Happy-Socks-Chef Stefan Fragner

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Wirtschaft
06/09/2019

Happy Socks: Niederösterreicher an der Spitze des Modekonzerns

Stefan Fragner aus Perchtoldsdorf leitet das schwedische Socken-Label. Auch in Wien soll es bald Filialen geben.

Blau, schwarz, grau oder braun – in diesen dezenten Tönen bevorzugen die Österreicher ihre Socken. Und damit sind sie in Europa nicht alleine. Zurückhaltung bei der Farbwahl ist angesagt. Diesem langweiligen Einerlei haben 2008 zwei Schweden den Kampf angesagt und ihr Unternehmen Happy Socks gegründet.

Heute, mehr als zehn Jahre später, ist der Plan aufgegangen: In weltweit mehr als 90 Ländern und 10.000 Verkaufsstellen können die bunten Socken bereits in Geschäften gekauft werden. Jährlich werden rund 30 Millionen Paar produziert, der Firmenwert liegt bei 70 Millionen Euro. Die beiden Gründer haben längst an Finanzinvestoren verkauft. Die Geschäfte leitet seit zwei Jahren der Perchtoldsdorfer Stefan Fragner. Wie kam es dazu?

„Ich habe in Österreich für bwin gearbeitet und dort meine jetzige Frau, eine Schwedin, kennengelernt“, sagt er im KURIER-Gespräch. Als der heimische Wettanbieter dann an die schwedische OnGame verkauft wurde, wechselten beide 2010 nach Stockholm. Und blieben bis heute.

Rasanter Aufstieg

„Zwei Jahre später wollte ich etwas Neues machen“, erzählt Fragner. Zur selben Zeit suchte Happy Socks einen eCommerce-Verantwortlichen. „Das Unternehmen war damals in dem Bereich nicht optimal aufgestellt. Ich kam zwar nicht aus dem Modesegment, aber hatte vom digitalen Verkauf eine Ahnung.“ Fragner baute dann drei Jahre den digitalen Verkauf auf, ehe er später die rechte Hand des Geschäftsführers wurde und schließlich 2017 dessen Posten übernahm.

„Wir sind ein globales Unternehmen, das Produkt funktioniert überall“, sagt Fragner. „Und wir sind eine Unisex-Marke für alle Altersgruppen.“ Happy Socks seien ein ideales Geschenk oder Mitbringsel, daher konkurriere man weniger mit anderen Sockenherstellern als mit klassischen Geschenken wie etwa Schokolade. Natürlich gebe es Nachahmer oder illegale Kopien, so Fragner, aber diese seien lokal beschränkt oder würden nach einiger Zeit wieder ausgelistet werden. Original bleibe eben Original.

David Hasselhoff

Und das hat auch seinen Preis: ein Paar der Baumwollsocken kostet 10 Euro, Special Editions durchaus das Doppelte und mehr.

Aktuell etwa gibt es eine Happy Socks-Edition in Kombination mit Flip-Flops von Havaianas (um 30 Euro). „Die Zusammenarbeit zeigt, dass man mit der Kombo aus Socken und Flip-Flops jeden Tag zu einem Sommertag machen“, sagt Fragner. Und ergänzt mit einem Lächeln: „Socks'n'Sandals ist stark im Kommen.“ Beliebtestes Modell ist übrigens jenes mit großen Punkten (siehe Bild unten).

Weiters gibt es Rolling Stones- und Beatles-Editions sowie – für den Sommer – „The Hoff’s Day Off“ mit David Hasselhoff als Testimonial. Dabei handelt es sich aber nicht um Socken, sondern um Bademode. Denn seit wenigen Jahren gibt es unter der Marke „Happy Socks“ auch andere Bekleidungsstücke wie Unterwäsche oder Jacken. Hergestellt wird die Ware großteils in der Türkei („ein Sockenland“, so Fragner).

90 Mio. Euro Umsatz

Noch immer aber tragen Socken 85 Prozent zum jährlichen Umsatz von zuletzt 90 Millionen Euro bei. Der eCommerce hat einen Anteil von fast 50 Prozent an allen Verkäufen. Die Rücksendequote sei extrem gering. „Socken passen meistens.“

Distribution, also Verkauf über Handelspartner, hat einen Anteil von 40 Prozent. Der Rest entfällt auf rund 100 Shops (85 auf Franchise-Basis), davon alleine 50 in China, in London sieben und in Barcelona drei. „Wir wollen immer gleich mehrere Stores in einer Stadt.“ In Österreich gibt es keine Filiale – noch. „Wir hatten zwei Mal einen Pop-Up-Store auf der Mariahilfer Straße“, sagt Fragner. Dieser sei gut gelaufen, nun möchte er mit seiner Marke dauerhaft mit Filialen in Wien bleiben. Mariahilf, die Innenstadt oder Parndorf seien in der engeren Auswahl, fix sei aber noch nichts. Bis dahin gibt es Happy Socks u.a. bei Peek & Cloppenburg oder Kastner & Öhler. In den kreativen Bereich mischt sich Fragner nicht ein. „Wir haben Designer, fragen aber auch Konsumenten und Händler.“