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Hypo-Haircut
08/27/2014

UNIQA klagt gegen Hypo-Schuldenschnitt

Gewinnsteigerung beim Versicherungskonzern, der den Hypo-Haircut aber nicht schlucken wird.

von Andrea Hodoschek

Nach der VIG (mehr dazu) und der Oberbank (mehr dazu) kündigt auch der heimische Versicherungskonzern UNIQA eine Klage wegen des Schuldenschnitts bei den Hypo-Anleihen mit Haftungen des Landes Kärnten an. „Wir werden klagen“, sagt UNIQA-Chef Andreas Brandstetter. Denn der Haircut sei „eine kalte Enteignung von Kundengeldern“. Die UNIQA hat Hypo-Anleihen um rund 35 Millionen Euro zur Veranlagung von Kundengeldern in der Lebensversicherung in ihrem Portfolio. 19 Millionen Euro davon wurden jetzt abgeschrieben.

Noch prüfen die Anwälte, wie genau die UNIQA gegen das Hypo-Sondergesetz vorgehen wird. Offen ist derzeit ebenfalls, ob die Versicherungsgruppe im Alleingang klagt oder ob man weitere geschädigte Investoren mit ins Boot nimmt.

Trotz der Hypo-Wertberichtigung hat die UNIQA im ersten Halbjahr 2014 auf vergleichbarer Basis (ohne die Einmaleffekte aus dem Hotelverkauf im Vorjahr) das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) um knapp 25 Prozent auf 181,4 Millionen Euro gesteigert.

Der stark im Osten engagierte Konzern bleibt weiterhin in dieser Region präsent. Auch in der Ukraine. Dort ist die UNIQA Marktführer, fuhr im ersten Halbjahr ein EGT von 3,7 Millionen Euro ein und steigerte die Prämien um 28 Prozent. Nur die zwei Standorte in der Ostukraine wurden aus Sicherheitsgründen geschlossen. In Russland, wo die Versicherung über den Raiffeisen-Bankenvertrieb verkauft, legte die UNIQA heuer in Rubel gerechnet um 28 Prozent zu. Sowohl in der Ukraine als auch in Russland ist die UNIQA in Staatsanleihen investiert. Im Problem-Markt Rumänien seien die Weichen auf Sanierung gestellt.

Insgesamt steigerte die börsenotierte Assekuranz ihre Prämien im ersten Halbjahr um zwei Prozent auf 3,13 Milliarden Euro. Die Kostenquote wurde weiter verbessert. Das Ziel, 2014 das EGT des Vorjahres zu übertreffen, bleibt für Brandstetter aufrecht.

UNIQA verdient in Ukraine und Russland weiter

Der UNIQA-Versicherungskonzern setzt in der Ukraine und in Russland ungeachtet der Krise den Wachstumskurs fort und fährt dort auch weiterhin Gewinne ein. In lokaler Währung verzeichnete man im ersten Halbjahr in beiden Ländern rund 28 Prozent Prämienplus. In der umkämpften Ostukraine sind die Büros in Donezk und Lugansk geschlossen, für die Versicherungsnehmer wurde eine Hotline eingerichtet.

In der Ukraine bietet die UNIQA Sach- und Personenversicherungen an und ist in dem Land Marktführer. Die Privatkunden befänden sich zu 70 Prozent im Westen des Landes, die Firmenkunden fast zur Gänze. Die Schließung der Standorte im Osten sei zum Schutz der eigenen Mitarbeiter erfolgt, sagte Konzernchef Andreas Brandstetter zur APA. Die Geschäfte auf der Krim (mit früher 3 Mio. Euro Jahresprämie) wurden schon früher eingestellt.

"Die Ukraine ist profitabel", verweist Brandstetter auf ein EGT von 3,7 Mio. Euro im Halbjahr, im ersten Quartal waren es 3,3 Mio. Euro gewesen. Auf Griwna-Basis habe man bis Juni das Geschäftsvolumen um 28 Prozent ausweiten können (in Euro sank es um vier Prozent), jedoch werde sich das Wachstum in der Ukraine abflachen.

"Ein Rückzug aus dem CEE-Raum ist für uns aber kein Thema", betont der UNIQA-Chef ungeachtet der Probleme in mehreren Ländern: "Wir glauben an die Region; sie wird zurückkommen, auch wenn sie jetzt schwächelt."

In Russland, wo die UNIQA - via Raiffeisen-Bankenvertrieb - nur Lebensversicherungen anbietet und damit in dieser Sparte die Nummer 8 im Land ist, wuchs man heuer im Halbjahr in Lokalwährung ebenfalls um etwa 28 Prozent, auf Euro-Basis blieben acht Prozent Zuwachs. Der Rubel verlor in den letzten zwölf Monaten rund 10 Prozent gegenüber dem Euro und die ukrainische Griwna (Hrywnja) fast 40 Prozent, heißt es im Halbjahresbericht.

In Russland spüre man "keine Beeinträchtigung" und sei ebenfalls profitabel, betont Brandstetter: Das EGT betrug im Halbjahr 6,7 Mio. Euro, nach 4,1 Mio. Euro heuer im ersten Quartal bzw. 5,2 Mio. Euro voriges Jahr bis Juni. Das verrechnete Prämienvolumen in Russland stieg heuer im Semester im Jahresabstand um 8,2 Prozent auf 35 Mio. Euro, die Leistungen lagen bis Juni mit 19,6 Mio. Euro nur unwesentlich über Vorjahr.

In beiden Ländern ist die UNIQA stark investiert, vor allem in Russland: Dort lag ihr Staatsanleihen-Exposure Ende Juni bei 128 Mio. Euro und bei Corporate Bonds bei 120 Mio. Euro, fast unverändert gegenüber Ende März. In der Ukraine hielt die UNIQA per 30.6. Staatsanleihen im Marktwert von 13 Mio. Euro sowie Unternehmensanleihen im Volumen von 15 Mio. Euro, in Summe so viel wie per 31.3.

In Rumänien, laut UNIQA-Chef "das einzige Land, in dem es nach wie vor nicht gut läuft", sind die Weichen auf Sanierung gestellt, "2015 wollen wir den Turnaround erreichen". Im Halbjahr sei der Markt dort um rund dreieinhalb Prozent geschrumpft, UNIQA bei den Prämien "ganz bewusst" sogar um 30 Prozent, "denn wir machen bei der Kfz-Preisschlacht nicht mehr mit".

Bis Juni konnte der EGT-Verlust von 7 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2013 auf nunmehr 3,7 Mio. Euro verringert werden, "da arbeiten wir sehr stark an der Restrukturierung". Mit weniger als 6 Prozent Marktanteil liegt die UNIQA in Rumänien auf der 8. Marktposition.

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