Hohe Arbeitslosig­keit in Wien und Kärnten

AMS
Foto: KURIER/Wessig Da ist das AMS zum Glück weniger beschäftigt: Rohrbach in Oberösterreich glänzte mit der niedrigsten Quote.

AMS-Studie. Deutlich bessere Zahlen in Westösterreich. Experte: Bildung ist entscheidend.

Hängt Arbeitslosigkeit auch mit dem Wohnort zusammen? Sieht ganz danach aus, wenn man eine neue Studie des Arbeitsmarktservice betrachtet. Ende März lag die Arbeitslosigkeit je nach Bezirk zwischen 4,0 und 14,4 Prozent. Rohrbach in Oberösterreich glänzte mit der niedrigsten Quote. Auch andere oberösterreichische Bezirke schneiden gut ab, etwa Eferding und Freistadt. Den schlechtesten Wert wies Spittal an der Drau in Oberkärnten auf. Weitere Problembezirke sind Gmünd, Wiener Neustadt und "Baden Neu".

Nach Bundesländern aufgegliedert hatte Wien die höchste Arbeitslosigkeit mit 13,6 Prozent, gefolgt von Kärnten und dem Burgenland. Deutlich besser lagen Tirol (6,5 Prozent) und Oberösterreich (6,3 Prozent). Der Österreich-Schnitt beträgt übrigens 9,3 Prozent.

Industrie bringt Jobs

Im EU-Vergleich ist die Streuung der Arbeitslosigkeit relativ hoch, sagt Helmut Hofer, Arbeitsmarktexperte des Instituts für Höhere Studien (IHS). Überraschung sei das aber keine. Besonders viele Arbeitslose gibt es laut Statistik immer dort, wo es wenig Industrie gibt. Deswegen schneiden die Industriebundesländer Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Niederösterreich und früher auch noch Vorarlberg im Ranking verhältnismäßig gut ab. Die Oberösterreicher und Salzburger profitieren zudem von der Nähe zum Konjunkturmotor Deutschland. Mit der Krise 2009/10 hat sich der Vorteil der Industrie-Standorte aufgrund diverser Jobabbau-Programme allerdings ein wenig relativiert.

Wien punktet eher als Standort für Dienstleister. Wer produziert, weicht ins Umland aus. Schon allein aus Platzgründen. Wenn die öffentliche Hand dann auch noch den Sparstift spitzt, fallen laut Statistik immer verhältnismäßig viele Stellen in der Bundeshauptstadt weg.

Eigentlich müssten Unternehmer das Arbeitskräfteangebot in schwachen Regionen nutzen und sich dort ansiedeln, um die Löhne niedrig halten zu können. Nach einer anderen Theorie gehen die Unternehmen aber lieber in die starken Regionen, wo es gute Infrastruktur und bereits wirtschaftliche Zentren gebe. Demnach hätten schwächere Regionen weniger Chancen auf Unternehmensansiedlung, erklärt Helmut Hofer.

"Bedeutender als der Wohnort ist aber die Qualifikation", sagt der Experte. Und natürlich die Bereitschaft, zum Arbeitsplatz zu pendeln.

(kurier) Erstellt am
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