2017/18 wurden in der Staatsoper das Schwindfoyer und die Loggia umfangreich saniert.

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Wirtschaft
03/12/2019

Historische Gebäude: Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Vergolder werfen Bund mangelhafte Sanierung vor und fürchten um die Zukunft ihrer Branche.

von Robert Kleedorfer

„Handwerk hat goldenen Boden.“ Ausgerechnet bei den Vergoldern und Staffierern stimmt dieser Spruch nicht mehr. Viele würden seit Jahren nur noch Verluste schreiben und hätten Mitarbeiter reduziert, heißt es aus der Branche. Von den landesweit 90 Betrieben seien nur noch rund 50 tatsächlich aktiv. Laut Wirtschaftsministerium gibt es aktuell nur fünf Lehrlinge.

Mit ein Grund für die Misere ist laut Branchenvertretern der Bund selbst. Denn ausgerechnet bei Bundesgebäuden würde seit Jahren bei der Sanierung aufs Vergolden mit richtigem Gold verzichtet und stattdessen billigere Materialien verwendet.

So etwa bei der Staatsoper in den Jahren 2017/’18. Laut Sprecherin Ina Gayed wurden erstmals seit 1955 die historischen Malereien und Stuckaturen im Vestibül sowie im Schwindfoyer als auch auf der Schwind-Loggia umfassend restauriert. Die Ausschreibungen und Vergaben seien in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt durchgeführt worden. Den Zuschlag erhielten Restauratoren aus Österreich und dem angrenzenden Ausland. „Die Arbeiten wurden denkmalfachlich korrekt durchgeführt“, heißt es unisono seitens der Oper und des Bundesdenkmalamts.

Kulturelles Erbe

Anders sehen dies viele Fachleute. „Wie geht die Republik mit ihrem kulturellen Erbe um? Die historischen Goldoberflächen wurden verfälscht. Im Vestibül wurden bis zu 90 Prozent statt mit Blattgold mit goldener Schuhpaste überschmiert“, heißt es zum KURIER. Konkret stößt man sich daran, dass Restauratoren zum Einsatz gekommen sind. Diese würden, so der Vorwurf, handwerkliche Tätigkeiten von Stuck, Stein bis zur Malerei machen, aber kaum über Expertise im Vergolden verfügen. Gayed entgegnet: „Bei den ausgeschriebenen Arbeiten handelte es sich um Restaurierungs- und Instandsetzungsarbeiten. Das heißt, es wurde nur partiell neu vergoldet.“

Laut Vergoldern ist zudem mit den falschen Materialien hantiert worden, nämlich mit Vergolderwachs (Messingstaub) und Perlglanz (Plastikgold). „Für manche Laien schaut es toll aus, aber im Gegensatz zu Gold reflektiert es nicht. Es schaut braun aus.“ Laufmeterweise wären Stäbe mit Perlglanz überstrichen worden. Laut Ausschreibung sollten aber nur fingernagelgroße Fehlstellen auf diese Art retuschiert werden. „Jene Bereiche, die aufgrund der Reduktion alle historischen Schichten verloren hatten, wurden mit Blattgold neu vergoldet“, sagt Gayed. Mängel, die den Vergoldern sauer aufstoßen, seien zwischenzeitlich ausgebessert worden.

 

 

Unterm Strich betrugen die Gesamtkosten laut ihren Angaben 1,42 Millionen Euro. Mit echtem Blattgold wären es circa zwei Millionen Euro gewesen, heißt es seitens der Vergolder. Ein kleines Stück hauchdünnes Blattgold kostet einen Euro, ein Tiegel Perlglanz rund 20 Euro, ein Tiegel Vergolderwachs 13 Euro. Mit beiden kann eine ungleich größere Fläche gestrichen werden.

Schönbrunn

Auch bei der Renovierung der chinesischen Kabinette im Schloss Schönbrunn 2017 seien ähnliche Fehler passiert und auch kein Blattgold aufgetragen worden, monieren die Vergolder. Seitens des Wirtschaftsministeriums kalmiert man. Laut Befundung durch einen Vergoldermeister habe sich gezeigt, dass schon bei der Restaurierung davor kein Blattgold aufgetragen worden sei. Daher sei nun nur eine restauratorische Vergoldung erfolgt. Im Vorjahr bei einer Begehung aufgezeigte Mängel seien behoben worden.

Ähnliche Befürchtungen haben die Vergolder nun bezüglich der Sanierung des Parlaments. Die zuständige Bundesimmobiliengesellschaft versucht, die Ängste zu zerstreuen. „Vergoldete Elemente werden sanft gereinigt, um die Patina zu erhalten. Es gab daher keine gesonderte Ausschreibung zur Restaurierung der Vergoldungen.“

Wie auch immer. Das Wirtschaftsministerium will den Vergoldern nun unter die Arme greifen und in den nächsten Wochen ein erweitertes Berufsbild mit Schwerpunkt „Arbeiten an historischen Objekten“ ausarbeiten. Die Vergolder sind dennoch unzufrieden. „Das Handwerk wird umgebracht.“ Obwohl es seit zwei Jahren laut UNESCO zum erhaltenswerten immateriellen Kulturerbe Österreichs zählt.