Wirtschaft 02.02.2012

Heizen! Aber wie?

© Bild: KURIER/Wessig Michael

Die Temperaturen gehen nach unten, die Heizkosten schnellen nach oben. Die Wahl des richtigen Heizsystems spart bares Geld. Ein Vergleich.

Ob bei dem einen oder anderen Bewohner von Leibnitz Anfang Jänner womöglich zarte Frühlingsgefühle hochkeimten, ist nicht belegt. Nachvollziehbar wäre es aber allemal gewesen. Die Südsteirer durften am 2. Jänner sagenhafte 13,1 Grad genießen – der österreichweit höchste Wert dieses deutlich zu warmen Wintermonats. Auch der Dezember zeigte sich im ganzen Land von seiner milden Seite. Kurzum, Heizen rückte in den vergangenen Wochen im Bewusstsein der Österreicher deutlich in den Hintergrund.

Die Presseabteilung von Wien-Gas machte sich sogar daran, den Wienern vorzurechnen, wie viel sie sich aufgrund der milden Witterung an Heizkosten erspart haben: In der bisherigen Heizsaison liege der Energieverbrauch einer durchschnittlichen Wiener Wohnung um 84 Kilowattstunden (kWh) beziehungsweise 1,5 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre. Somit habe die Witterung eine Ersparnis bei den Gaskosten von sechs Euro pro Haushalt gebracht. Immerhin.

Doch mittlerweile hat ein sibirisches Hochdruckgebiet das Land fest im Griff, die Heizungen laufen auf Hochtouren. Vor allem fossile Heizträger brennen ein entsprechend großes Loch in die Haushaltsbudgets vieler Österreicher.

Vergleich

Wer in der Vergangenheit auf das falsche Heizsystem gesetzt hat, wird umso kräftiger zur Kassa gebeten. Wie ein von der Österreichischen Energieagentur (AEA) erstellter Vergleich belegt, kann sich eine exemplarische Familie in einem unsanierten Haus aus den 1960er- bis 80er-Jahren (130 Quadratmeter Nutzfläche) Tausende Euro sparen, wenn sie sich für das richtige Heizsystem entscheidet (siehe Grafik).

Schon bei den reinen Brennstoffkosten ist das Einsparungspotenzial beachtlich. Betrachtet man allerdings die Gesamtkosten über die Nutzungsdauer der Heizanlage (inklusive Anschaffungs- und Wartungskosten), dann entfaltet sich erst die wahre Dimension. Der Umstieg vom teuersten Heizsystem (Strom) zum günstigsten (Scheitholz) schlägt sich mit mehr als 3000 Euro pro Jahr zu Buche, bei Fernwärme sind es rund 2700 Euro Ersparnis.

Sanieren lohnt

Grafik Heizkostenvergleich
© Bild: KURIER/Vogel/Wessig/Gruber, Österreichische Energieagentur

Bei einer Vollsanierung selbiger Immobilie ist im Übrigen nicht mehr Strom, sondern Heizöl die teuerste Variante, da sich Anschaffungs- und Wartungskosten proportional verteuern.  „Unabhängig vom Heizsystem kann eine Sanierung die jährlichen Heizkosten um bis zu 60 Prozent drücken“, erläutert AEA-Geschäftsführer Peter Traupmann. Dort wo es möglich ist, rät er zu einem Umstieg auf biogene Brennstoffe. Zwar seien die Anschaffungskosten mitunter höher als bei den Fossilen. „Doch in der Langzeitbetrachtung steigen die Erneuerbaren sehr gut aus“. Die jüngere Vergangenheit habe zudem gezeigt, dass Pellets, Hackschnitzel & Co. – im Gegensatz zu Öl und Gas – preisstabil waren.

Energiespartipps

Ein Grad weniger bei der Raumtemperatur spart sechs bis sieben Prozent Heizkosten. Fenster nicht kippen, sondern Stoßlüften. Heizkörper sollten nicht nur regelmäßig entlüftet werden, sondern die Wand dahinter mit Folie isoliert werden. Schwere Vorhänge haben vor Heizkörpern nichts verloren. Auch wer Eingangstüren und Fenster abdichtet, spart gutes Geld.

Trend zu sparsamen, umweltfreundlichen Heizungen

Wer ein neues Eigenheim errichtet, hat bei der Wahl des Heizsystems drei Kriterien im Blickfeld: Erstens soll es möglichst günstig sein; zweitens umwelt- und klimaschonend und drittens auch langfristig sicher.

Heizöl kommt dabei zunehmend schlecht weg: Der Preis ist in den vergangenen Jahren enorm in die Höhe geschossen, die langfristige Verfügbarkeit ist auch nicht sicher. Kein Wunder daher, dass sich Österreichs Häuslbauer keine neuen Ölheizungen mehr zulegen. Die Zahl der Ölheizungen sinkt (siehe Grafik). Im Heizungsbestand aber hat Öl noch einen beträchtlichen Anteil. Sparen könnten die Ölheizer mit einem Tausch des Heizkessels, der bis zu 40 Prozent des Verbrauchs einspart. Über das Institut für wirtschaftliche Ölheizung wird dieser Tausch sogar finanziell gefördert – mit bis zu 2000 Euro.

Keinen Platz mehr im Neubau hat auch die Kohlenheizung, die als extrem umweltschädlich gilt. Und reine Stromheizungen sind einfach zu teuer.

Wärmepumpen

Grafik Heizsysteme
© Bild: KURIER/Statistik Austria

Beliebt sind bei den Häuslbauern hingegen die Wärmepumpen. Dabei wird meist Erdwärme oder Außenluft genutzt, um mittels Wärmetauscher die Räume zu heizen. Die Systeme sind nicht nur umweltfreundlich, sondern auch komfortabel, da kein Schmutz (wie etwa Asche) entsteht. Allerdings sind Wärmepumpen in der Anschaffung relativ teuer und die Betriebskosten hängen am Strompreis, der ja auch stetig steigt.

Eine Alternative zu den Wärmepumpen sind Pelletsheizungen, die wegen der Nutzung von Holz als Klimaneutral gelten. Im Zunehmen sind auch Solarheizungen, die – je nach Bundesland – mehr oder weniger großzügig gefördert werden. Im städtischen Bereich wiederum ist die Fernwärme im Vormarsch, die relativ preiswert ist.

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( Kurier ) Erstellt am 02.02.2012