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Wirtschaft von innen
10/12/2019

Hauen und Stechen im Verbundkonzern

Teilstaatlicher Stromproduzent: Gute Ergebnisse, aber Machtkämpfe im Vorstand. Und eine politisch brisante Postenbesetzung steht an.

von Andrea Hodoschek

Beim Verbund, Österreichs größtem Stromkonzern, läuft ergebnistechnisch alles rund. 433 Millionen Euro Gewinn, der Aktienkurs nach langer Flaute verfünffacht, die Prognosen positiv.

Der mehrheitlich staatliche, börsenotierte Energieversorger verdankt den Aufschwung großteils den steigenden Strompreisen. Sowie den Debatten über den Klimawandel. „Grüner“ Strom ist gefragt, ein Anbieter, der auf erneuerbare Wasserkraft setzt, hat Zukunft. Der Konzern ist strategisch richtig aufgestellt.

Gar nicht rund dagegen läuft es im vierköpfigen Vorstand. „Dort geht es zu wie in den schlechten Zeiten der alten verstaatlichten Industrie. Grabenkämpfe, wenig Kostenbewusstsein und Einfluss der Politik“, berichten kritische Insider verärgert.

Die Konstellationen im Vorstand sind an sich einer gedeihlichen Zusammenarbeit nicht gerade förderlich.

Der langjährige Boss Wolfgang Anzengruber, 63, ÖVP, wurde nur noch bis Ende 2020 verlängert.

Finanzchef Peter Kollmann, 56, ebenfalls ÖVP-nahe, wurde auf drei Jahre bis Dezember 2021 wiederbestellt, mit der Option auf eine zweijährige Verlängerung. Ebenso die zwei neuen Vorstände, Michael Strugl und Achim Kaspar.

Ein CEO mit derart kurzer Ablauffrist gilt, unabhängig von seinen Leistungen, als „lame duck“, als lahme Ente. Mit der Autorität funktioniert’s dann nicht mehr so. Das schon lange raue Klima zwischen Anzengruber und Kollmann soll sich noch weiter verschlechtert haben.

Der ehemalige Investmentbanker hofft offenbar nach wie vor auf die Einser-Position. Diese sei ihm bereits bei seinem Einstieg zugesagt worden, hört man. Doch bei seiner Vertragsverlängerung im Vorjahr habe man ihm klargemacht, dass es mit dem CEO nix mehr wird.

Der Top-Job ist nicht für den hoch qualifizierten Finanzmanager vorgesehen, sondern für den Ex-ÖVP-Politiker Strugl, 56, der gleich als Vize-CEO an Bord kam. Direkt aus der oberösterreichischen Landesregierung. Der damalige Vize-Landeshauptmann soll die baldige Beförderung zum CEO zur Bedingung für sein Kommen gemacht haben.

All das wurde natürlich nie transparent abgehandelt, sondern bei fraktionellen Gesprächen ausgeschnapst. Wie es bei staatsnahen Unternehmen in Österreich immer war und wie es auch heute noch üblich ist.

Strugl dürfte sich als Manager ganz gut machen. Intern wird ihm ein ruhiger, besonnner Führungsstil bestätigt. Auch dem vierten Vorstand, dem ehemaligen Cisco-Chef Achim Kaspar, 54, mit Nähe zur FPÖ, wird ordentliche Arbeit attestiert.

Wer es in den Verbund-Vorstand geschafft hat, darf sich zu den best bezahlten Managern des Landes zählen. Die Bezüge liegen bei mehr als einer Million Euro im Jahr, plus großzügiger Pensionen. Für ein Unternehmen mit rund 2.700 Mitarbeitern üppig.

Postenbesetzung

Spannend könnte demnächst eine Postenbesetzung in der zweiten Ebene werden. Nach einem längeren Arbeitsprozess wurde der zweite Geschäftsführer-Job in der Verbund Sales GmbH ausgeschrieben. Der wichtige Vertrieb untersteht Strugl, der den Bereich derzeit neu organisiert. Der Verbund hat knapp 470.000 Strom- und Gas-Haushaltskunden.

Als Favorit gilt Christoph Schmidt. Der 31-Jährige hat zwar politische Schlagseite, aber auch Expertise in der Energiewirtschaft. Er kennt Sebastian Kurz gut aus der Jungen ÖVP. Schmidt war Geschäftsführer im Burgenland und Gemeinderat in Eisenstadt. Bis zum Ende der türkis-blauen Regierung jobbte er im Kabinett des Kanzleramtsministers und Kurz-Vertrauten Gernot Blümel.

Schmidt baute zuvor als Allein-Geschäftsführer den Energieanbieters Switch auf, einen Konkurrenten des Verbund mit 100.000 Kunden in Österreich und Deutschland. Seine energetische Karriere begann als Vorstandsassistent in der Energie Burgenland, später leitete Schmidt deren Tochter Green Power.

Fragt sich, ob der Ex-Politiker Strugl jemanden von außen holt, der ebenfalls politischen Background hat. Bei den Vorstandsbestellungen im Vorjahr wurden alle jüngeren, gut qualifizierten internen Bewerber übergangen, was der Motivation im Unternehmen nicht gutgetan hat. Andererseits kann man Schmidt die fachliche Qualifikation nicht absprechen.