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Halbjahr
07/30/2013

Die Erste hält sich vom Staat fern

Treichl hat keine Lust auf Hypo-Bad-Bank – "Bankenhilfe hat Steuerzahler viel Geld gebracht."

von Hermann Sileitsch-Parzer

Das geht schön langsam auf den Keks.“ Erste-Group-Chef Andreas Treichl hat wenig Lust, sich an einer Abwicklungsbank (Bad Bank) für die notverstaatlichte Hypo Kärnten zu beteiligen. „Der Staat soll die Hypo sanieren und schauen, dass damit weder die Steuerzahler noch andere Banken belästigt werden“, sagte er am Dienstag.

Für die Republik hätte es einen großen Vorteil, wenn private Banken die Mehrheit an einer Hypo-Bad-Bank stemmen. Dann würde diese Österreichs Staatsschulden nicht erhöhen. Nach derzeitigem Stand müssten faule Hypo-Papiere von bis zu 17 Milliarden Euro in so eine Abwicklungsbank wandern.

Treichl ist aber nur am Serbien-Geschäft interessiert. Das steht wiederum für die Hypo nicht zur Debatte: Das Osteuropa-Netzwerk soll als Ganzes einen Käufer finden. Und eine Bad Bank nach Ländern aufzudröseln, sei kaum denkbar, heißt es.

Weniger Staat

Das Spitzeninstitut der Sparkassen versucht, sich tunlichst vom Staatseinfluss zu lösen. Am 8. August zahlt die Erste die Bankenhilfe an die Republik komplett zurück. „Wir müssen hoffentlich nie wieder hören, dass wir den österreichischen Steuerzahler Geld gekostet haben. Wir haben ihm sehr viel Geld gebracht“, betont Treichl. 2009, am Höhepunkt der Krise, hatte der Staat der Bank 1,22 Milliarden Partizipationskapital (PS-Kapital) geborgt. Dafür hat die Erste über vier Jahre gerechnet 448 Mio. Zinsen gezahlt – abzüglich der Kapitalkosten habe der Staat 300 Mio. Euro verdient.

Möglich wurde die Tilgung durch die jüngste Kapitalerhöhung, die der Bank 660 Mio. Euro einbrachte. Der Rest kommt aus den Reserven. Der Fahrplan für den Aufbau eines größeren Eigenkapital-Puffers ist dennoch ungefährdet: Die Erste erreicht trotz der Rückzahlung schon jetzt ihr Ziel von 10 Prozent hartem Kernkapital nach den strengen „Basel III“-Regeln.

Rumänien profitabel

Das Halbjahresergebnis fiel wie erwartet schlechter aus als im Vorjahr. Die Erste Group erzielte unterm Strich 301 Mio. Euro Gewinn. „Das ist nicht genug, aber in Anbetracht der Umstände ein gutes Ergebnis“, so Treichl.Zu schaffen machten der Bank niedrigere Zinserträge und die schwache Konjunktur – die Kreditnachfrage ging überall, außer in der Slowakei und Tschechien, zurück. Für das Gesamtjahr bleibt die Erste bei der Prognose, wonach das Betriebsergebnis bis zu 5 Prozent unter jenem von 2012 liegen wird. Osteuropa leistet den größten Ergebnisbeitrag für die Erste Group, die in der Region weiterhin wachsen will. Hoffnung macht das Sorgenkind Rumänien, das nach hohen Verlusten wieder schwarze Zahlen schreibt. Ein Problemfall bleibt Ungarn: Dort habe die Erste in Summe wegen hoher Steuern und Kosten aus Fremdwährungskrediten mehr Geld verloren als verdient. Sein Institut sei „die am höchsten besteuerte Bank der Welt“, behauptet Treichl: Allein im Halbjahr seien 180 Mio. Banken- und Transaktionssteuern angefallen. Für Erste-Finanzvorstand Manfred Wimmer war es die letzte Bilanz – er geht in Pension.Die Investoren waren mäßig enttäuscht; die Aktie lag an einem schwachen Börsentag ein halbes Prozent im Minus.

