Wirtschaft 27.01.2015

Gold setzt zum Höhenflug an

© Bild: APA/Bundesbank/unbekannt

Die Politik der Notenbanken treibt die Nachfrage, meinen Experten.

Zwei Jahre lang kannte der Goldpreis nur eine Richtung – bergab. Nachdem viele private und institutionelle Anleger in der Finanzkrise ihr Heil in Gold suchten und den Preis im September 2011 auf bis zu 1920 US-Dollar je Unze (damals 1359 Euro) getrieben hatten, folgte die Trendumkehr. Die Krise trat in den Hintergrund, Gold als sicherer Hafen hatte ausgedient. Hinzu kamen die geringen Inflationsraten in den entwickelten Ländern, die Gold als Schutz vor stark steigenden Preisen uninteressant erschienen ließen. Doch seit im November des Vorjahres der Kurs auf ein Viereinhalb-Jahres-Tief gefallen ist, geht es plötzlich steil bergauf.

"Die Korrektur nach unten ist jetzt beendet", sagt Ronald Stöferle, Experte beim Fondsanbieter Incrementum. Nicht nur verstärkte Käufe in Asien, wo 70 Prozent der weltweiten Nachfrage generiert werde, hätten zu dem Schub beigetragen. Noch wesentlicher seien Zinssenkungen wie etwa in Indien oder der Türkei und natürlich die in der Vorwoche beschlossenen Anleihenkäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB). "Die Notenbanken machen mit brachialer Gewalt alles, um die Inflation nach oben zu treiben. Ihre Liquiditätsflut führt zu steigender Inflation", freut sich Stöferle. Und nicht zuletzt seien die Preise anderer Anlageklassen (wie etwa Aktien oder Immobilien) im Vergleich zu Gold alles andere als günstig.

Nachhaltige Wende

Auch Andreas Böger, der den APM Gold & Resources Fund managt, sieht eine Trendumkehr. "Die Anzeichen für eine breit angelegte Wende verdichten sich." Gerade in den letzten Monaten hätten sich viele Faktoren zugunsten Gold verändert, allen voran der Anstieg der Systemrisiken im Zuge der weltweiten Wirtschaftsschwäche. Es passe deshalb auch ins Bild, dass Gold in den vergangenen Monaten nicht vom Ausverkauf im Rohstoffsektor betroffen war; der Markt differenziere zunehmend zwischen Gold und Industrie-Rohstoffen.

Auch Böger glaubt, dass die EZB-Maßnahmen langfristig für Gold sprechen werden. "Wenn noch mehr Geld gedruckt wird, kommt irgendwann die Inflation." Selbst in den USA seien die Zinsen für kurzlaufende Staatsanleihen gefallen; eine allfällige Leitzinsanhebung, wie sie von der Mehrheit der Marktbeobachter für den Sommer erwartet wird, hätte nur kurzfristige Auswirkungen. Auch Stöferle glaubt nicht an eine Erhöhung der US-Leitzinsen, "und wenn, dann nur in homöopathischen Dosen". Denn die Inflation fiel im November auf 1,3 Prozent und damit so stark wie seit fast sechs Jahren nicht mehr. Angestrebt wird ein Wert von zwei Prozent. Das spreche gegen eine Zinsanhebung, so Stöferle.

Er weist Anleger in Österreich explizit darauf hin, dass hier zu Lande das in Dollar gehandelte Gold nur auf Euro-Basis zählt. So habe es auf Dollar-Basis im Vorjahr ein Minus von 2,7 Prozent gegeben, in Euro war es ein Plus von 10,3 Prozent. Heuer sind es plus neun bzw. beachtliche 17 Prozent. Freilich wird ein Einstieg zum jetzigen Zeitpunkt angesichts der Euro-Schwäche zum Dollar teurer.

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Skeptiker

Nicht alle teilen Stöferles und Bögers Zuversicht. Lars Edler von Sal. Oppenheim etwa rechnet bis Jahresende mit einem Absacken auf 1050 Dollar (906,8 Euro). "Wir sind grundsätzlich keine großen Fans von Gold, weil es keine Zinsen bringt und die Volatilität sehr hoch ist." Zudem würden die Teuerungsraten niedrig bleiben.

"Ich glaube, dass der Boden beim Goldpreis erreicht ist", sagt Berhard Wenger von ETF Securities. "Für 2015 sind wir aber nur verhalten optimistisch." Gold sollte vor allem als Absicherung ins Portfolio genommen werden.

Erstellt am 27.01.2015