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Wirtschaft
10/22/2019

Händler: "Unsere Mitarbeiter arbeiten schon jetzt zwei Wochen weniger"

Arbeitgeber-Chefverhandler Peter Buchmüller argumentiert, dass drei zusätzliche Ruhetage die Branche mehr als 150 Millionen Euro kosten würden.

von Simone Hoepke

100 Euro mehr im Monat, drei zusätzliche Ruhetage im Jahr und 130 Euro Schulgeld für Lehrlinge. Das sind die Forderungen, mit denen die Gewerkschaft GPA-djp Dienstagmittag in die in Kollektivvertragsverhandlungen für 413.000 Handelsangestellte gegangen ist.

Arbeitgeber-Chefverhandler Peter Buchmüller kommentiert die Forderungen mit zwei Worten: „Völlig unrealistisch.“

Schon vor dem offiziellen Start der Verhandlungen war er „irritiert“, hatte ihn doch die Gewerkschaft über die Medien ausrichten lassen, dass sie heuer ein durchschnittliches Gehaltsplus von 4,4 Prozent fordert. „Für die untersten Einkommen würde das ein Plus von 6,46 Prozent bedeuten“, rechnet Buchmüller vor und winkt sofort ab. So viel sei keinesfalls drin.

Zum Vergleich: Die Forderung ist zwar hoch gegriffen, aber nicht so hoch wie etwa in der Metallbranche, die aktuell ein Plus von 4,5 Prozent für ihre 130.000 Beschäftigten durchsetzen will. Die Metaller-Arbeitgeber bietet aber nur 1,8 Prozent, was in etwa der Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate entspricht. Die Gewerkschaft fühlt sich „gefrotzelt“ und erhöht den Druck: Sie droht mit Betriebsversammlungen, wenn es auch in der 5. Verhandlungsrunde zu keinem Ergebnis kommt.

"Arbeitszeitverkürzung ausgeschlossen"

Davon sind die Händler beim Start der ersten Runde freilich noch weit entfernt. Dennoch stehen auch hier die Zeichen nicht gerade in Richung einer schnellen Lösung. Denn auch von den zusätzlichen Ruhetagen will Buchmüller nichts wissen: „Eine Arbeitszeitverkürzung ist ausgeschlossen. Wir haben schon jetzt eine 38,5-Stunden-Woche, während andere Branchen noch eine 40-Stunden-Woche haben“, argumentiert er. „Aufs Jahr hochgerechnet arbeiten unsere Mitarbeiter dadurch schon jetzt zwei Wochen weniger.“

Gewerkschafter Martin Müllauer argumentiert währenddessen, dass der Druck auf die Mitarbeiter steigt. Oft stehen sie alleine in der Filiale, können dementsprechend keine Pausen machen, müssen zig Sachen auf einmal erledigen. Um das hohe Stresslevel auszugleichen, sollten Händler ihren Mitarbeitern mehr Ruhe gönnen, so die Argumentation für die zusätzlichen Ruhetage. „Eine unmögliche Forderung“, findet Buchmüller. „Die Umsetzung würde der Branche mehr als 150 Millionen Euro kosten.“

Auch der Forderung nach 130 Euro Schulgeld für Lehrlinge erklärt er gleich zum Start der Verhandlungen eine klare Absage. „Wir haben im Vorjahr einen Doppelabschluss für Lehrlinge gemacht, also auch gleich für heuer mitverhandelt. Jetzt kommen die Arbeitnehmervertreter wieder mit neuen Forderungen daher.“

Im Vorjahr hatten sich die Sozialpartner darauf geeinigt, dass die Lehrlingsentschädigungen für 2019 um mehr als acht Prozent erhöht werden (auf 650 Euro im ersten Lehrjahr, 820 im zweiten, 1.000 im dritten und 1.150 Euro im vierten Lehrjahr). 2020 sollen die Lehrlingsentschädigungen dann auf 700, 900, 1.100 und 1.200 Euro steigen.

Fest steht, dass die Branche nicht gerade für ein besonders hohes Gehaltsniveau bekannt ist. Aktuell liegt das kollektivvertragliche Mindestgehalt für Vollzeitangestellte im alten Handels-KV bei 1.634 Euro brutto pro Monat, das sind 1.307 Euro netto laufender Bezug und im neuen KV bei 1.677 brutto oder 1.334 Euro netto.

Dazu kommt, dass im Handel die Teilzeitquote mit 39 Prozent überdurchschnittlich hoch ist (über alle Branchen hinweg 29 Prozent). Mit ein Grund ist die hohe Frauen-Quote (63 Prozent), speziell im Einzelhandel.

Nächste Runde am 29. Oktober

Die erste Runde im Gehaltspoker blieb wie erwartet ohne Ergebnis. Geeinigt haben sich die Sozialpartner aber zumindest auf die für die KV-Runden maßgebliche Inflationsrate mit einem Wert von 1,7 Prozent. Weiterverhandelt wird am 29. Oktober.

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