„Wir verdienen mit Privatkunden gutes Geld“

... Filialschließungen Wir haben 140 Bankfilialen in Wien und Niederösterreich. Ein Schließungskonzept gibt es nicht. Wir sperren keine Filiale zu, nur weil uns nichts einfällt, was man in einer Filiale tun kann. Wir werden in den Ballungszentren aber in einige große Filialen zusammenziehen, wo den Kunden Spezialisten für alle Finanz-Themen zur Verfügung stehen. Die kleineren Filialen werden sich auf Transaktionen (Überweisungen etc.) konzentrieren. Und wir probieren neue Konzepte aus. Etwa das Future Lab in der Lerchenfelder Straße. Das ist eine Filiale, in deren Zentrum eine große Theke ist, wo die Kunden auch Kaffee trinken können.

... Innovation Die Banken-Branche war bisher nicht so wirklich innovativ. Seit der Erfindung des Bankomats vor 30 Jahren gab es eigentlich keine durchschlagende Neuerung, die sich im Rückblick nicht als toxisch herausgestellt hätte. Wir wollen in unserem Vertrieb eine wirkliche Veränderung schaffen.

... Internet-Banking Wir wollen für unsere Privatkunden ganz neue Vertriebskanäle öffnen. Dazu zählt nicht nur Netbanking, sondern auch App-Dienste, die eine wirkliche Entlastung im Umgang mit den eigenen Finanzen bringen. Etwa der Quick-Check, der einen raschen Überblick über den Kontostand ermöglicht. Oder: Das Fotografieren von Erlagscheinen und das automatische Weiterverarbeiten über Handy, um das mühsame Eintippen von BIC und IBAN zu vermeiden, bieten wir an. „Gamification“ des Bankgeschäfts lautet das Motto. Es darf auch ein bisserl Spaß machen.

... Neukunden Wir gewinnen überraschend viele Neukunden in unserer neuen Filiale am Westbahnhof. Generell wächst unsere Kundenzahl seit Jahren kontinuierlich von unter 700.000 Privatkunden vor einigen Jahren auf mittlerweile mehr als 800.000. Unser Ziel ist, in einigen Jahren eine Million Kunden zu haben.

... Verluste Die Erste Bank verdient mit den Privatkunden gutes Geld. Wenn die Berater von A.T. Kearney sagen, die Banken seien im Privatkundengeschäft zu wenig profitabel, stimmt das eben nicht für alle. Die Erste Bank kann sich auf eine gute Kapitalausstattung stützen und ist veränderungswillig.

Heinrich Treichl wird zum „Jahrhundert“-Banker

Am Mittwoch feiert er seinen 100. Geburtstag, aber schon davor ist er zur lebenden Legende geworden: Heinrich Treichl, Vater von Andreas Treichl, war von 1970 bis 1981 CA-Generaldirektor. In seine Ära fiel die Internationalisierung der Bank. Dass diese 1997, lang nach seiner Zeit, von der Bank Austria übernommen wurde, betrachtete es als „großen Fehler“. Eigentlich hätte die CA die „schwache Bank Austria“ übernehmen sollen, wie er meinte.

Der 1913 geborene Treichl stammte mütterlicherseits aus einer adeligen Familie. Nach dem Jus-Studium arbeitete er als Devisenhändler in Paris. Im Krieg wurde er als Soldat zur Wehrmacht eingezogen. Danach war er im Ullstein-Verlag tätig (seine Frau stammte aus der Verlegerfamilie). 1956 wechselte Treichl in die damalige „Verstaatlichten-Holding“ und 1958 zur seinerzeit mehrheitlich staatlichen CA.

1974 bis 1999 war Treichl Präsident des Roten Kreuz. Auch sein zweiter Sohn, Michael, arbeitet für die Finanzwirtschaft (in London).

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