© APA/HANS PUNZ

Wirtschaft
03/23/2021

Heimische Börsekonzerne bei Nachhaltigkeit im Verzug

Welche Unternehmen zu wenig für Umwelt und Soziales zu tun scheinen, hat Finanzexpertin Martha Oberndorfer ermittelt.

von Robert Kleedorfer

Nachhaltigkeit ist in aller Munde, sei es bezüglich Umwelt oder sozialen oder ethischen Standards. Auch viele institutionelle und private Investoren legen Wert darauf, dass Konzerne, in die sie veranlagen wollen, diese gewünschten Standards erfüllen. Nachhaltige Investmentfonds etwa boomen, alleine in Österreich erhöhte sich deren Volumen im Vorjahr um 64,6 Prozent oder um 6,8 Mrd. Euro auf 17,4 Mrd. Euro.

Seit kurzem müssen Fondsgesellschaften in der EU ihre Nachhaltigkeitsansätze offenlegen. Und börsennotierte Unternehmen müssen erstmals für das Geschäftsjahr 2021 ihre Umsatzerlöse, Investitionsausgaben und Betriebsausgaben im Sinne einer EU-Verordnung entsprechend klassifizieren. Doch während viele ausländische Konzerne hier schon recht weit sind, hinken österreichische Unternehmen hinterher. Das zeigt eine Erhebung von Martha Oberndorfer, Finanzmarktexpertin und Beraterin und zuvor Chefin der Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur.

Von 17 untersuchten Börsen schneidet die Wiener Börse in vier Nachhaltigkeitsratings zusammen gerechnet am schlechtesten ab (gemeinsam mit Stockholm, Oslo, London, New York und Sao Paolo). Top sind demnach Zürich, Amsterdam und Tokio.

Unterschiedliche Bewertungen

Welche Konzerne konkret für dieses Ergebnis verantwortlich sind, ist laut der Erhebung auf den ersten Blick nicht gleich zu sagen. „Es zeigt sich, dass die verschiedenen Rating-Anbieter sehr unterschiedlich bewerten“, sagt Oberndorfer zum KURIER. So sind beispielsweise Verbund und Vienna Insurance Group (VIG) bei einem Anbieter unter den Top 5 und bei einem anderen unter den Flop 5. „Ich glaube nicht, dass die VIG so schlecht ist.“ Beim Verbund hingegen gebe es keine Frau im Vorstand und mangelnde Transparenz hinsichtlich Vergütung.

Klar ist jedoch: Schoeller Bleckmann Oilfield (SBO), AT&S und s-Immo werden unisono als Nachzügler eingeordnet. „Manche reden vielleicht nicht mit den Analysten“, mutmaßt Oberndorfer. Die meisten Datenlücken wiederum gibt es bei Mayr Melnhof, Do & Co, Uniqa, AT&S sowie s-Immo. „Das bedeutet, dass die Firmen punkto Nachhaltigkeit nicht schlecht sind, sondern dass die Daten nicht verfügbar sind“, so Oberndorfer.

Es reiche nicht, sie nur in Geschäftsberichten abzudrucken, sondern sie müssten auch den Agenturen zur Verfügung gestellt werden. „Einträge in diversen Datenbanken werden bevorzugt von Analysten und Fondsmanagern herangezogen.“

Gewinner OMV

Überraschend scheint es, dass ausgerechnet der Ölwert OMV der Top-Wert bezüglich Nachhaltigkeit ist. „Der Konzern hat große Anstrengungen unternommen, um Defizite der Vergangenheit zu korrigieren“, sagt Oberndorfer.

Generell rät sie Firmen, die attraktiv für den Kapitalmarkt sein wollen, einen Blick darauf zu haben, ob und wie ihre Nachhaltigkeits-Daten in gängigen Datenplattformen erscheinen. Ein dafür verantwortlicher (Chief Sustainability Officer) könnte dabei helfen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.