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wirtschaft von innen
05/12/2020

Hoffnungsvolle Signale für einen Neustart der AUA

Dienstag wieder Spitzen-Gespräch zwischen Lufthansa-Chef Spohr und Regierung. Verhandlungen laufen derzeit besser

von Andrea Hodoschek

Lufthansa-Chef Carsten Spohr flog vergangen Woche mit einem klaren Auftrag der Regierungsspitze unter Bundeskanzler Sebastian Kurz von Wien nach Frankfurt zurück. Am Dienstagnachmittag gab es wieder ein Gespräch mit Kurz, Vizekanzler Kogler, den Ministern Blümel und Gewessler sowie Staatssekretär Brunner, diesmal allerdings per Videokonferenz.

Die Regierung hatte Spohr klargemacht, dass er Österreich im Gegenzug für Staatshilfe Sicherheiten bieten müsse. Im Fokus stehen Garantien für den Standort und den Ausbau des Flughafens Wien zum Langstrecken-Drehkreuz. Im Gespräch sind auch hohe Pönale, falls die Lufthansa die Zusagen für ihre Tochter AUA nicht einhält. Nach dem Vorbild der Swiss, die eine hohe Strafzahlung akzeptiert hat, sollte das Drehkreuz Zürich reduziert werden.

Die Regierung sei im regelmäßigen Austausch mit den relevanten Stakeholdern, war nach dem Treffen zu hören.  Finanzminister Blümel werde auch zu einem Runden Tisch in Standortfragen einladen.

FILE PHOTO: Lufthansa CEO Carsten Spohr in Munich

Erste Zwischenbilanz

Am Dienstag wurde auch der AUA-Aufsichtsrat in einer Telefonkonferenz über den Stand der Verhandlungen informiert. Eine erste Zwischenbilanz der Verhandlungen mit der staatlichen Finanzierungsagentur Cofag, den Banken und der Regierung sieht derzeit etwas besser aus als gegen Ende der Vorwoche.

Besicherungen und Rückzahlungsmodalitäten der Staatshilfe über insgesamt 767 Millionen Euro würden wieder stärker in den Vordergrund rücken, informierte AUA-Vorstand Jens Ritter jetzt nach einer Verhandlungsrunde mit Betriebsräten und Gewerkschaft die Belegschaft. Zusätzlich erwarte die AUA „ökosoziale Auflagen“,was gegenüber den Billig-Fliegern ein Wettbewerbsvorteil sein könnte. Insgesamt erlebe man „eine sehr lösungsorientierte Atmosphäre, uns zu helfen“, auch wenn noch einige schwierige Nüsse zu knacken seien.

Man spüre deutlich, „dass das verantwortungsvolle Haushalten mit Steuergeld der wesentlich Triggger unserer Verhandlungspartner ist“.

Business-Plan

Um am 18. Mai eine positive Fortführungsprognose der Wirtschaftsprüfer PwC zu erhalten, muss die AUA einen plausiblen Business-Plan vorlegen können, wie sie den Neustart schaffen will. Voraussetzung dafür ist eine Reduzierung der Kosten um 20 Prozent.

Alternative Insolvenz: Bis zu 3.000 Jobs weniger

Die Mitarbeiter sind bereit, 300 bis 400 Millionen Euro insgesamt bis 2023 an Gehaltskürzungen zu schultern. Bis Ende der Woche soll das Mitarbeiter-Paket ausverhandelt sein. Inklusive dem Abbau von bis zu 1.100 Vollzeit-Äquivalenten, das entspricht bei Einberechnung der Teilzeit-Jobs rund 1.400 Arbeitsplätzen. Die Hälfte davon könnte durch Fluktuation abgebaut werden.

Im Alternativ-Szenario einer Insolvenz müssten bis zu 38 Prozent aller 7.000 Jobs abgebaut werden, das würde 2.000 bis 3.000 Mitarbeiter betreffen, rechnete das Management vor.

In den Verhandlungen mit den Lieferanten und Systempartnern (Flughafen Wien, Austro Control) habe man bereits 100 Millionen Euro an „Krisenbeiträgen eingesammelt und wir sind zuversichtlich, dass wir die 20 Prozent Kostenreduzierung erreichen werden“, berichtet der Vorstand.

Lufthansa-Beteiligung nicht vom Tisch

Eine Beteiligung der Republik Österreich an der Lufthansa ist nach wie vor ein Thema. Auch wenn die deutsche Regierung bei den Lufthansa-Töchtern nur nationale Beteiligungen akzeptieren will. „Derzeit sind noch alle Optionen auf dem Tisch. Es braucht Sicherheiten, die Lufthansa kann sich nicht aus der Verantwortung für die AUA stehlen und muss sich am Risiko beteiligen“, heißt es aus Verhandlerkreisen.

Solange die Drohung der Lufthansa, den Konzern unter ein Schutzschirmverfahren (eine Art der Insolvenz) zu stellen, wäre eine Staatshilfe Österreichs gegenüber den Steuerzahlern grob fahrlässig, wird argumentiert.

Die Regierung werde einem Deal niemals zustimmen „bei dem die Gefahr eines Verlusts von Steuergeld zu hoch ist. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass der Staat für 90 Prozent der Kreditsumme haftet“, konstatiert auch der Vorstand in seinem Info-Schreiben.

Neustart

Nach Lufthansa und Swiss überlegt jetzt auch die AUA einen Neustart im Juni. Man müsse aber sehr vorsichtig sein, wird argumentiert, weil ein zu frühes Starten dazu führen könne, „dass wir zu viel Cash verbrennen, was wir uns noch weniger leiten können als unsere Konzernschwestern“. Die AUA beobachte den Markt, aus dem erste positive Signale kämen, „wir halten uns startbereit“.

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