Ermittler in Bayern und Baden-Württemberg Razzien in Büros von Porsche und Audi durchgeführt. Die Staatsanwaltschaft München hat fast 20 Audi-Führungskräfte im Visier. Insgesamt wird gegen aktive und ehemalige 70 Führungskräfte des VW-Konzerns ermittelt; darunter auch gegen Ex-VW-Chef Martin Winterkorn. Auch er bestreitet alle Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Abgasskandal.

Wieder Audi

Auf freie Fuß befindet sich hingegen der ehemalige Audi-Toptechniker Giovanni P., er saß vier Monate in U-Haft. Er kam gegen Kaution (80.000 Euro) frei. Er soll mit den Ermittlern kooperieren und andere Manager angeblich belasten.

VW-Manager

Bereits in Strafhaft in den USA sitzt der frühere VW-Manager Oliver S. Er wurde wegen Betrugs zu sieben Jahren Haft verurteilt. Ein weiterer US-Manager von VW, James L., hat 40 Monate Freiheitsstrafe ausgefasst. In U-Haft in Deutschland saß wegen seiner angeblichen Involvierung in den Abgasskandal auch der ehemalige Porsche-Vorstand und Motorenentwickler Wolfgang Hatz. Er war Ende September 2017 festgenommen worden und ging Ende Juni 2018 gegen eine Kaution in Höhe von drei Millionen Euro wieder frei. Auch er bestreitet die Vorwürfe.

Die Causa Huawei

Anfang Dezember 2018 musste auch die Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou in Kanada einen unfreiwilligen Reisestopp einlegen. Die 46-jährige chinesische Spitzenmanagerin kam erst gegen Hinterlegung einer Kaution in Höhe von umgerechnet 6,5 Millionen Euro frei, sie muss aber eine elektronische Fußfessel tragen und musste zugleich ihre zwei Reisepässe abgeben. Zugleich wurde ihr eine nächtliche Ausgangssperre auferlegt. Die US-Justiz verlangt ihre Auslieferung. Sie soll gegen die US-Sanktionen gegen den Iran verstoßen haben. Sie bestreitet die Vorwürfe. Beobachter halten den Vorgang für mehr als dubios.

Die Schweizer Banker

Im vergangenen Sommer wurde in Miami, USA, eine früher Schweizer Banker verhaftet worden. Er wird von der US-Justiz der Geldwäscherei verdächtigt. Im Mittelpunkt dieses Krimis steht der venezolanische Öl-Staatskonzern PDVSA, aus dem 1,2 Milliarden Dollar abgezweigt worden sein sollen. Der Bank war zuletzt als Vermögensberater für namhafte Personen tätig.

Korruption, Geldwäsche und Wertpapierbetrug wird drei frühere Investmentbankern der Schweizer Großbank Credit Suisse (CS) und Mosambiks Ex-Finanzminister von einem US-Gericht in New York vorgeworfen. Laut der am Donnerstag vor dem US-Bundesgericht in Brooklyn veröffentlichten Anklage geht es um Kredite in Höhe von umgerechnet 1,8 Milliarden Euro (zwei Milliarden Dollar). Mit dem Geld sollten Entwicklungsprojekte in dem armen Staat etwa für den Thunfischfang, die Küstenüberwachung und Schiffswerften finanziert werden. Rund 200 Millionen Dollar davon flossen angeblich in persönliche Taschen und für Schmiergeldzahlungen an Beamte. Allein der frühere Finanzminister soll sieben Millionen Dollar erhalten haben.

Die drei früheren CS-Investmentbanker wurden im Zusammenhang mit der Anklage ebenfalls am Donnerstag in London festgenommen. Wie ein Sprecher der US-Staatsanwaltschaft sagte, die die Festnahme veranlasst hatte, seien alle drei gegen Kaution freigelassen worden. Die USA forderten ihre Auslieferung. Anwälte der drei Beschuldigten waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Dem Vernehmen nach werden die Vorwürfe aber bestritten.

 

Vor fünf Tagen war in dieser Causa Mosambiks früherer Finanzminister Manuel Chang (2005 bis 2015) in Südafrika verhaftet worden. Die USA verlangen auch dessen Auslieferung. Chang weist die Vorwürfe zurück. Als fünfte Person in der Affäre ist ein libanesischer Geschäftsmann angeklagt, der in der Koordination der Entwicklungsprojekte beteiligt gewesen sein soll. Er wurde am vergangenen Mittwoch am New Yorker John F. Kennedy Flughafen aufgegriffen und sitzt in Haft. Auch er bestreitet alle Vorwürfe.